Der Xgimi Titan ist der erste 4K-Heimkinoprojektor mit 0,78-Zoll-DMD. Was diesen großen DLP-Chip von Texas Instruments auszeichnet, und was uns bei Dolby Vision ungewöhnliches aufgefallen ist, klärt dieser umfangreiche Test.

Inhalt
- Kurz und Knapp
- Lieferung und Design
- Ausstattung und Technik
- Installation und Bedienung
- Messungen und Diagramme
- Einstellungstipps vom Experten
- Neuer 0,78 Zoll Chip
- Bildeindrücke: SDR, HDR und 3D
- Dolby Vision – Die Besonderheit
- Fazit
- Technische Daten und Messergebnisse
- Pro & Contra

Kurz und Knapp
Der Xgimi Titan ist ein 4K-Heimkinoprojektor mit XPR-Shift, der als erster Projektor weltweit den brandneuen 0,78-Zoll Chip verbaut hat. Eine leistungsstarke Dual-Laserlichtquelle liefert kalibriert bis zu 4410 Lumen. Damit lassen sich Leinwandbreiten bis 6,00 Meter strahlendhell ausleuchten. Seine 4K-Auflösung erzielt er via XPR-Shift-Technologie und sequenzieller Bilddarstellung. Freunde von umfangreichen 3D-Filmsammlungen kommen ebenfalls auf ihre Kosten, weil er auch diese Technologie unterstützt. Leider halbiert er hier die Auflösung.
Der Projektor ist mit 31 Dezibel kein Leisetreter und schon deutlich im Raum zu hören. Seine Aufstellung ist denkbar einfach, weil der Beamer mit Autofokus, automatischer Bildanpassung und 1,5-fachem Motor-Zoom-Objektiv bestens ausgestattet ist.
Die neuesten HDR-Technologien Dolby Vision und HDR10+ bringt er mit. Dank der hohen Lichtausbeute sehen entsprechend kodierte Filme umwerfend gut aus. Sie sind messerscharf bis zum Rand und besitzen eine natürliche Bewegungsdarstellung. Ein sehr gutes dynamisches Tone-Mapping pimpt aber auch die statischen Varianten HDR10 und HLG, damit diese strahlend hell projiziert werden.
Auf Smart-TV-Funktionen muss verzichtet werden.
Xgimi bietet 2 Jahre Garantie. Aufgerufen wird ein Preis von 3.999 Euro.


Lieferung und Design
Auf der IFA 2025 stellte der chinesischer Hersteller Xgimi seine komplette Range von neuen Heimkinoprojektoren vor. Neben dem Horizon 20 Max haben wir nun auch das brandneue Topmodell Titan zum Testen erhalten.
Geliefert wird der 3.999 Euro teure Lichtwerfer in einem schlichten braunen Karton. Ummantelt ist er mit einem stabilen Schaumstoff, damit er auf dem Transportweg gut geschützt ist. Zum Lieferumfang gehören neben dem Xgimi Titan: eine Objektivabdeckung, eine Fernbedienung mit Batterien, zwei Kurzanleitungen, das Netzkabel, ein schicker Objektivschutz sowie vier Standfüße mit Schrauben und das für die Montage benötigte Werkzeug.
Mit einer Stellfläche von 44,1 x 34,5 Zentimeter und einem Gewicht von 11,5 Kilogramm ist er für die Festinstallation bestens geschaffen. Die vier Standsäulen haben nicht nur optische Zwecke, sondern dienen viel mehr dazu, den Beamer von der Unterlage abzuheben. Der Grund dafür ist das verbaute Lüftungssystem, welches die warme Abluft nach unten ausgibt.
Typische Stellregler gibt es nicht, wie sie bei Projektoren in diesem Preissegment üblich sind. Stattdessen ist ein Bedienfeld auf der Rückseite eingelassen. Hiermit kann der Titan vollständig gesteuert werden, falls die Fernbedienung mal nicht zur Hand sein sollte.
Das Anschlussfeld auf der Rückseite ist übersichtlich gestaltet. Zwei HDMI-Schnittstellen (eine mit eARC) zur Verbindung von AV-Receiver und Spielekonsole, zwei USB-Ports, USB-C für Servicedienste, Audioausgang, RS232 für die Netzwerksteuerung, LAN und Optical sind vorhanden. Weiter unten befinden sich eine Tastatur zur Bedienung und der Ein/Aus-Button.
Mit gemessenen 304 Watt ist die Leistungsaufnahme überraschend gering, jedenfalls für einen Projektor mit nominell 5000 Lumen.



Ausstattung und Technik
Der 0,78-Zoll große DLP-Chip von Texas Instruments unterstützt eine Auflösung von 3.840 x 2.160 Pixel via Pixelverschiebung.
Die duale Laserlichtquelle basiert auf roten und blauen Dioden mit Phosphorelement (erzeugt zusätzlich Grün) zur Emittierung von Weiß. Der Vorteil dieser Technologie gegenüber RGB-Lasern ist, dass kein störendes Laserspeckle erzeugt wird. Eine Angabe über die Lebensdauer der Lichtquelle macht der Hersteller nicht. Wir gehen aber davon aus, dass diese bei rund 20.000 Stunden liegt, bis sich die Helligkeit halbiert.
Ein Bildmodus namens „IMAX-Enhanced“ ist implementiert, dieser ist aber lediglich bei Zuspielung von entsprechend zertifiziertem Quellmaterial verfügbar. Der „Filmmaker-Modus“ kann hingegen immer eingeschaltet werden, um Spielfilme so zu erleben wie es die Regisseure vorgesehen haben.
High Dynamic Range unterstützt die dynamischen Formate Dolby Vision und HDR10+. Ein dynamisches Tone-Mapping sorgt dafür, dass auch die statischen Varianten HDR10 und HLG optimal aufbereitet werden. Hier kommt der erste von Xgimi entwickelte 4K-fähige KI-Prozessor zum Einsatz. Dieser analysiert jedes Bild in Echtzeit und passt Schärfe, Detailwiedergabe, Farbe und Kontrast an.
Die Zwischenbildkompensation namens „Bewegungsausgleich“ besitzt drei Regelstufen, um die Abbildungsschärfe von HDR- und SDR-Signalen zu verbessern.
Für die Kalibrierung des Gamuts steht ein Sechs-Achsen-Farbmanagement zur Verfügung. Darüber hinaus ist ein 2-Punkt- und 11-Punkt-Weißabgleich implementiert, um Weißpunkt (D65), Graustufenverlauf und Gamma auf Perfektion zu trimmen.
Alle 3D-Formate werden unterstützt.
Ein verbautes Soundsystem, Autofokus, automatische Bildausrichtung und WLAN-Anbindung für Updates komplettieren die Ausstattung.
Auf Lens-Memory und Smart-TV-Dienste muss hingegen verzichtet werden.

Installation und Bedienung
Zunächst entfernen wir den Objektivdeckel und stecken dafür das Schutzglas auf, damit kein Staub ins Gerät kommt. Nach dem erstmaligen Einschalten öffnet sich automatisch ein Installationsmenü, in dem Sprache und WLAN eingestellt werden. Danach sucht der Projektor selbständig nach einer aktuellen Firmware-Version.
Fokus und Bildlage passt der Titan automatisch an. Manuelle Eingriffe sind natürlich möglich. Leider funktioniert der Fokusknopf auf der Fernbedienung unseres Testgerätes nicht, so dass wir für die Schärfeeinstellung durch das On-Screen-Display (OSD) manövrieren müssen.
Das 1,5-fache Zoomobjektiv besitzt ein Projektionsverhältnis von 1,2:1 bis 1,8:1. Demzufolge erzielt der Titan eine Bildbreite von 2,50 Meter aus einer Entfernung von 3 bis 4,50 Meter. Da der Beamer zentrisch abstrahlt, sollte er auf Höhe der Leinwandmitte aufgestellt werden. Ist eine Platzierung am unteren oder oberen Rand der Leinwand angedacht, reicht der vertikale Verschiebebereich des Lens-Shifts (+/- 50 Prozent), um das Bild vollständig auf die Leinwand darzustellen. Die Herstellerangabe von +/- 100 Prozent können wir nicht bestätigen. Darüber hinaus kann das Bild noch um 40 Prozent horizontal verschoben werden. Für einen DLP-Projektor ist diese Flexibilität aller Ehren wert.
Zum ersten mal sehen wir bei einem Heimkinoprojektor, dass dieser eine Anzeige für die Ausrichtung in Waage besitzt. Die Abweichung wird auf einem Diagramm in Grad angezeigt.




On Screen Display
Xgimi hat die Beschriftung des On-Screen-Menüs übersichtlich gegliedert. Alle Tools sind sauber bezeichnet und selbsterklärend angeordnet. Die Navigation durch das OSD gelingt zügig und verzögerungsfrei.


Wenn der Beamer final eingestellt ist, wechselt er automatisch in den vorab eingestellten Bildmodus. Hierbei werden die Farbräume Rec.709 für HDTV und DCI-P3 für HDR zuverlässig erkannt.
Nach sieben Sekunden ist der Projektor vollständig heruntergefahren. Das Hochfahren geht ebenso rasant vonstatten.
Messungen und Diagramme
Helligkeit:
Im Bildmodus „Hochleistung“ messen wir erwartungsgemäß die höchste Lichtausbeute, die mit 7830 Lumen die Herstellerangabe erheblich übertrifft. Die Farbtemperatur ist mit über 13.000 Kelvin allerdings viel zu kühl. Darüber hinaus drehen die Lüfter wie Flugzeugtriebwerke hoch und erzeugen einen Pegel von 50 Dezibel.
Im „Filme“-Modus ist der Xgimi Titan mit 31 Dezibel zwar immer noch kein Leisetreter, aber er unterbietet die Herstellerangabe um ein Dezibel. Die Werkseinstellungen sind in diesem Bildmodus herausragend gut. Es sind allenfalls minimale Anpassungen zur Perfektion nötig. Diese Korrekturen haben eher einen akademischen Wert, weil das Ergebnis unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt. So können wir die Farbtemperatur von 6.448 Kelvin auf 6.500 Kelvin verbessern.
Die Lichtausbeute beträgt kalibriert 4.260 Lumen für SDR und 4.410 Lumen für HDR. Das reicht aus für Bildbreiten bis 6,00 Meter, wenn wir die standardisierten 20 Footlambert für SDR-Inhalte ansetzen, respektive 4,80 Meter mit 32 Footlambert für HDR.
Kontrast:
Der native Kontrast beträgt 1665:1 (On/Off), 1640:1 (Inbild) und 450:1 (ANSI). Dynamisch lässt sich der Kontrast auf 135.000:1 steigern, was den mäßigen Schwarzwert von 2,65 Lumen (statisch) auf sehr gute 0,03 Lumen (dynamisch) in Schwarzblenden verbessert. Hierbei bietet der Projektor gleich fünf dynamische Anpassungsmöglichkeiten. Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund ist mit unseren Einstellungsempfehlungen farbneutral; Schleierwolken stellen sich nicht ein.
Von der Nutzung „Dynamischer Kontrast“ und „KI-Kontrast“ raten wir bei SDR- und HDR10-Content ab, weil beide Eingriffe Inhalte ins Schwarz absaufen lassen. Bei Dolby Vision hingegen sollten beide Helferlein aktiv bleiben, denn sie sorgen für einen beeindruckenden Kontrasteindruck. Das Schwarz kann in dunklen Szenen weitgehend überzeugen, weil die hohe Lichtausbeute durch Spitzlichter und satte Farben viel „kaschiert“. Die Kombination aus Absenkung der Gesamthelligkeit und Gammaausgleich funktioniert prächtig.
Im Vergleich legen die Projektoren von Sony und JVC noch eine Schippe im Schwarzwert drauf. Vor allem Nachtaufnahmen sind mit den LCOS-Lichtwerfern (D-ILA, SXRD) sichtbar dunkler, haben mehr Tiefe und Brillanz. Erwähnt werden sollte an dieser Stelle aber, dass die Konkurrenzmodelle ein paar tausend Euro mehr kosten als der Titan. Da erwarten wir einen Mehrwert in dieser Größenordnung.
Der Titan besitzt ein dynamisches Tone Mapping. Er analysiert jedes Bild und kombiniert High Dynamic Range mit einer passenden PQ (Perceptual Quantization). Diese deckt die Range von 0 bis 6000 cd/m² ab. Der Projektor mappt diese Signale in den darstellbaren Bereich. Das funktioniert in der Praxis so gut, dass wir uns bei der Wiedergabe von HDR-Signalen um nichts weiter kümmern müssen.
Color Uniformity:
Die Ausleuchtung ist mit 97 Prozent herausragend gut, weil weder Helligkeitsabfall noch Einfärbungen zu den Seiten vorhanden sind. Schwankungen der Farbtemperatur sind ebenfalls nicht auszumachen.
Farbdarstellung:
Die Farbräume Rec.709 (100 Prozent) und DCI-P3 (100 Prozent) werden exzellent abgedeckt. Nach der Kalibrierung liegen Primär- und Sekundärfarben noch eine Spur besser und der Weißpunkt macht eine Punktlandung mit 6505 Kelvin.
Graustufenverlauf und Gamma sind bereits im Werkspreset herausragend – und bieten nach der Kalibrierung schlichtweg Perfektion.












Einstellungstipps vom Experten
SDR
Bildmodus Filme
Helligkeit 50
Kontrast 50
Sättigung 53
Schärfe 40
Gamma 2,4
Farbraum Rec.709
Bewegungsausgleich Schwach
Lokaler Kontrast Aus
Dynamischer Kontrast Aus
KI-Kontrast Aus
Dynamische Schwarzwertverbesserung Aus
3D
Bildmodus Filme
Helligkeit 50
Kontrast 50
Sättigung 55
Schärfe 40
Gamma 2,4
Farbraum Rec.709
Bewegungsausgleich Schwach
Lokaler Kontrast Aus
Dynamischer Kontrast Aus
KI-Kontrast Aus
Dynamische Schwarzwertverbesserung Aus
HDR
Bildmodus Standard HDR
Helligkeit 50
Kontrast 50
Sättigung 55
Schärfe 50
Dynamische HDR-Helligkeit Ein
Farbraum BT.2020
Bewegungsausgleich Schwach
Lokaler Kontrast Mittel
Dynamischer Kontrast Aus
KI-Kontrast Aus
Dynamische Schwarzwertverbesserung Niedrig
Neuer 0,78 Zoll DLP-Chip
Als erste Hersteller hat Xgimi das brandneue 0,78-Zoll-DMD von Texas Instruments in sein Flaggschiff Titan implementiert. Dieser DLP-Chip besitzt 1920 x 1080 Mikrospiegel. Via XPR-Technologie können alle 3840 x 2160 Pixel eines UHD-Bildes reproduziert werden, in dem jeder Mikrospiegel nacheinander vier Bildpunkte darstellt. Diese Wiedergabe erfolgt per Pixelverschiebung (Shift). Die Qualität eines nativen 4K-Displays wird jedoch nicht ganz erreicht. So ist der Proband außerstande Schwarz-Weiß-Linien in nativer UHD-Pixelauflösung abzubilden, weil sich diese Bildinformationen überlagern.
Der Unterschied zum kleineren 0,47-Zoll-Chip liegt daher nicht in der nativen Auflösung (die ist identisch), sondern in der größeren physikalischen Oberfläche der Mikrospiegel. Diese ermöglichen niedrigere Interferenzen (Überlagerung von Lichtwellen, die zu Streifen im Bild führen können). Die Detailabgrenzung ist präziser, weil Farben auf Pixelebene feiner voneinander getrennt werden. Das Resultat ist eine bessere Schärfe. Darüber hinaus wird der Kontrast auf Pixelebene sichtbar und messbar gesteigert.
Während der kleinere 0,47-Zoller alle Bildsignale in 60 Hz ausgibt, was zum unschönen Pulldownruckeln führt, unterstützt der 0,78-Zoll-Chip native 24, 50 und 60 Hz, so dass sich nativ eine originalgetreue Bewegungsdarstellung ergibt.

Bildeindrücke: SDR, HDR und 3D
SDR
Spielfilme werden mit 24 Hz originalgetreu projiziert. Ebenso werden Serien und Live-Sportübertragungen mit 50 und 60 Hz korrekt dargestellt, wodurch sich ein sehr natürlicher Look einstellt. Bis zu den Rändern liefert der Proband ein messerscharfes Ergebnis. Wird der „Bewegungsausgleich“ (Zwischenbildkompensation) auf „Schwach“ gestellt, nimmt die Bewegungsschärfe noch sichtbar zu, ohne dass sich ein Seifenoper-Effekt einstellt. Während Laserspeckle mit Abwesenheit glänzt, dank der Dual-Laserlichttechnik ist ein leichtes Farbblitzen (Regenbogen Effekt) in kontrastreichen Szenen zu verzeichnen. Einen Grauschleier können wir selbst in Nachtaufnahmen nicht ausmachen.
HDTV-Signale werden mit originalgetreuen Farben reproduziert. So zeigt der Doppeldecker auf unserer Panoramaaufnahme von Hamburg alle Einzelheiten, die in der Quelldatei enthalten sind. Die einzelne Streben des Geländers davor sind vollzählig, die Abgrenzung der roten und weißen Felder auf der Barke bluten nicht aus. Das geöffnete Schiebedach weist alle Falten auf.
Schwarz-Weiß-Inhalte sind vollkommen farbneutral, dank des exzellenten Graustufenverlaufes, den wir in unseren Messungen bestätigen können.


HDR
Mit HDR-Inhalten läuft der Xgimi Titan zur Hochform auf. Von 0 bis 6000 Nits werden praktisch alle Inhalte in „Sully“ (HDR10) reproduziert. Die Displays und die US-Flagge am Times Square leuchten strahlendhell. Das Gesicht vom Flugzeugkapitän weist einen natürlichen Teint auf. Nichts überstrahlt ins Weiß oder läuft im Schwarz zu.
„West Side Story“ von Steven Spielberg profitiert ebenfalls vom dynamischen Tone-Mapping des Lichtwerfers. Als Maria abends auf der Feuerleiter steht, sind alle Sprossen der umliegenden Leitern erkennbar. Die bunten Fenster leuchten farbenprächtig. Als Maria mit ihren Freunden aus dem Boxclub läuft, sind von der Straße bis zum Hintergrund kleinste Details glasklar auszumachen.

Dolby Vision
Während unserer tiefergehenden Untersuchung haben wir herausgefunden, dass der 4K-Blu-ray-Player Dolby-Vision-Signale auf der Blu-ray erkennt. Diese wandelt er aber in SDR, bevor er sie dem Projektor zuspielt. Der Xgimi Titan zeigt dementsprechend im Infomenü als Eingangssignal: SDR. Das ist ungewöhnlich! In aller Regel gibt ein Player Dolby-Vision-Inhalte als Originalsignal aus. Wenn ein Projektor Dolby Vision nicht unterstützt, greift der Player zum HDR10-Stream, zeigt diesen an und gibt ihn aus.
Im Titan ist aber ein Dolby-Vision-Bildmodus aktiv, um das zugespielte SDR-Signal in Dolby Vision zu „wandeln“.
Unsere Recherche hat ergeben, dass dies eine Vorgabe von Dolby an Xgimi sein soll. Der Titan soll vom Zuspieler ein von Dolby Vision sauber in SDR konvertiertes Signal erhalten. Intern rechnet er das zugespielte SDR-Signal dann wieder in Dolby Vision hoch. Das betrifft den Farbraum, der vom Player von DCI-P3 in Rec.709 und vom Beamer im Anschluss wieder in DCI-P3 gewandelt wird. Es betrifft auch den Dynamikumfang, der umständlich und verlustbehaftet hin und her gewandelt wird. Das alles ist ungewöhnlich, weil kein anderer uns bekannter Hersteller das so handhabt. Es macht technisch auch keinen Sinn.



Schauen wir uns das finale Ergebnis mal an:
Filme in Dolby Vision übertreffen (trotz der hin und her Wandlungen) die Qualität von HDR10-Filmen noch. In „Top Gun: Maverick“ feiern wir den Testflug, ob der extrem hellen Spitzlichter von über 4400 Lumen, die der Beamer auf die Leinwand knallt. Sterne am Himmel, Funkenflug und letztendlich die Explosion bei einer Geschwindigkeit von über Mach 10 begeistern ob ihrer Plastizität. Derart farbstark leuchtende Farben bekommen wir nicht täglich zu Gesicht. Tageslichtaufnahmen muten realistisch an, dank der hohen Lichtausbeute. Als die Flugzeuge durch die Schlucht donnern, können wir einzelne Bäume an den schneebedeckten Hängen ausmachen. Die kontrastreiche Innenaufnahme der Radarstation, die in rotes Licht getaucht ist, löst schiere Begeisterung in uns aus.
In „Elvis“ sprüht der Vorspann und die Aufnahmen des Kings auf der Bühne vor HDR-Wow-Momenten. Feinste Edelsteine sind auf der goldenen Gürtelschnalle des Musikers erkennbar. In den dunklen Arenen sind die Zuschauer bis in die letzte Sitzreihe deutlich erkennbar. So muss Dolby Vision aussehen!



3D-Wiedergabe
3D muss von Hand im OSD aktiviert werden. Im Anschluss stellt der Projektor das „Frame Packing“-Signal korrekt auf der Leinwand dar. Ein Rotblitz synchronisiert Projektor und Brille. Leider bleibt die Zwischenbildkompensation wirkungslos. „Bewegungsausgleich“ lässt sich zwar auf alle drei Stufen stellen, doch die 3D-Filme werden ohne Zwischenbilder ausgegeben. Darüber hinaus wird die Zeilenauflösung halbiert.
In der Praxis profitieren Filme massiv von der hohen Lichtausbeute des Projektors. Hinter der 3D-Brille, welche den Rotblitz vollständig unterdrückt, messen wir satte 1.040 Lumen. „Avatar: The Way Of Water“ wird ruckelfrei mit 24 Hz projiziert. Die Farben erscheinen natürlich. Crosstalk-Effekte treten nicht auf, so dass weder Säume noch Geisterbilder auszumachen sind. Die fehlende Auflösung macht sich weniger stark bemerkbar als vermutet. Als die Familie von Jake Sully über eine Art Netz zu ihrer Hütte läuft, erscheint die Struktur der Lauffläche eine Spur weicher als in der 2D-Full-HD-Version des Films. Flugaufnahmen besitzen eine herrliche räumliche Tiefe und Popout-Effekte beeindrucken nachhaltig.





Fazit
Der Xgimi Titan ist ein 4K-Heimkinoprojektor mit XPR-Shift, der als erster Projektor weltweit den brandneuen 0,78-Zoll Chip verbaut hat. Eine leistungsstarke Dual-Laserlichtquelle liefert kalibriert bis zu 4410 Lumen. Damit lassen sich Leinwandbreiten bis 6,00 Meter strahlendhell ausleuchten oder entsprechend kleinere Bildbreiten bei zunehmendem Umgebungslicht. Freunde von umfangreichen 3D-Filmsammlungen kommen ebenfalls auf ihre Kosten, weil er auch diese Technologie unterstützt. Leider halbiert er hier die Auflösung. Mit 31 Dezibel ist der Projektor kein Leisetreter und schon deutlich im Raum zu hören. Aufstellung und Inbetriebnahme sind angenehm leicht, dank Autofokus, Motorzoom und automatischer Bildausrichtung.
Die neuesten HDR-Technologien Dolby Vision und HDR10+ bringt er mit. Die hohe Lichtausbeute lässt entsprechend kodierte Filme umwerfend gut aussehen. Sie sind messerscharf bis zum Rand und besitzen eine natürliche Bewegungsdarstellung. Auf Smart-TV-Funktionen muss aber verzichtet werden.
Wer nicht anfällig für das Farbblitzen (RBE) ist, erhält mit dem Xgimi Titan einen echten Top-Projektor mit umfangreicher Ausstattung und exzellenter Bildqualität.
Technische Daten und Messergebnisse
| Modell: | Xgimi Titan |
| Preis (UVP): | 3.999,00 Euro |
| Garantie: | 2 Jahre |
| Ausführungen: | Grau-Schwarz |
| Abmessungen (BxHxT): | 441 x 158 x 345 mm |
| Gewicht: | 11,5 kg |
| Lichtquelle: | Dual-Laser |
| Technik: | 1-Chip DLP |
| Helligkeit (kalibriert): | 4260 Lumen (SDR) / 4410 Lumen (HDR) |
| Kontrast (kalibriert): | 1665:1 (On/Off) / 1640:1 (Inbild) / 450:1 (ANSI) / 135.000:1 (dynamisch) |
| Schwarzwert (kalibriert): | 2,65 Lumen (statisch), bis 0,03 Lumen (dynamisch) |
| Bildauflösung: | 1920 x 1080 Pixel (3840 x 2160 mit XPR-Technologie) |
| HDR-Techniken | Dolby Vision, HDR10+, HDR10, HLG |
| Lens-Shift H/V | ja / ja |
| 3D-Wiedergabe: | ja |
| 3D-Transmitter | ja |
| 3D-Brille: | nein |
| Zwischenbildberechnung | ja (aber nicht für 3D) |
| Zoom | 1,50 x |
| 2,50 Meter Bildbreite aus | 3,00 – 4,50 Meter |
| Projektionsverhältnis | 1,2:1 – 1,8:1 |
| Betriebsgeräusch | 31 Dezibel |
| Stromverbrauch | 304 Watt / 0,0 Watt (Stand by) |
| Eingänge | 2 x HDMI (HDMI-2.0/HDCP-2.2-fähig) 2 x USB 1 x USB-C 1 x WLAN 1 x LAN 1 x SPDIF 1 x RS232 |
| Ausgänge: | 1 x 3,5 mm Mini Jack |
| Lieferumfang: | Xgimi Titan 4 Standfüße mit Schrauben und Werkzeug Fernbedienung Batterien Quickstart-Anleitung Garantiekarte |
Pro & Contra
+ 4K/UHD via XPR-Technologie
+ Dynamisches Tone Mapping
+ Dolby Vision, HDR10+
+ 0,78-Zoll-DMD
+ Präzise Farbdarstellung für SDR und HDR ab Werk
+ 3D Wiedergabe
+ Autofokus und Winkelanzeige
– 3D mit halber Auflösung
– Schwarzwert verbesserungswürdig
Test, Text und Fotos: Michael B. Rehders
Titelbild: Michael B. Rehders
Screenshots im Rahmen des Zitatrechts: Hamburg Panorama (Michael B. Rehders), Hotel Atlantic (Michael B. Rehders), Elvis (Warner Bros /Universal Pictures), Sully (Warner Bros /Universal Pictures), Avatar: The Way Of Water (Walt Disney / LEONINE)