TEST: WALIMEX PRO MC AF DIGITAL WIDE CONVERTER 0,45 – Größere Bilder im Heimkino mit 19 Euro Weitwinkel-Vorsatzlinse

Preiswerter Rohrkrepierer oder hilfreiches Feature? Weitwinkelvorsatzfilter sind in der Fotografie allgegenwärtig. Doch wie gut funktioniert eine Linse für 19 Euro vor einem Projektor? Sind damit im Heimkino wirklich größere Bildbreiten möglich? In diesem Test gehe ich dem Thema auf den Grund.

JVC DLA-N7 mit Walimex Weitwinkel-Vorsatzlinse.

Viele Heimkinofreunde kennen das Problem: Der stolze Besitzer wünscht sich ein größeres Bild. Trotz Zoomobjektiv gelingt es allerdings nicht, die Wunschbildbreite zu realisieren. Entweder weil der Projektor zu nah an der Leinwand steht, oder die Brennweite des Objektivs ist der limitierende Faktor. Am leichtesten ist es zu Hause, den Beamer ein paar Meter nach hinten zu stellen – nur geben das viele Räumlichkeiten nicht her. Oftmals ist der Projektor auch schon an der Rückwand installiert. Was kann der Großbildfreund also tun? Ein Mauerdurchbruch in einer Mietwohnung ist keine ernstzunehmende Option, weil diesen kaum ein Vermieter gestatten wird.
Es gibt Lösungen: In der Fotografie gibt es schon seit Jahren Weitwinkel-Vorsatzlinsen, die einfach vor das Kameraobjektiv geschraubt werden. Diese funktionieren sehr gut und sorgen dafür, dass die Brennweite „kleiner“ wird. Für Projektoren funktionieren Weitwinkelobjektive ganz ähnlich. Was liegt also näher, als so eine Vorsatzlinse für Kameras vor das Projektorobjektiv zu schrauben? Das habe ich getan mit einer Walimex Weitwinkel-Vorsatzlinse für unter 20 Euro.

Die Leinwand in meinen Heimkino Lumière kann vom JVC DLA-N7 nicht vollständig ausgeleuchtet werden, da der Zoombereich schlichtweg zu klein ist.

Das Problem

Meine Leinwand besitzt eine Breite von 3,20 Meter inklusive Rahmen, wovon ich gerade mal 2,80 Meter nutzen kann. Mehr gestattet der JVC DLA-N7 nicht. Weiter zurück stellen kann ich ihn nicht, weil er bereits mit dem Rücken fast die Wand berührt. Trotzdem würde ich gerne die reine Leinwandfläche von 3,06 Meter ausleuchten.
Gute Weitwinkelkonverter und Anamorphoten aus dem Pro-Bereich kosten zwischen 2.000 und 8.000 Euro. Zuviel für 20 Zentimeter mehr Bildbreite. Für das Geld fliege ich lieber mehrmals im Jahr mit meiner Frau in den Urlaub. Darüber hinaus haben Weitwinkelkonverter auch Nachteile. Ein von mir getesteter Isco (2.000 Euro neu) schluckte rund 15 Prozent an Lichtausbeute und das Bild büßte sichtbar an Plastizität und Randschärfe ein. Für mich stehen hier Preis und Leistung nicht mehr im Verhältnis. Ein Anamorphot von Panamorph überzeugt mich hingegen vollständig, hat aber mit 8.000 Euro seinen (berechtigten) Preis.

Die Walimex Weitwinkel-Vorsatzlinse besitzt auf der Unterseite ein Schraubgewinde mit 72 Millimeter.


Die Lösung

Ich habe mir von Walimex eine Weitwinkel-Vorsatzlinse für Kameras gekauft. Diese Linse hat einen Durchmesser von 72 Millimeter. Sein Vergrößerungsfaktor beträgt rechnerisch 0,45-Mal. Neupreis: 36 Euro. Aktueller Straßenpreis: 19 Euro!
Die Montage erfordert Kreativität, weil das Objektiv meines Projektors kein Schraubgewinde besitzt. Schade, denn mit dem passenden Adapter (um 20 Euro) wäre die Installation kinderleicht.
Nun habe ich eine andere Lösung gefunden: Ich habe die Staubschutzkappe des Objektivs genommen und habe ein Loch hineingeschnitten. Das Loch ist so groß bemessen, dass die Weitwinkel-Vorsatzlinse darauf „festgeschraubt“ werden kann.
Um das mal zu veranschaulichen:

Diesen Wide Converter habe ich auf die Objektivkappe des JVC „geschraubt“, nachdem ich diese passend „ausgeschnitten“ habe.

Anschließend habe ich diese Kombination einfach auf das Objektiv des JVC DLA-N7 ganz plan aufgesteckt. Fertig.


Tipp: Sollte die Konstruktion keinen richtigen Halt haben, kann zusätzlich noch ein zugeschnittener Kabelbinder in die Objektivkappe eingelegt werden. Auf diese Weise wird die Kappe etwas „enger“ und sitzt fester auf dem Objektiv.

Das Ergebnis

Schlagartig wird das Bild auf der Leinwand größer, sobald die Walimex Weitwinkel-Vorsatzlinse am Projektor befestigt ist. Aber das Bild ist zunächst völlig unscharf. Der Fokus-Regler muss schon sehr großzügig betätigt werden, bis das Bild auf der Leinwand scharfgestellt ist. Hierbei ist ein behutsames Vorgehen vonnöten. Nicht weil die Vorsatzlinse vom Objektiv fallen könnte. Das tut sie nämlich nicht, weil sie fest genug sitzt. Der Grund ist der veränderte Schärfebereich. Wer wie üblich nur die Bildmitte fokussiert, erhält höchstwahrscheinlich massiv unscharfe Ränder. Bei meinem Projektor ist es so, dass zuerst die Seitenränder scharf sind. Ich fokussiere daher behutsam weiter, bis auch die Bildmitte perfekt ist. Der Sweetspot ist überaus gering. Wird der Schärferegler nur minimal weiter gedreht, bleibt zwar die Mitte gestochen scharf, aber die Ränder werden zunehmend unschärfer. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl ist hier ein ordentliches Ergebnis möglich (siehe Fotos unten).

Ohne Weitwinkel-Vorsatzlinse projiziert der JVC DLA-N7 „Cruella“ knackscharf auf meine Leinwand. Der Film ist auf der gesamten Fläche gleichmäßig ausgeleuchtet und fokussiert.

Mit der Weitwinkel-Vorsatzlinse auf dem Objektiv ist das Bild sichtbar größer. Ausleuchtung und Schärfeverteilung halten ihr Niveau, jedenfalls auf den ersten Blick.

Mit Weitwinkel-Vorsatzlinse plus etwas Abstand zum Objektiv wird das Bild noch größer. Hier ist aber darauf zu achten, dass der Stellbereich des Fokus-Reglers nicht limitiert.

Messungen und Diagramme

Der optische Eindruck ist bereits vielversprechend. Meine Leinwand wird jetzt wie gewünscht mit 3,06 Meter vollständig ausgeleuchtet. Ich habe sogar noch ein wenig „Reserven“ im Zoom. Das Bild vergrößert sich mit der Walimex von 2,80 Meter auf 3,12 Meter. Das sind 11,5 Prozent. Je größer der Abstand zum Objektiv wird, desto breiter wird das Bild projiziert.
Der On/Off-Kontrast bleibt unverändert durch das Filter. Der ANSI-Kontrast liegt mit – 2,5 Prozent im Rahmen üblicher Messwiederholungen. Die Lichtausbeute nimmt nach der Kalibrierung 8 Prozent ab. Das sind alles vortreffliche Werte.

Farbraum ohne Filter – Alle Sollwerte innerhalb des Rec.709-Farbraums werden annähernd getroffen.

Farbraum mit Filter – Hier gibt es praktisch keine Abweichungen.

Farbraum ohne Filter – Delta E 2000 beträgt im Schnitt 1,1. Das sind vortreffliche Werte nach einer Kalibrierung.

Farbraum mit Filter – Das Delta E 2000 beträgt im Durchschnitt 1,2. Die Abweichungen sind akademischer Natur und im Bild nicht relevant.

Gamma ohne Filter – Der Gammaverlauf ist tadellos um die Vorgabe 2,4 herum.

Gamma mit Filter – Nach der Kalibrierung mit Filter geht es praktisch nicht besser. Die Vorgabe 2,4 wird exzellent eingehalten.

RGB Niveau – Links (ohne Filter) beträgt das RGB Niveau dreimal 100 Prozent. Rechts (mit Filter) und ohne Anpassung beträgt das RGB Niveau (102, 101, 97). Die Weitwinkel-Vorsatzlinse reduziert demnach Blau um 3 Prozent, wodurch Grün (+ 1 Prozent) und Rot (+ 2 Prozent) geringfügig höher ausfallen.

RGB Niveau – Nach der Kalibrierung mit Filter (rechts) sind die Werte gleich zur Kalibrierung ohne Vorsatz-Filter. Dadurch das Blau erhöht werden konnte, geht keine weitere Lichtausbeute verloren, sondern erhöht sich minimal um rund 1 Prozent.

Testbilder offenbart Stärken und Schwächen

Während die Messungen durch die Bank überzeugen, decken meine Testbilder ein paar Defizite deutlich auf. Gleichwohl in „Cuella“ kaum Einbußen in der Bildqualität auffallen, sind diese nun auch subjektiv klar ersichtlich. Hierbei handelt es sich um eine nicht homogene Schärfeverteilung, die zu den unteren Bildrändern leicht abnimmt, und um Kissenverzerrungen, wie sie bei vielen Anamorphoten auftreten.

UHD-Testbild mit Filter – Das von mir entwickelte Testbild mit UHD-Pixelauflösung zeigt, dass vor allem am unteren Bildrand eine leichte Kissenverzerrung auftritt. Diese wird durch die Aufstellung meines Projektors verstärkt, der sich oberhalb der Leinwand befindet. Oben und an den Seiten ist das Testbild hingegen tadellos.

Bildmitte mit Filter – Hier zeigt sich, wie präzise die Schärfeabbildung ist. Das Kreuz in Pixelgröße wird originalgetreu reproduziert, ebenso das Schachbrettmuster in UHD-Pixelgröße.

Oben links mit Filter – Die Schärfe lässt einen Hauch nach im Vergleich zur Abbildung der Mitte.

Unten rechts mit Filter – Hier sieht das Bild auf meiner Leinwand am schlechtesten aus. Durch Ausnutzung von Lens-Shift, leicht außermittige Aufstellung und Projektion von oben nach unten bleibt die gute Schärfe nicht aufrechterhalten.

Bildeindrücke

Spielfilme von der 4K-Blu-ray im CinemaScope-Format und 1,85:1-Seitenverhältnis, Fotoaufnahmen und Live-Sport-Events in 16:9 beeindrucken durch das größere Bild auf der Leinwand. In „Cruella“ leuchtet das Disney-Logo am Anfang vor der Schwarz/Weiß-Szenerie des Schlosses knallrot in erweitertem UHD-Farbraum Rec.2020/P3. Als Cruella den kleinen Modeladen entdeckt besitzt das Bild eine vorzügliche Brillanz ohne Filter. Mit Walimex Weitwinkel-Vorsatzfilter wird das Bild deutlich größer, so dass ich noch tiefer ins Geschehen eintauchen kann. Plastizität und Farbbrillanz bleiben erhalten, nach der Kalibrierung. Die leichten Defokussierungen in den Ecken, die auf dem Testbild klar und deutlich aus nächster Nähe zu sehen sind, spielen in diesem Film keine Rolle. Auch „Tenet“, „Star Wars“ und „Oblivion“ gefallen mit einem sehr homogenen Schärfeeindruck über die gesamte Fläche. Bei Live-Sport sind Einblendungen an den Bildrändern bestens zu lesen. Lediglich die Farbsättigung für HDR-Content habe ich minimal erhöht/angepasst im Rahmen der Kalibrierung.

„Cruella“ mit Weitwinkel-Vorsatzlinse offenbart alle sichtbaren Details, die im Original vorhanden sind. Sogar unten rechts ist das Plakat für den Walt Disney Film „Candleshoe“ einwandfrei zu lesen.

Ohne Filter sind die Schilder am linken Bildrand gut lesbar.

Mit Filter bleibt der gute Bildeindruck erhalten, obwohl das Bild deutlich größer projiziert wird.

Mit Filter ist die Laufschrift im Abspann von „Cruella“ von unten bis oben gestochen scharf. Hier gibt es keine sichtbaren Einbußen. Das Menü des JVC DLA-N7 wird ebenfalls makellos abgebildet auf der Leinwand.

Ein echter Härtefall ist meine Fotoaufnahme von London für den Weitwinkelvorsatz. Während die Uhr am Big Ben klar und deutlich abgebildet wird, nimmt die Schärfe zum unteren Bildrand ganz leicht ab.

Ohne Filter sind Nummernschild, Personen im Hintergrund und die Gebäudestruktur in der Ausschnittsvergrößerung bestmöglich reproduziert.

Mit Filter sind Nummernschild, Personen im Hintergrund und die Gebäudestruktur in der Ausschnittsvergrößerung minimal „weicher“. Aus üblichen Sitzabständen sind diese Unterschiede praktisch nicht mehr sichtbar.

Die Folge

Nach dem überaus umfangreichen Testprozedere steht mein Ergebnis fest: Die Walimex Weitwinkel-Vorsatzlinse bleibt weiterhin am Projektor befestigt. Der optische Gewinn durch das größere Bild überwiegt gegenüber den zweifelsfrei vorhandenen Nachteilen durch die Linse. Selbst wenn der Beamer nicht neu kalibriert wird, sind die Farbabweichungen so gering mit 1 bis 3 Prozent, dass diese selbst im direkten A/B-Vergleich kaum zu sehen sind. Chromatische Aberrationen durch die Vorsatzlinse sind mir nicht aufgefallen. Letztendlich habe ich mein Ziel erreicht: Ich kann meine 3,20 Meter breite Leinwand nun vollständig ausleuchten – und so richtig tief ins Filmgeschehen eintauchen.

Mit Weitwinkel-Vorsatzlinse erscheint meine Panoramaaufnahme von Hamburg, die ich aus der 20. Etage des Hanseatic Trade Centers geschossen habe, in beeindruckenden Farben und ist knackscharf. Der leichte Kisseneffekt am unteren Bildrand und die in den Rändern nicht ganz perfekte Schärfeabbildung schmälern den insgesamt guten Eindruck kaum.

Fazit

Walimex bietet mit der Weitwinkel-Vorsatzlinse einen echten Problemlöser für das Heimkino. Wer den Aufwand nicht scheut, diese Linse am oder vor dem Projektor zu befestigen, erhält für sehr kleines Geld ein deutlich größeres Bild auf der Leinwand. Dass diese Linse nicht mit 8.000 Euro teuren Profi-Optiken mithalten kann, versteht sich von selbst. Ein paar Defizite wie Kissenverzug und nicht 100-Prozent gleichmäßige Schärfe über die gesamte Bildfläche sind hinzunehmen. Für einen Straßenpreis von unter 20 Euro bietet der Pro MC AF Digital Wide Converter allerdings ein fast schon sensationelles Preis/Leistungsverhältnis – und ist allemal einen Versuch wert.


Ausstattung und Messungen

Hersteller:     Walimex
Name:          Pro MC AF Digital Wide Converter
Preis:           19 Euro
Größe:         7,20 Zentimeter
Kategorie:     Weitwinkel-Vorsatzfilter
Material:       Glas in Fassung mit 72-mm-Schraubgewinde
RGB Niveau: Rot 102 %, Grün 101 %, Blau 97 %
Kontrast:      – 2,5 %
Lichtausbeute: 92 % (- 8 %)
Vergrößerung: ab 11,5 % (je nach Abstand zum Objektiv)

Pro & Contra

+ Preis
+ geringer Lichtverlust
+ sehr gute Farbwiedergabe
+ ab 11,5 % breiteres Bild
+ Schraubgewinde
– leichter Kisseneffekt
– Schärfeeinbußen in den Ecken


Test und Text: Michael B. Rehders
Fotos: Michael B. Rehders (3), Hersteller (1)
Screenshots: Michael B. Rehders (3), Cruella (Walt Disney)

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