TEST: Leinwand – WS P DESIGN GRANDCINEMA

WS Spalluto offeriert seine Referenzleinwand „WS P Design GrandCinema“ für stattliche 2785,- Euro. Das Unternehmen verspricht dafür „Easy Install“ und eine perfekte Planlage. In diesem Test habe ich ausführlich geprüft, ob die Leinwand die hohen Anforderungen erfüllen kann, die kritische Heimkinobesitzer an so ein teures Produkt stellen.

WS P Design GrandCinema - Foto Michael B. Rehders_MBR0001
Foto: Michael B. Rehders
Die WS P Design GrandCinema kommt im stylisch abgerundeten Design daher und besitzt ein Tab-Tension-System für die seitliche Tuchspannung. Damit wird Wellen auf der Leinwand entgegen gewirkt. Auf dem Gehäuse prangt der Name des Leinwandherstellers PROJECTA.

Mit einer Leinwand fängt alles an
Zu den Basics in einem Heimkino gehört neben dem Projektor eine gute Leinwand.
Und ja, eine Leinwand wird zwingend benötigt. Zumindest, wenn ein Mindestmaß an Qualitätsbewusstsein vorhanden ist. Eine Leinwand stellt in einem Heimkino nämlich sicher, dass ein hochwertig projiziertes Bild seine normnahen Farben, die Helligkeit und den Kontrast behält. Andere Projektionsflächen oder Materialen wie Raufasertapeten, billige Sonnenschutz-Rollos und angemalte schwere Spanplatten stellen zwar auch Bilder dar, bieten aber nie die einheitliche Reflektion und Farbtreue, die eine gute Leinwand gewährleistet.
Das führt uns direkt zur WS P Design GrandCinema.In den Niederlanden werden PROJECTA-Bildwände seit 1952 hergestellt. Die Manufaktur befindet sich im beschaulichen Ort Weert. Sie ist die größte Produktionsstätte in Europa für Leinwände aller Art. Sämtliche PROJECTA-Produkte verfügen über eine CE-Kennzeichnung und werden unter ISO 9001:2000-Zertifizierung hergestellt.
PROJECTA ist ebenso wie DA-LITE und CHIEF eine Handelsmarke von Milestone AV Technologies. WS Spalluto lässt u. a. dort seine Leinwände herstellen.
Der Vorteil dieser Zusammenarbeit liegt auf der Hand: Heimkinobesitzer können sich optional alle Sonderwünsche erfüllen lassen.
Zum Beispiel: Wer kein weißes oder schwarze Gehäuse im Wohnzimmer hängen haben möchte, der kann das Gehäuse in jeder gewünschten RAL-Farbe lackieren lassen. Damit lässt sich eine Leinwand wunderbar unauffällig ins stylisch eingerichtete Wohnzimmer integrieren.

Das gespannte Tuch
Ich entschied mich für das Modell WS P Design GrandCinema mit dem Seitenverhältnis 16:9. Hierbei handelt es sich um eine neutralweiße Leinwand mit Tab-Tension-System. Dieses System soll mit einer seitlichen Tuchspannung dafür sorgen, dass die Projektionsfläche absolut plan bleibt. Hässliche Wellen im Bild sollen damit nicht auftreten.
Die Leuchtdichte gibt WS Spalluto mit Gain 1.1 an.
Das mattweiße Glasfasertuch der Design GrandCinema ist vollkommen strukturlos. Damit ist es bestens für hochaufgelöstes Kontent geeignet. Nicht nur Filme in Full-HD-Auflösung erstrahlen damit in voller Pracht, sondern ebenso die Filme auf der nagelneuen 4K-Blu-ray.
Die Bedienung soll bequem vom Sofa per Funk-Fernbedienung erfolgen. Das optional erhältliche RF-Set orderten wir deshalb gleich mit.

WS P Design Grand Cinema im Lumière - Foto Michael B. Rehders_MBR2002
Foto: Michael B. Rehders
Die Leinwand wiegt beachtliche und vertrauenserweckende 27 kg. Sie wurde solide verpackt bis ins Heimkino geliefert.

Easy Installation
Als „Easy Install“ bewirbt WS Spalluto die Inbetriebnahme.
Im Grunde wird die Leinwand fix und fertig geliefert. Der Heimkinofreund muss sich nur noch entscheiden, ob sie an die Zimmerdecke oder die Wand soll. Die passenden Halterungen aus Metall gehören zum Lieferumfang dazu. Ebenso das komplette Montagematerial wie Dübel und stabile Schrauben.
Die gesamte Haptik der Leinwand und des Zubehörs versprühen einen hochwertigen Eindruck. Die Installation des Funksystems gestaltet sich angenehm einfach. Die Beschreibung in der gedruckten Bedienungsanleitung ist leicht verständlich.

Und so „easy“ funktioniert die Installation:
WS P Design Grand Cinema - Handsender - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Die optional erhältliche Fernbedienung besitzt sogar eine Wandhalterung, damit sie nicht verloren geht.

WS P Design Grand Cinema - Funkempfänger - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Der Funkempfänger und sämtliche Anschlusskabel sind vorhanden.

WS P Design Grand Cinema - Funkempfänger mit Stromkabel - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Der Netzstecker wird in den Funkempfänger gesteckt. Das Kabel, das aus dem Funkempfänger heraus kommt ist für die Leinwand bestimmt.

WS P Design Grand Cinema - Anschluss an Leinwand - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Seitlich im Leinwandkasten befindet sich der Stromanschluss der WS P Design GrandCinema. Das Kabel des Funkempfängers wird einfach nur eingestöpselt. Damit das Kabel nicht verrutscht, wird es spielend leicht in dem vorgesehenen „Kabelkanal“ verlegt. Anschließend kommt eine Kunststoffabdeckung darüber, so dass die gesamten Kabel nicht mehr zu sehen sind und das Gehäuse sauber geschlossen daherkommt.

WS P Design Grand Cinema - Wandschalter - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Zusätzlich gehört ein kleiner Wandschalter zur Ausstattung WS P Design GrandCinema, den ich aber nicht angeschlossen habe, weil mir die komfortable Bedienung per Handsender super gut gefällt. Das passende Anschlusskabel für den Wandschalter liegt mit dabei. Die einzelnen Phasen müssen im Schaltergehäuse angeschraubt werden. Wirklich schade, dass hierfür nicht ebenso eine einfache Steckverbindung vorhanden ist, wie sie beim Handsender zum Lieferumfang gehört.

WS P Design Grand Cinema - Tab-Tension-System - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Fix und fertig an die Wand montiert fährt die Leinwand zügig aus. Das Tab-Tension-System erledigt seinen Job vorbildlich. Das Tuch wird perfekt gespannt.
Der Praxistest
Nach nicht einmal 30 Minuten hängt die WS P Design GrandCinema einsatzbereit an der Wand. Ein Klick auf die Fernbedienung lässt die Leinwand zügig und ruckelfrei ausfahren. Eine Korrektur des Fallstabs ist nicht erforderlich. Dieser hängt exakt in Waage. Mit dem ersten Einsatz verbreitet sich indessen ein unangenehmer Duft von Kunststoff und Lösungsmitteln im Raum. Die Leinwand sollte über Nacht bei geöffnetem Fenster erstmal ausdünsten.
Als nächstes kontrolliere ich die Planlage des Tuches von der Seite. Sie ist spiegelglatt. Keine einzige Welle ist zu sehen. Darüber hinaus besitzt das Tuch keine sichtbare Struktur. Der schwarze Kasch ums Bild herum erscheint hochwertig. Der Vorlauf beträgt 15 – 30 cm. Somit ist genügend Flexibilität für normale Wohnzimmer gegeben, um die WS P Design GrandCinema auf die gewünschte Sichthöhe zu fahren.
Aufgrund des Tab-Tension-Systems ist die Leinwand unten minimal breiter. Das ist gewollt und eine typischen Tension-Eigenschaft, um das Leinwandtuch optimal zu spannen. Wenn die Leinwand formatfüllend genutzt werden soll, muss das 16:9-Bild ein wenig in den schwarzen lichtschluckenden Kasch projiziert werden.
Die Helligkeitsmessung ergibt eine Leuchtdichte von knapp 1,1. Damit wird die Herstellerangabe nahezu punktgenau getroffen. Das auftreffende Licht wird rund 10 % heller zurück geworfen als es auftrifft. Dieser Effekt wird erreicht, in dem kleinste lichtverstärkende Partikel zum Einsatz kommen. Diese kleinen Partikel finde ich in der Praxis nicht störend. Die Farben werden originalgetreu vom planen Tuch reflektiert. Winzigste Pixel einer 4K-Projektion bleiben erhalten. Das ist vorbildlich. Damit taugt die Leinwand uneingeschränkt für die Abmusterung von Fotoaufnahmen und Filmen.
Sony VPL-HW65- Screenshot - Hamburg_MBR6560
Foto: Michael B. Rehders
Das Foto von Hamburg schoss ich aus der 21. Etage. Die Farben des Doppeldeckers mit der goldenen Aufschrift werden farbrichtig abgebildet. Alle Details dieser 4K-Aufnahme sind fehlerfrei. Die Lichtverteilung ist gleichmäßig. Vom Sitzplatz aus gibt es keine dunklen Ecken und keinen Hot-Spot. Der optimale Betrachtungswinkel ist so groß, dass selbst Zuschauer, die etwas neben der Leinwand sitzen, eine gute Homogenität erfahren.

Als nächstes landet „The Hatefull 8“ im Blu-ray-Player. Der neue Film von Quentin Tarantino wurde auf 70-mm-Film gedreht. Während die 70-mm-Filmfassung im Kino noch grobes Korn aufweist und helle Bereiche überstrahlen, macht die Kombination aus WS P Design GrandCinema und dem Referenz-Projektor von JVC ein tadelloses Bild. Das Rauschen/Filmkorn fällt erstaunlich fein aus. Selbst in den Schneelandschaften sind jetzt kleine Details zu sehen, die im Kino nicht mehr sichtbar sind. Während die Postkutsche durch den Schneesturm fährt, sind die einzelnen Flocken erkennbar, die vom Wind durch die Gegend geblasen werden. Störende „Glitzer“-Effekte (Sparkle) fallen mir nicht auf.
Nach Ende des Films wird die Leinwand wieder hochgefahren. Sie verschwindet vollständig im Leinwandkasten. Kompliment an den Leinwandhersteller, so geht Heimkino!

Messung links Original, rechts Design GrandCinema
Messungen: Die projizierten Primär- und Sekundärfarben des Projektors (CIE-Diagramm links) werden von der WS P Design GrandCinema (Diagramm rechts) originalgetreu abgebildet.

Studiotek 130 vs. Design GrandCinema - Makroaufnahme - Foto Michael B. Rehders_MBR2224
Foto: Michael B. Rehders
In der Makroaufnahme ist sehr gut zu sehen, dass sich die Tücher von Stewart (Studiotek 130) und WS Spalluto (WS P Design GrandCinema) fast ähneln wie ein Ei dem anderen. Durch den höheren Leuchtdichtefaktor (Gain 1,3) reflektiert das Studiotek 130 das auftreffende Licht minimal heller als das Design GrandCinema mit Gain 1,1.
Während die lichtverstärkenden Partikel im Studiotek 130 manchmal zu leichten Glitzer-Effekten führen, wenn helle Bildinhalte wie Schneelandschaften projiziert werden, ist mit der WS P Design GrandCinema davon nichts zu sehen.

Experten-Tipps für Tension-Systeme:
Um die Tuchspannung auf lange Sicht bestmöglich zu erhalten, sollte die Leinwand immer vollständig herunter gefahren werden. Auf diese Weise kann das Tab-Tension-System seine Performance bestmöglich ausschöpfen. Darüber hinaus kann es aufgrund von Temperaturschwankungen erforderlich sein, die Seilspannung im Winter/Sommer nachzuziehen. Dafür sind unten am Fallstab die kleinen Inbus-Schrauben vorhanden. Im Handumdrehen wird damit die Seilspannung optimiert. V-Wellen verschwinden. Wer einen längeren/kürzeren Vorlauf zu Hause benötigt, um eine angenehme Sichthöhe zu erzielen, der sollte diesen Wunsch vor dem Kauf äußern. Da PROJECTA eine Manufaktur ist (siehe oben), kann die gewünschte Vorlauflänge gegen Aufpreis angepasst werden.

WS P Design Grand Cinema - Projekta - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
PROJECTA ist der Hersteller der WS P Design GrandCinema für WS Spalluto.

Fazit
WS Spalluto hält Wort. Mit der WS P Design GrandCinema werden höchste Ansprüche erfüllt, die selbst kritische Heimkinofreunde an eine Leinwand stellen. Dazu gehören die vorzügliche Material- und Verarbeitungsqualität, die leichte Installation („Easy Install“) und eine komfortable Bedienung. Die Abbildungsqualität auf dem strukturlosen Glasfasertuch ist exzellent. Dank des Tab-Tension-Systems wird das Tuch vorbildlich plan gespannt. Der große Betrachtungswinkel ist ebenso begrüßenswert, wie die homogene Lichtverteilung und eine originalgetreue Farbreproduktion. Obendrein taugt die WS P Design GrandCinema uneingeschränkt für die Abmusterung von Fotos und Filmen – das alles hat allerdings auch seinen Preis, den ich in Anbetracht der Leistung für durchaus gerechtfertigt halte.

Pro und Kontra
+ perfekte Planlage des Tuches
+ Tab-Tension-System
+ hochwertige Materialqualität
+ einfache Installation
+ einstellbare Endpunkte und Tuchspannung
+ originalgetreue Farbdarstellung
+ großer Betrachtungswinkel
– leichte Geometriefehler
– unangenehmer Geruch durch Ausdünstungen beim erstmaligen Gebrauch
– Wandschalter nicht „Plug and Play“

Technische Daten:
Modell: WS P Design GrandCinema
Hersteller: WS Spalluto
Abmessungen: 2,20 x 1,18 Meter (16:9)
Leuchtdichte: Gain 1,1
Zubehör: Montagematerial, gedruckte Gebrauchsanleitung, Wandschalter, Fernbedienung (optional)
Preis (UVP): 2785,- Euro

Test, Text und Fotos: Michael B. Rehders

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