BenQ offeriert mit dem W5850 einen kalibrierten 4K-Beamer, der mit modernem HDR, 3D und motorischer Optik überzeugen will. Überdies hat der Projektor eine Überraschung parat, die der Hersteller nicht bewirbt.

Inhaltsangabe:
- Kurz und knapp
- Styling und Design
- Ausstattung und Technik
- Installation und Bedienung
- Messungen und Diagramme
- Einstellungstipps
- Bildeindrücke
- Pro & Contra
- Technische Daten und Messergebnisse
Kurz und knapp
Der W5850 ist das neue Projektoren-Flaggschiff von BenQ. Er bringt 10,5 Kilogramm auf die Waage und besitzt eine Stellfläche von rund 52 x 40 Zentimeter. Aufstellung und Installation sind sehr bequem, weil der Projektor eine motorische Optik mit Weitwinkelcharakteristik besitzt. Fokus, Zoom und Lens-Shift lassen sich bequem mit der illuminierten Fernbedienung einstellen. Der Zoomfaktor von 1,6:1 ermöglicht es, eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand aus einer Distanz von 2,50 bis 4,00 Meter vollständig auszuleuchten. Damit gehört der Beamer zu den Kurzdistanzprojektoren – und ist bestens für kleine Räumen geeignet, um hier große Bilder zu erzeugen. Der W5850 projiziert ein messerscharfes Bild und besitzt ein dynamisches Tone-Mapping, wodurch Spielfilme und Live-Sport in HDR sichtbar an Detaildarstellung, Durchzeichnung, Farbbrillanz und Plastizität zulegen. Darüber hinaus liefert HDR10+ ein exzellentes Ergebnis. Die hohe Lichtausbeute der langlebigen Laserlichtquelle reicht aus, um Bildbreiten bis 4,50 m (HDTV), respektive 3,20 m (HDR) zu projizieren. Bereits die Werkseinstellung bietet hierbei hervorragende Farben. Zu verdanken ist das der herausragenden Kalibrierung, die BenQ im Werk vor Auslieferung der Geräte durchführt. Wer auf der Suche nach einem 4K-Heimkino-Projektor ist, der alle aktuellen Technologien an Bord hat und eine Farbdarstellung auf Referenzniveau erzeugt, sollte sich den W5850 unbedingt ansehen.

Styling und Design
Geliefert wird der Projektor gut geschützt in einem stabilen Pappkarton, der aus Umweltschutzgründen auf Styropor als Ummantelung der Gerätschaft verzichtet. Das Objektiv ist nicht fest verbaut, sondern befindet sich separat verpackt in einem weiteren Karton. Darüber hinaus gehört zum Lieferumfang: eine hintergrundbeleuchtete Fernbedienung mit Batterien, Stromkabel, gedruckte, Schnellstartanleitung, Objektivabdeckung, Garantiekarte und ein Kalibrierungsprotokoll in einem stylischen Covert.
Optional gibt es gegen Aufpreis von BenQ eine 3D-Brille (DGD5), den RF-Emitter für die 3D-Funkübertragung und eine Universaldeckenhalterung (CMG3).

Der BenQ W5850 ist relativ flach gebaut und besitzt abgerundete Kanten. Das Gehäuse ist in Schwarz gehalten, damit es kein zusätzliches Streulicht im Raum verursacht. Für etwas Farbe sorgt eine schicke goldene Applikation, welche die Aussparung um das Objektiv schmückt. Ein Gerät mit weißem Gehäuse gibt es nicht. Da das Objektiv des W5850 relativ schwer ist, hat BenQ es zur Sicherheit beim Transport separat verpackt.
Die Anschlüsse befinden sich auf der Rückseite. Daneben ist eine Tastatur, welche die vollständige Bedienung ermöglicht, falls mal keine Fernbedienung zur Hand sein sollte.
10,5 kg bringt der BenQ W5800 auf die Waage. Damit gehört er zu den Schwergewichten unter den Heimkino-Projektoren. Für den gelegentlichen Transport zu Freunden ist er weniger geeignet. Vielmehr sollte dieser Projektor fest im Wohnzimmer oder Heimkino installiert werden.
Als Preis ruft der Hersteller 5.299 Euro auf.

Ausstattung und Technik
BenQ setzt erneut auf den bewährten 0,47 Zoll großen DLP-Chip von Texas Instruments mit nativer Full-HD-Auflösung. Via XPR-Shift werden Bildsignale bis zu 3840 x 2160 Pixel entgegengenommen und sequentiell projiziert. Damit ist echte 4K-Auflösung weiterhin den DLP-Heimkino-Projektoren ab 90.000 Euro vorbehalten, während aktuelle Beamer mit D-ILA- (JVC) und SXRD-Technologie (Sony) bereits ab 6.000 Euro zu haben sind.
Als Herzstück soll die Laser-Phosphor-Lichtquelle für 2600 Lumen sorgen. Hierbei handelt es sich um blaue Laserdioden und ein gelbes Phosphor-Element, die im Zusammenspiel Weiß erzeugen. Die Lebensdauer beziffert der Hersteller mit 20.000 Stunden im hohen und 25.000 Stunden im Eco Modus. Da die Light-Engine komplett gekapselt ist, braucht es keinen Staubfilter, der in Abständen gereinigt oder ausgetauscht werden muss.
Das 1,6-fache Zoomobjektiv besitzt ein Linsensystem mit 16 Elementen. Darunter sind asphärische Linsen mit geringer Dispersion. Dies gewährleistet eine überragende Transparenz, Schärfe und sehr gute Color Uniformity. Alle Einstellungen lassen sich motorisch mit Hilfe der Fernbedienung vornehmen. Dazu gehören neben dem Zoom das vertikale (50 %) und horizontale (15 %) Lens-Shift.
Die „HDR-Pro“-Technologie von BenQ unterstützt HDR10, HDR10+ und HLG, während Dolby Vision außen vor bleibt. Darüber hinaus besitzt der Projektor ein dynamisches Tone-Mapping, das der Hersteller weder auf der Website noch im Datenblatt erwähnt.
Für eine präzise Farbdarstellung hat BenQ „CinematicColor“ entwickelt. Laut dem beigelegten Kalibrierungsreport werden die Farbräume DCI-P3 im Bildmodus „Bright Cinema“ und Rec.709 im „Kino“-Modus zu 100 Prozent abgedeckt. Erreicht wird dies, indem der Projektor im Werk direkt vor Auslieferung kalibriert wird. Die isf-Zertifizierung bescheinigt darüber hinaus, dass ein isf-Fachmann eine optimale Anpassung vornehmen kann. Dafür gibt es ein eigenes passwortgeschütztes Menü. Als Nötig erachten wir dieses Feature nicht, weil der W5850 ein vollständiges Sechs-Achsen-CMS besitzt sowie die üblichen Gain/Offsetregler und einen 11-Punkte RGB-Equalizer zur Graustufen- und Gammaoptimierung.
Der Lokale Kontrastverstärker, Globale Kontrastverstärker und Dynamic Black sollen im Zusammenspiel Schwarzwert und Kontrastumfang dynamisch steigern.
Eine Zwischenbildberechnung ist implementiert, die BenQ „Bewegungsverstärker 4K“ nennt. Diese befindet sich im erweiterten Bildmenü im Preset „Cinema Master“.
Gamer profitieren vom kurzen Input Lag, der mit 13 Millisekunden bei 1.080p/120Hz-Zuspielung und 17,9 Millisekunden bei 4K/60Hz-Signalen voll spieletauglich ist.
Ebenfalls können 3D-Filme projiziert werden. Mit dem DLP-Link und RF-Technologie bietet der W5850 gleich zwei Möglichkeiten, um die 3D-Brille mit dem Projektor zu synchronisieren. Während der DLP-Link mit Rotblitz ein Teil des Beamers ist, wird für RF ein zusätzlicher Emitter benötigt, der für rund 100 Euro im Fachhandel erworben werden muss. Erwartungsgemäß sind weder Lautsprecher noch Smartfunktionen und Apps vorhanden.
Die Fernbedienung besitzt eine illuminierte Tastatur, so dass auch im dunklen Heimkino eine sichere Navigation möglich ist. Praktisch sind die Direktwahltasten für 3D, Lens (Zoom, Fokus, Lens-Shift), Filmmaker Modus und das Menü.

Auf Smartfunktionen, Apps und eingebaute Lautsprecher muss erwartungsgemäß verzichtet werden.
Installation und Bedienung
Da das Objektiv des W5850 relativ schwer ist, verpackt BenQ es zur Sicherheit beim Transport separat. Weitere Objektive für den W5850 gibt es nicht.
Wir entnehmen zunächst den DLP-Chip-Transportschutz-Pfropfen aus dem offenen Schacht des Projektors. Anschließend stecken wir das 1,6-fache Zoomobjektiv dort hinein, drehen es wie bei einem Bajonettverschluss an einer Fotokamera – und die Optik rastet zuverlässig ein.


Kurzer Einwurf: Soll der Projektor im Anschluss versendet werden (z. B. zurück zum Händler), muss das Objektiv wieder herausgenommen und verpackt werden. Dafür bedarf es eines Schraubendrehers, der beherzt auf „8 Uhr“-Stellung in den Schacht gedrückt wird, um die dort vorhandene Verriegelung zu öffnen. Erst jetzt kann das Objektiv nach links gedreht, somit gelöst, und herausgenommen werden. Das finden wir wirklich unpraktisch, weil es die Gefahren von unschönen Kratzern an Gehäuse und Objektiv mit sich bringt.



Die meisten DLP-Projektoren besitzen ein großes Offset, so dass diese Geräte auf einem Tisch oder überkopf auf Höhe der Leinwandoberkante platziert werden können. Beim W5850 funktioniert das nicht, weil das Offset 0 % beträgt. Das bedeutet: Der Beamer strahlt zentrisch ab und sollte daher auf Höhe der Leinwandmitte installiert werden. Steht er auf einem Tisch oder hängt überkopf unter der Decke, wird das Bild nicht komplett auf der Leinwand abgebildet. Der W5850 kann aber knapp unterhalb der Leinwandoberkante auf ein Regal gestellt werden. Von hier reicht das vertikale Lens-Shift aus, um das Bild komplett auf die Leinwand zu verschieben. Das lässt sich bequem mit der Fernbedienung durchführen. Überdies sind Zoom und Fokus motorisch steuerbar.
Nach dem ersten Einschalten öffnet sich ein Installations-Menü, das den Nutzer schrittweise durch alle Einstellungen führt. Nach nicht einmal 10 Minuten haben wir das Installationsprozeder bereits abgeschlossen.
Mit 32 Dezibel bei maximaler Lichtausbeute ist der W5850 kein Leisetreter. Die gleichmäßig laufenden Lüfter sind schon deutlich zu hören, gleichwohl wir das Betriebsgeräusch als nicht störend erachten. Im „Eco“-Modus reduziert sich der Pegel auf 27 Dezibel, was aber auch mit sichtbaren Helligkeitseinbußen einhergeht.
Aus einer Distanz von 2,50 – 4,00 Meter kann eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand komplett ausgeleuchtet werden. Das ist nicht nur eine große Range für einen DLP-Projektor, sondern ermöglicht überdies recht große Bilder in kleinen Räumen.
Das 1,6-fache Zoom-Objektiv des W5850 ist groß genug bemessen, um selbst Formatwechsel von Cinemascope (2,39:1) auf 16:9 durchzuführen. Darüber hinaus werden Fokus, Keystone und Lens-Shift elektronisch gesteuert.


Das On-Screen-Menü ist übersichtlich konzipiert. Neben einem „Standard“-Menü mit reduzierten Einstellmöglichkeiten gibt es den Menütyp „Erweitert“, mit allen vertrauten Anpassungsmöglichkeiten. Die Navigation durch die einzelnen Presets gelingt zügig.




Dynamische Kontrastverbesserung:
Neben der dynamischen Helligkeitsregelung „Dynamisch Schwarz“ können hier der „Lichtquellen Modus“ und „Cinema Master“ ausgewählt werden. Das zuletzt genannte Preset enthält ein paar spannende Features. Mit Hilfe des „Color Enhancer“ kann die Farbsättigung gesteigert werden. Mit HDR-Inhalten bewirkt dieses Preset eine sichtbare Verbesserung der Plastizität. „Pixelverstärker 4K“ schält Feindetails noch klarer heraus. „Bewegungsverstärker 4K“ ist der Name für die Zwischenbildberechnung, die in drei Stufen einstellbar ist vom Nutzer.
Interessant sind „Lokale Kontrastverbesserung“ und „Globale Kontrastverbesserung“. Hierbei handelt es sich um eine dynamische Bildverbesserung. Diese analysiert in 1000 Zonen die Inhalte eines Filmbildes und passt diese ebenfalls dynamisch an. Die Regler interagieren mit „Dynamisch Schwarz“, wodurch sich die Bilddynamik extrem steigern lässt.


Der BenQ erkennt die eingehenden Signale selbstständig und schaltet auf die entsprechenden Eingänge. Für 2D, 3D, HDR10, HDR10+ und HLG gibt es separate Bildmodi, um individuelle Anpassungen vorzunehmen. Der Projektor ruft die passenden Presets automatisch auf, sobald ein passendes Signal anliegt. Der Nutzer muss sich praktisch um nichts kümmern, wenn alles einmal konfiguriert ist.
Wird der Beamer ausgeschaltet, beträgt die Nachlaufzeit lediglich vier Sekunden. Für das Hochfahren braucht er rund 20 Sekunden, bis das zugeführte Bildsignal auf der Leinwand erscheint.
Messungen und Diagramme
Helligkeit:
Die Lichtausbeute beträgt in der Werkseinstellung 1980 Lumen („Bright Cinema“). Kalibriert im „Filmmaker“-Modus erzielen wir ebenfalls 1980 Lumen mit SDR- sowie mit HDR-Signalen 2001 Lumen in den Bildmodi „HDR10“ und „HDR10+“. Das reicht für Bildbreiten bis 4,00 m (SDR), um diese mit 20 Footlambert zu befeuern, respektive 32 Footlambert auf 3,20 m Breite (HDR).
Die höchste Lichtausbeute wird im Bildmodus „Hell“ erzielt. Mit knapp 2700 Lumen wird die Werksangabe um 100 Lumen übertroffen. Die Farben sind zwar zu kühl, weisen aber nicht den extremen Grünfarbstich auf, den andere Beamer bei maximaler Lichtleistung zuweilen darstellen. Von daher ist es bei leichtem Umgebungslicht am Nachmittag möglich, Fußball oder Formel 1 zu schauen, wenn auf die letzte Farbpräzision zugunsten von mehr Lichtausbeute verzichtet wird.
Kontrast und Schwarzwert:
Beim statischen Kontrast verzeichnen wir leicht unterschiedliche Werte zwischen HDR und HDTV: Der statische On/Off-Kontrast beträgt 1020:1 (HDTV) und 1210:1 (HDR). Damit erfüllt das Testgerät die Herstellerangaben von 1000:1. Der ANSI-Kontrast liegt mit 200:1 (HDTV) und 210:1 (HDR) auf durchschnittlichem Niveau in diesem Preissegment. Dynamisch lässt sich der On/Off-Kontrast auf bis zu 2512:1 steigern. Hierbei ist die Regelung absolut unauffällig. Typisches Helligkeitspumpen können wir während der Filmdarstellung nicht ausmachen. Allenfalls im Abspann schwankt die Lichtausbeute der Laufschrift minimal. Den beworbenen Kontrast von 3 000 000:1 können wir ebenfalls bestätigen. Allerdings nutzt das Marketing hier eine kleine Mogelei, in dem die Laserdioden bei der dynamischen On/Off-Kontrastmessung einfach ausgeschaltet werden. Wir messen daher nur unser „Raumlicht“, weil vom Beamer kein Licht ausgegeben wird.
Der Schwarzwert ist unter praxisnahmen Bedingungen mit 0,78 Lumen (dynamisch) und 1,65 Lumen (statisch) durchaus verbesserungswürdig.
Color Uniformity:
Die Ausleuchtung überzeugt mit 95 Prozent, weil weder Helligkeitsabfall noch Verfärbungen von der Mitte zu den Seiten sichtbar sind. Diese liegen unterhalt der Wahrnehmungsschwelle von 10 %.
Farbdarstellung:
Aus dem Karton steht der BenQ W5850 im Bildmodus „Bright Cinema“, die Farbtemperatur ist mit 6455 Kelvin bereits ordentlich und der Graustufenverlauf schlicht und ergreifend perfekt. Hier zeigt sich, wie gut die Werkskalibrierung von BenQ tatsächlich ist. Allenfalls der Farbraum ist mit einer Abdeckung von 100 % DCI-P3 zu groß für HDTV. Das recht bunte Bild dürfte aber viele Freunde finden. Unser Fall ist das nicht, weil wir eine präzise Farbdarstellung anstreben. Daher wechseln wir in den Bildmodus „Filmmaker“ zur Kalibrierung. Im Grunde müssen wir darin gar nichts anpassen, weil die Primär- und Sekundärfarben praktisch perfekt ihre Vorgaben treffen.
Der UHD-Farbraum DCI-P3 wird mit über 100 % abgedeckt. Es sind lediglich geringfügige Anpassungen von Magenta und Weiß nötig, um quasi Perfektion zu erlangen. Lediglich Grün ist 2 % gesättigter, was wir gerne mitnehmen.




Dem Graustufenverlauf bescheinigen wir in der Werkseinstellung Perfektion. So ein Messergebnis haben wir bislang noch nicht gesehen. Im „Filmmaker“-Modus sind hingegen ein paar Korrekturen nötig, was mit Hilfe des 11-Punkte-RGB-Equalizers im Handumdrehen erledigt ist. Das Ergebnis ist ein farbneutraler Graustufenverlauf. Schwarz/Weiß-Fotos und -Filme sind bereits in der Werkseinstellung frei von unschönen Verfärbungen in Teilbereichen.


Das Gamma verläuft in der Werkseinstellung im Bildmodus „Bright Cinema“ eher suboptimal. Die einzelnen Graustufen werden recht früh aufgehellt, was der aktiven dynamischen Helligkeitsregelung in diesem Modus zuzuschreiben ist.
Im Bildmodus „Filmmaker“ wird die Vorgabe 2,4 hingegen sehr gut eingehalten. Das Ergebnis ist eine richtig gute Durchzeichnung von hellen und dunklen Inhalten, ohne dass wir nennenswerte Anpassungen vornehmen müssen. Demzufolge verzeichnen wir auch hier Perfektion. Die gelbe Linie auf den Diagrammen ist die Vorgabe für das Gamma 2,4. Die weiße Linie soll dieser gelben Linie möglichst folgen. Nach der Kalibrierung ist das praktisch zu 100 % der Fall.


Die DeltaE-Werte sehen bereits ab Werk ordentlich aus. Der Graustufenverlauf erreicht in der Werkseinstellung einen herausragenden Durchschnitts-Wert von DeltaE 2,7. Diese Farbabweichungen sind so niedrig, dass sie im realen Filmbild nicht mehr relevant sind.
Nach der Kalibrierung erreichen die DeltaE-Ergebnisse Referenzstatus mit durchschnittlich 0,4 und 0,8 im Maximum.


Die Primär- und Sekundärfarben weisen ab Werk 4,7 DeltaE im Durchschnitt aus. Die prozentualen Farbabweichungen sind relativ deutlich, weil BenQ im „Bright Cinema“-Modus auf einen erweiterten Farbraum Richtung DCI-P3 setzt. Dadurch sind reale Filmbilder deutlich bunter als gewohnt.
Im Rahmen der Kalibrierung im Bildmodus „Filmmaker“ verbessern sich die Ergebnisse auf durchschnittlich 0,7 und 1,0 DeltaE in der Spitze, so dass wir auch hier Referenz vermelden.


Nachfolgend habe ich die Lichtausbeute in allen Bildmodi aufgeführt:
| Bildmodus | Lichtausbeute | Anmerkungen |
| Filmmaker (SDR) | 1980 Lumen | D65-kalibriert |
| Filmmaker (HDR) | 2001 Lumen | D65-kalibriert |
| Hell | 2700 Lumen | |
| Bright Cinema | 1980 Lumen | |
| Filmmaker | 2060 Lumen | |
| Kino | 2060 Lumen | |
| BenQ | 1990 Lumen | |
| HDR/HDR10/HDR10+ | 2100 Lumen | |
| 3D | 2100 Lumen |
Einstellungstipps vom Color-Management-Experten:
Die Einstellungsempfehlungen fußen auf umfangreichen Messergebnissen, die ich im Rahmen des Testprozederes ermittelt habe. Sie bieten eine gute Grundlage für die Kalibrierung. Wer kein Messequipment besitzt, erhält damit eine normnahe Wiedergabe
SDR
| Bildmodus | Filmmaker |
| Kontrast | 50 |
| Helligkeit | 50 |
| Farbe | 55 |
| Schärfe | 8 |
| Gamma | 2,4 |
| Dynamisches Schwarz | Aus |
| Farbtemperatur | Normal |
| Color Enhancer | 9 |
| Pixelverstärker 4K | 2 |
| Bewegungsverstärker 4K | Niedrig |
| Lokale Kontrastverbesserung | Aus |
| Globale Kontrastverbesserung | Aus |
HDR
| Bildmodus | HDR |
| Kontrast | 50 |
| Helligkeit | 48 |
| Farbe | 65 |
| Schärfe | 10 |
| Dynamic Tone Mapping | Ein |
| Dynamisches Schwarz | Hoch |
| Farbtemperatur | Normal |
| Color Enhancer | 9 |
| Pixelverstärker 4K | 3 |
| Bewegungsverstärker 4K | Niedrig |
| Lokale Kontrastverbesserung | Hoch |
| Globale Kontrastverbesserung | Niedrig |
Bildeindrücke
Von der exakten Farbreproduktion profitieren Fotografen und Filmfreunde. Bereits in der Werkseinstellung des „Filmmaker“-Modus wird schlichtweg Perfektion geboten. Bildwerke in sRGB und Rec. 709 sehen exakt so aus, wie auf einem guten Monitor. Schwarz/Weiß-Filme und Fotos sind vollkommen farbneutral. Über die gesamte Bildfläche werden Inhalte messerscharf abgebildet. Selbst auf Testbildern können wir keine Abschattung oder Verfärbung ausmachen.
SDR:
In der Panoramaaufnahme, die der Autor dieser Zeilen aus der 21. Etage des Hanseatic Trade Center in Hamburg geschossen hat, gibt es keine sichtbaren Unterschiede zwischen Original-Foto und dem projizierten Bildwerk auf der Leinwand. Wer öfter mal Fotos und Reiseberichte zeigt, wird seine Bildwerke in neuem Glanz erblicken. Die rote Farbe des Doppeldeckers und der gelbe Schriftzug STADTRUNDFAHRT werden präzise vom BenQ W5850 reproduziert. Die vertikalen Streben an der Brücke im Vordergrund sind erkennbar, einzelne Personen im Bus und sogar die Falten des Schiebedachs können wir erkennen. Wer hier noch höhere Ansprüche an die Wiedergabequalität hat, kommt um einen Projektor mit nativer 4K/UHD-Auflösung nicht herum.


Der 0,47-Zoll-Chip ist bekannt dafür, sämtliche Bildsignale aus technischen Gründen mit 60 Hz auszugeben. Im BenQ W5850 stellt er diesbezüglich keine Ausnahme dar. Spielfilme mit 24 Hz gibt er mit dem typischen 3:2-Pulldownruckeln in 60 Hz wieder. Wird „Bewegungsverstärker 4K“ auf niedrig hinzugeschaltet, stellt sich schlagartig eine natürliche Bewegung ein, die ganz ohne Stottern und Soapopera-Effekt auskommt. Zusätzlich nimmt die Schärfe in sich bewegenden Elementen deutlich zu.
Der RBE (Regenbogen-Effekt) ist stark minimiert, aber an kontrastreichen Elementen immer mal wieder durch Farbblitzen auffällig. Moiré und sonstige Störungen, die ihre Ursache nicht im Quellmaterial haben, gibt es schlicht und ergreifend nicht.
In Nachtaufnahmen schwächelt der W5850 allerdings ein wenig. Das Schwarz sieht eher wie dunkelgrau aus, wenn wir Projektoren in diesem Preissegment zum Vergleich heranziehen. Erst wenn helle Elemente hinzukommen, lichtet sich der leichte Grauschleier und das Bild gewinnt zunehmend an Brillanz und Plastizität.
High Dynamic Range:
Wichtig! Ab Werk ist das dynamische Tone-Mapping ausgeschaltet. Wer die beste HDR-Qualität anstrebt, sollte dieses Features unbedingt einschalten. Von 0,0 – 10 000 Nits werden dann alle Bildsignale reproduziert. Ist das Tool ausgeschaltet, werden Inhalte lediglich bis 2000 Nits reproduziert. Alles darüber clippt ins Weiß.
In schwierigen Filmen wie „Sully“ gibt sich der W5850 keine Blöße, sobald das dynamische Tone-Mapping aktiv ist, und stellt alle Inhalte dar, die sich auf der 4K/UHD Blu-ray befinden. Als Captain Sully nachts über den Times Square joggt, ist auf den Displays alles zu sehen. Mit unseren Einstellungsempfehlungen läuft der Projektor zu wahrer Hochform auf.
Das Zusammenspiel von „Lokale Kontrastverbesserung“ und „Globale Kontrastverbesserung“ mit „Dynamisches Schwarz“ funktioniert prächtig und steigert sichtbar die Brillanz im Bild.
Auf unserer 3,20 Meter breiten Cinemascope-Leinwand von Screen Research sieht „Elvis“ in HDR10+ ebenfalls herausragend aus. Nachdem wir die HDR-Helligkeit auf 1 angehoben haben, sind die Zuschauer bis in die letzte Reihe klar erkennbar, als Elvis seinen ersten Auftritt als Nachwuchskünstler hat. Jede einzelne Strähne seiner schmierigen Haare ist erkennbar. Im Titelabspann werden alle Edelsteine reproduziert, ebenso lassen sich auf dem von unten nach oben laufenden Button der klitzekleine Schriftzug „I LOVE ELVIS“ klar und deutlich lesen.






Als Maria mit ihren Freunden durch die Straßen tanzt und „America“ singt, sehen die farbenfrohen Kleider der Frauen überaus prachtvoll aus. Die Hautfarben erscheinen durchweg natürlich. Als Maria aus dem Boxclub kommt, sind bis zum Rand alle Inhalte knackscharf abgebildet. Dunkle Bereiche sind perfekt durchgezeichnet.
In der Nachtaufnahme sieht das Schwarz zwar nicht perfekt aus, wenn Maria mit ihren Kolleginnen zum Kaufhaus Gimbels gehen, um dort die Verkaufsräume zu putzen. Auf der rechten Seite kann der Zuschauer aber ins Restaurant „Frankfurters“ hineinschauen. Dieses Szene wird originalgetreu vom BenQ W5850 reproduziert.


3D:
BenQ hält weiterhin an der 3D-Wiedergabemöglichkeit fest. Wird dem W5850 zum ersten Mal ein dreidimensionaler Film zugespielt, stellt dieser das Signal oben/unten dar (siehe Foto). Sobald 3D im OSD eingeschaltet wird, ist eine automatische Erkennung aktiviert, damit zukünftig Inhalte von 2D und 3D korrekt projiziert werden. Das funktioniert sehr gut.
Die Zwischenbildberechnung „Bewegungsverstärker 4K“ lässt sich zwar einschalten, aber 3D-Filme werden lediglich mit der Originalfrequenz ausgegeben. Der Rotblitz zur Synchronisation der 3D-Brille mit dem Projektor wird zuverlässig von den Gläsern absorbiert. Crosstalk-Effekte glänzen mit Abwesenheit. Die Tiefenstaffelung im Blockbuster „Avatar: Der Weg des Wassers“ ist sehr gut. Sogar kleine Popout-Effekte können wir gelegentlich verzeichnen.




Fazit
BenQ gelingt es mit dem W5850, in die Riege der HDR-Projektoren der 5.000-Euro-Klasse vorzustoßen. Wer auf der Suche nach einem kalibrierten 4K-Projektor ist, der alle wichtigen Technologien inklusive 3D an Bord hat und eine Farbdarstellung auf Referenzniveau erzielt, für den ist der W5850 ein ganz heißer Kauftipp.
Pro & Contra
+ Langlebige Laserlicht-Hybrid-Technologie
+ Dynamisches Tone-Mapping für HDR
+ HDR10+
+ 4K via XPR-Shift
+ herausragende Farbdarstellung
+ ab Werk kalibriert
+ 100 % Farbraumabdeckung Rec. 709 und DCI-P3
+ exzellente Schärfe
+ vollmotorisches Objektiv für Fokus, Zoom, Lens-Shift
+ 3D mit DLP-Link und RF-Technik
– kein USB-C
– Schwarzwert verbesserungswürdig
Technische Daten und Messergebnisse
Modell: BenQ W5850
Technik: 1-Chip-DLP
Helligkeit: 1980 Lumen (SDR), 2001 Lumen (HDR)
Kontrast On/Off: 1020:1 (SDR, statisch), 1210:1 (HDR, statisch), 2512:1 (dynamisch)
Kontrast ANSI: 200:1 (SDR), 210:1 (HDR)
Kontrast Inbild: 1010:1
Schwarzwert: 1,94 Lumen (SDR, statisch), 1,65 Lumen (HDR, statisch), 0,79 Lumen (SDR, dynamisch) 0,80 Lumen (HDR, dynamisch)
Bildauflösung: 1920 x 1080 Pixel (nativ) / 3840 x 2160 Pixel (via XPR-Shift)
Lichtquelle: Laser-Phosphor
Leistungsaufnahme: 373 Watt
Betriebsgeräusch: 32 dB
Lens-Shift: ja
3D-Wiedergabe: ja
3D-Transmitter: ja
3D-Brille: nein
Zwischenbildinterpolation 2D / 3D: ja / nein
Ausführungen: Schwarz
Abmessungen (B x H x T): 525 mm x 145 mm x 392 mm
Gewicht: 10,5 Kg
Preis: 5.299 Euro (UVP)
Garantie: 2 Jahre
Test, Text und Fotos: Michael B. Rehders
Titelfoto: Michael B. Rehders
Screenshots im Rahmen des Zitatrechts: Hamburg Panorama (Michael B. Rehders), Elvis (Warner Bros /Universal Pictures), West Side Story (Walt Disney / LEONINE), Avatar: The Way Of Water (LEONINE), Sully (Warner Bros /Universal Pictures)
