TEST: Sony VPL-HW65

Nach dem großen 4K-Projektor Sony VPL-VW520 stellte mir Sony nun zusätzlich den VPL-HW65ES leihweise zur Verfügung, um ihn auf Herz und Nieren zu testen. Die leistungsstärkere Lampe des VPL-HW65ES, eine verbesserte 3D-Wiedergabe und die komfortable Bedienung versprechen allerhöchsten Filmgenuss zu Hause. Was es sonst noch für Verbesserungen zum Vorgängermodell gibt, zeige ich in diesem Test.

Sony VPL-HW65ES - Foto Michael B. Rehders_MBR6492
Sony VPL-HW65ES

Styling und Verarbeitung
Den Sony VPL-HW65ES gibt es in zwei Farbtönen: Schwarz und Weiß. Während das schwarze Modell für das dedizierte Heimkino prädestiniert ist, um auch die letzte helle Streulichtfläche zu vermeiden, lässt sich das weiße Modell unauffällig im hell eingerichteten Wohnzimmer integrieren. An der weißen Zimmerdecke kann es weitgehend unauffällig seinen Dienst verrichten. Die Verarbeitung des Projektors erscheint recht solide. Die Spaltmaße passen genau. Das Objektiv besitzt eine angenehme Haptik, wenn Schärfe und Zoom daran eingestellt werden. Die Stecker sämtlicher Anschlusskabel sitzen fest in den Buchsen, so dass eine störungsfreie Signalübertragung gewährleistet ist.

Ausstattung und Technik
Der Sony VPL-HW65ES trägt in sich eine Full-HD-Auflösung mit 1920 x 1080 Pixel. Die SXRD-Chips haben einen Füllfaktor oberhalb von 90 %. Dadurch erscheinen projizierte Filme fast schon „analog“, fast wie echter 35mm-Film. Auf normalen Sitzabständen ist dementsprechend kein „Fliegengitter“ mehr zu sehen.
Sony spendierte dem VPL-HW65ES eine leistungsstärkere Lampe, die nun 215 Watt besitzt anstatt der 200 Watt des Vorgängermodells (VPL-HW55). Ebenso beziffert Sony die Lebensdauer der neuen Lampe mit 6000 Stunden im Eco-Modus. Das bedeutet eine Steigerung von 1000 Stunden zum Vorgängermodell.
Integriert wurde ein HF-3D-Sender, welcher den Projektor mit der 3D-Brille auf Funkbasis synchronisiert. Gegenüber der „alten“ Infrarot-Technik lassen sich damit die IR-Fernbedienungen anderer Heimkinokomponenten, wie beispielsweise der AV-Receiver oder der Blu-ray-Player, störungsfrei nutzen. Darüber hinaus gelingt dem VPL-HW65ES eine nahezu perfekte 3D-Bilddarstellung (siehe auch unten im Bildtest).
Praktisch finde ich obendrein die USB-Update-Funktion, mit der die Firmware unkompliziert auf dem neuesten Stand gehalten werden kann.
Über die „Blanking“-Funktion dürfen sich Besitzer einer Cinemascope-Leinwand freuen, wenn sie Spielfilme mit sich stetig änderndem Bildformat abspielen – wie beispielsweise „The Dark Knight“ oder „Guardians oft the Galaxy“. Das Bild kann so maskiert werden, dass die Bildbereiche vollständig „ausgeschaltet“ werden, die sich außerhalb des Cinemascope-Formats befinden.
Die Frame Interpolation (FI) nennt Sony liebevoll „Motionflow“. Diese lässt sich in mehreren Stufen regeln. Sogar in 3D lässt sie sich zuschalten.
Die Auto-Iris erhöht subjektiv den Kontrast und arbeitet weitgehend unauffällig. Allenfalls in harten Blendenwechseln und im Abspann ist die Arbeitsweise erkennbar, in dem sie sichtbar nachregelt. Da die Maximalhelligkeit recht hohe Spitzlichter ermöglicht, habe ich sie deaktiviert. Den Schwarzwert fand ich dann immer noch achtbar.

Sony VPL-HW65 - Fernbedienung beleuchtet_MBR6510
Die große Fernbedienung liegt gut in der Hand. Aufgrund der beleuchteten und gut lesbaren Tasten ist es möglich, schnell und sicher durch die Bildmenüs zu navigieren.

Sony VPL-HW65 - Anschlüsse_MBR6490
Sämtliche Anschlüsse befinden sich auf der rechten Seite. Dazu gehören 2 HDMI-Eingänge und der USB-Port für die Update-Funktion. Darüber befindet sich die Steuereinheit, falls die Fernbedienung mal nicht zur Hand sein sollte.

Normnahe Farben ab Werk
Der Bildmodus „Reference“ trägt seinen Namen zu Recht. Bereits ab Werk sind die Farben ordentlich. Zwingend einer Korrektur bedarf dieses Preset nicht. Dank eines umfangreichen Farbmanagements haben engagierte Laien und Kalibrier-Profis die Möglichkeit, Farbraum, Graustufenverlauf und Weißpunkt nach ihren Wünschen zu verändern.
Sony gibt die Maximalhelligkeit mit 1800 Lumen an. Das sind 100 Lumen mehr als beim VPL-HW55. Dieser Wert wird vom neuen VPL-HW65ES mit 1764 Lumen im Bildmodus „Benutzer 5“ fast erreicht. Allerdings ist die Farbtemperatur mit knapp 8300 Lumen zu hoch. Für Präsentationen von Texten unter suboptimalen Bedingungen mag das ausreichen. Für eine originalgetreue Film/Fotowiedergabe ist das nicht brauchbar.
Besser eignet sich wie eingangs beschrieben der Bildmodus „Reference“. Dieser erzielt ab Werk noch gute 1330 Lumen. Durch die Kalibrierung büßt der Sony VPL-HW65 nur 34 Lumen ein. Die Maximalhelligkeit beträgt kalibriert also gute1296 Lumen (D65). Wenn die strengen Vorgaben von THX fürs digitale Kino erfüllt werden sollen, reicht das aus für satte 3,90 Meter Bildreite.

Sony VPL-HW65 - Farbraum BT
Der „Farbraum BT.709“ verfehlt seine Soll-Koordinaten (schwarzes Dreieck) nur geringfügig. Somit ergeben sich bereits in der Werkseinstellung normnahe Farben. Besonders Hautfarben erscheinen natürlich.

Sony VPL-HW65 - Farbraum - kalibriert
Mit wenigen Handgriffen ist das Gamut kalibriert. Die Primär- und Sekundärfarben treffen ihre Soll-Koordinaten nahezu punktgenau. Das führt zu einer ausgesprochen originalgetreuen Farbwiedergabe von DVDs und Blu-rays.

Sony VPL-HW65 - Tabelle Farbraum - kalibriert
Die DeltaE-Werte befinden sich nach der Kalibrierung fast alle im grünen Bereich. Das RGB-Niveau und die Farbtemperatur fallen sehr gut aus.

Sony VPL-HW65 - Graustufenverlauf - Werkseinstellung
Der Graustufenverlauf ist ab Werk relativ linear. Im Bild fallen keine störenden Verfärbungen auf. Die Farbtemperatur liegt mit 6665 Kelvin (D65) nur geringfügig über dem Soll von 6504 Kelvin (D65).

Sony VPL-HW65 - Graustufenverlauf - kalibriert
In kürzester Zeit war der Graustufenverlauf korrigiert. Die Stellregler des VPL-HW65ES müssen dafür nicht einmal ans Limit gebracht werden. Die Farbtemperatur beträgt nun vorzügliche 6512 Kelvin (D65).

Sony VPL-HW65 - Gamma - Werkseinstellung
Das Gamma fällt bereits ab 30 IRE deutlich sichtbar ab. Ideal wäre ein Verlauf auf dem Wert 2.2.

Sony VPL-HW65 - Gamma - kalibriert
Nach der Kalibrierung sieht das Gamma etwas besser aus, ohne die Perfektion der anderen Bildparameter zu erreichen. Dunkle Bildinhalte sind perfekt durchgezeichnet. Wolkenstrukturen am Himmel büßen ein wenig an Zeichnung ein. Hellere Elemente in dunklen Szenen sind hingegen leicht aufgehellt, so dass sich sogar ein etwas plastischerer Bildeindruck ergibt.

Installation und Bildeindrücke
Der Sony VPL-HW65ES ist recht schnell aufgestellt. Die Installation ist dank großem Zoom und horizontalen/vertikalen Lens-Shift unkompliziert. Die Lens-Shift-Regler befinden sich auf dem Projektor und funktionieren spürbar präziser und weniger „schwammig“ als beim Vorgängermodell. Am Objektiv lassen sich Zoom (1,6-fach) und Fokus haargenau einstellen. Ich finde die Haptik wertig und die Regelung angenehm „straff“. Einmal eingestellt verstellen sich selbst nach mehreren Stunden Filmgenuss Zoom, Fokus und der Lens-Shift nicht.
In der Tat ist der Projektor im hohen Lampenmodus geräuscharm und kaum wahrnehmbar. Im Heimkino habe ich keinerlei Störgeräusche vernommen.

Sony VPL-HW65 - Full-HD-Pixelauflösung - Werkseinstellung, Panelabgleich ein, kalibriert - von links
Positiv fällt mir zunächst auf, dass der Sony VPL-HW65ES alle 1920 x 1080 Pixel auf die Leinwand projiziert – und zwar jeden einzelnen Pixel der Full-HD-Auflösung. Das obige Testbild offenbart aber auch, dass Feindetails ab Werk grüne Verfärbungen aufweisen (Bild links). Das führte bei „Star Wars – Episode 3“ dazu, dass nicht alle Sterne auf der Leinwand zu sehen sind. Durch die grünen Verfärbungen und dem damit einhergehenden Feinkontrastverlust wurden die Sterne schlichtweg nicht mehr wiedergegeben. Aber der Projektor bietet die Möglichkeit einer Konvergenzkorrektur. Wird dieser „Panelabgleich“ eingeschaltet, legt sich fürs Erste ein roter Farbstich auf die Feindetails (Bild Mitte). Die Ursache ist schnell gefunden. Im Demo-Modell stand Rot im Preset „Panelabgleich“ auf -4. Mit minimalen Korrekturen von Rot und Blau ergaben sich weitestgehend farbneutrale Feindetails (Bild rechts). Allenfalls mit der Nasenspitze vor der Leinwand waren noch geringe chromatische Aberrationen erkennbar, die aber auf übliche Sitzabstände keine Rolle mehr spielen. Diese Einstellung sollte unbedingt vorgenommen werden, denn in „Star Wars – Episode 3“ wurden nach der Konvergenzkorrektur alle Sterne im Weltraum abgebildet. Die Sterne leuchteten jetzt etwas heller als zuvor, weil sich der Kontrastumfang in den Feindetails deutlich sichtbar erhöht hat.

Sony VPL-HW65 - Schärfe - Bildrand links, Bildmitte_MBR6517
Der Sony VPL-HW65 besitzt eine recht gute Schärfe. In der Leinwandmitte (Bild rechts) wird das Kreuz in Pixelgröße ansehnlich abgebildet. Selbst am Rand (Bild links) bleibt dieser gute Schärfeeindruck weitestgehend erhalten.

Sony VPL-HW65 - Screenshot Hamburg Panorama_MBR6527
Das Hamburg-Panorama schoss ich aus der 21. Etage. Es bietet zahlreiche Details, um die Qualität eines Displays zu beurteilen.

Sony VPL-HW65- Screenshot - Hamburg_MBR6560
Der Screenshot von der Leinwand zeigt in der Ausschnittsvergrößerung, dass die Farben des Doppeldeckers exakt reproduziert werden. Auch der Schriftzug STADTRUNDFAHRT sieht originalgetreu aus. Die Strukturen der Tür des roten Backsteingebäudes sind vorhanden. Sie verlaufen in den Schatten und verschwinden – wie im Original. Der Asphalt ist farbneutral und der weiße Pfeil auf dem blauen Richtungsweiser, der sich direkt auf der Ampel befindet, hebt sich klar vom blauen Untergrund ab.

2D-Filme:
Blu-rays und DVDs profitieren von der vorzüglichen Farbperformance des Sony VPL-HW65ES. Das Bild erscheint rauscharm. Die „Reality Creation“ macht einen guten Job und holt noch ein paar Details heraus, ohne nennenswerte Nachteile in Form von unschönen Artefakten zu erzeugen, wenn die Regler behutsam genutzt werden. Und auch ohne „Motionflow“ ist die Bewegungsdarstellung vorzüglich. Sie ist deutlich besser als bei allen Mitbewerbern, wenn deren FI ausgeschaltet ist. Sich leicht bewegende Objekte „verschmieren“ mit dem Sony VPL-HW65ES erst deutlich später. Somit können Puristen, die sich am so genannten „Soap“-Look einer Frame-Interpolation stören, „Motionflow“ ruhigen Gewissens ausschalten.

Sony VPL-HW65 - Screenshot - Ant-Man_MBR6563
Kurzreview: Mit „ANT-MAN“ betritt ein neuer Held das Marvel-Universum. Die kurzweilige Comic-Verfilmung bietet zahllose große und kleine Schauwerte, eine schlüssige Handlung und jede Menge Action-Spaß. Regisseur Peyton Reed schuf kreative Bilder und legten großen Wert auf die Detaildarstellung. Auffällig ist das bereits in der Eingangsszene. Hier sind alle Fenster der Gebäude auf der Halbinsel zu sehen, während die Kamera horizontal daran entlang fliegt.
Der Sony VPL-HW65ES gibt diese Bilder so wieder, wie der Regisseur es vorgesehen hat. Selbst wenn „Motionflow“ ausgeschaltet ist, sind alle Details klar und deutlich erkennbar.

Sony VPL-HW65 - 3D-Brille - Foto Michael B. Rehders
Die 3D-Brille von Sony ist optional erhältlich.

3D-Filme:
Es macht mir wirklich großen Spaß, mit dem Sony VPL-HW65ES 3D-Filme zu schauen, weil keine störenden Crosstalk-Effekte mit dem zugespielten Quellmaterial auftreten. Darüber hinaus ruckeln die Bilder nicht, sondern laufen angenehm flüssig, wenn „Motionflow“ hinzu geschaltet wird. Die Bewegungsschärfe nimmt sofort sichtbar zu – ohne dass sich mir ein unschöner „Soap-Effekt“ auftut. In Verbindung mit dem hohen Kontrast ergibt sich ein außergewöhnlich plastisches 3D-Bild.

Screenshot 3D - Guardians of the Galaxy_MBR6593
Kurzreview: „GUARDIANS OF THE GALAXY“ – Peter Quill ist ein Schmuggler und nennt sich großspurig „Star-Lord“. Eines Tages erhält er von Yondu den Auftrag, eine Metallkugel aus einer Ruinenstadt zu bergen. Kaum hält Peter die Kugel in den Händen, wird er von den unterschiedlichsten Gestalten angegriffen, denn die mysteriöse stählernende Kugel ist eine Superwaffe, welche das Leben in der gesamten Galaxie bedroht…
Regisseur James Gunn schuf einen kurzweilen Science-Fiction-Spaß, der auf dem gleichnamigen Comic von Marvel fußt. Die humorvoll erzählte Story besitzt einige interessante Wendungen, einen glaubwürdigen Cast aus kuriosen Persönlichkeiten und spektakuläre Effekte.
Hier zeigt sich meiner Meinung nach eine der Stärken der 3D-RF-Technik. Der Sony VPL-HW65ES gibt diese liebevoll gestalteten 3D-Aufnahmen so wieder, wie es sein soll. Störende Geisterbilder (Crosstalk-Effekte) sind nicht zu sehen, das deckt der obige Screenshot, den ich durch die 3D-Brille gemacht habe, deutlich auf.

Sony VPL-HW65 - mit Fernbedienung - eingeschaltet - Foto Michael B. Rehders
Sony VPL-HW65ES in Weiß mit der unbeleuchteten Fernbedienung.


Fazit
Der Sony VPL-HW65ES ist ein leiser Full-HD-Projektor ohne wirkliche Schwächen. Er besitzt in seiner Preisklasse alles, was von einem modernen Projektor erwartet werden kann: Eine unkomplizierte und flexible Installation mit großem Zoom und Lens-Shift, normnahe und vorzügliche Bildeigenschaften ab Werk sowie ein umfangreiches Ausstattungspaket. Die Maximalhelligkeit von 1296 Lumen (D65) reicht aus, um Bildbreiten bis 3,90 Meter strahlendhell auszuleuchten. Seine USB-Update-Funktion ermöglicht es, die Firmware unkompliziert auf dem neuesten Stand zu halten. Neben dem schwarzen Gehäuse ist der Projektor auch in Weiß erhältlich, so dass er sich gut in helle Wohnzimmereinrichtungen integrieren lässt. On Topp bietet der Sony VPL-VW65ES das beste 3D-Filmerlebnis, das ich in dieser Preisklasse bisher erlebt habe.

Messergebnisse und technische Daten:
Maximalhelligkeit: 1296 Lumen (D65)
Schwarzwert: 0,30 Lumen (D65)
Kontrast: 4222:1 (On/Off) / 368:1 (ANSI)
Farbtemperatur: 6515 Kelvin (D65)
Technik: SXRD
Auflösung: 1920 x 1080 Pixel
Abstand für 2 Meter Bildbreite: 2,72 – 4,35 Meter
Abmessungen: 407,4 x 179,2 x 463,9 mm
Gewicht: 9 kg
Preis (UVP): 2990,- Euro
Website: sony.de

Pro & Kontra
+ sehr hell mit knapp 1296 Lumen (D65)
+ Normnahe Werkseinstellungen der Farben im Bildmodus „Reference“
+ 3D mit RF-Technik
+ Frame Interpolation auch im 3D-Modus
+ vorbildlich funktionierendes Farbmanagement

– verfärbungsfreie Feindetails erst nach manueller Korrektur
– leichte Kontrasteinbußen in Feindetails

Test, Text, Fotos: Michael B. Rehders

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