TEST: SONY VPL-VW550ES

Der Sony VPL-VW550ES erfüllt Heimkinoträume. Der ausgereifte 4K-Projektor soll die brandneuen 4K-Blu-rays vollautomatisch wiedergegeben. Die hohe Lichtleistung und eine optimierte „Reality Creation“ versprechen höchstes Sehvergnügen.

Sony VPL-VW550 mit Fernbedienung - On - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Der Sony VPL-VW550ES gleicht seinem Vorgängermodell wie ein Ei dem anderen.

Ausstattung und Technik
Sony nutzt beim aktuellen 4K-Modell das Projektoren-Design, das sich bereits seit Jahren ausgezeichnet bewährt hat. Der VPL-VW550ES ist deshalb optisch von seinen Vorgängermodellen nicht zu unterscheiden. Das ist meiner Ansicht nach auch nicht notwendig, denn der Projektor gehört zu den leisen Heimkinoprojektoren. Die Betriebslautstärke liegt deutlich unter 30 Dezibel, und damit ist er beim Filmeschauen angenehm unauffällig.
Die native Auflösung beträgt 4096 x 2160 Pixel. Somit können hochaufgelöste Fotoaufnahmen, Filme und Games in eindrucksvoller Qualität wiedergegeben werden.
Die 280-Watt-Lampe soll eine Lichtleistung von 1800 Lumen erzielen, die sie in der Praxis auch nahezu erreicht.
Für eine gute Bewegungsschärfe sorgt die „Motionflow“-Technologie, die wirkungsvoll Schlieren und Ruckeln von bewegten Elementen unterbindet. In gleich mehreren Stufen lässt sich die Wirkungsweise an den eigenen Geschmack anpassen.
Darüber hinaus lässt sich die Schärfe weiter steigern, in dem die „Reality Creation“ gezielt eingesetzt wird. Hierbei handelt es sich um ein digitales Filter, das die Detailschärfe und das Rauschen wunschgemäß bearbeitet. Dazu weiter unten mehr.
Während die neuen Sony-TV-Geräte 3D nicht mehr unterstützen, kann der VPL-VW550ES auch weiterhin 3D-Filme projizieren. Das ist lobenswert, weil dreidimensionale Filme auf einer Leinwand großen Spaß machen können.
Verbessert wurde die Wiedergabefähigkeit von Inhalten mit HDR (High Dynamic Range). Jetzt kann der Kontrast von HDR-Filmen exakt eingestellt werden, ohne dafür erst umständlich im Servicemenü werkeln zu müssen. Ermöglichen tut das ein eigener (HDR)-Kontrast-Regler im Bildmenü.
Einfach und schnell gelingt die Aufstellung des VPL-VW550ES, dank der motorisch steuerbaren und flexiblen Optik. Um ein zwei Meter breites Bild zu projizieren, kann der Projektor 2,76 – 5,66 Meter von der Leinwand entfernt platziert werden. Der Lens-Shift ermöglicht eine nicht mittige Aufstellung. Horizontal kann der Sony +/- 31 % versetzt werden; in der Höhe überdies bis zu 85 %. In der Praxis bedeutet das, dass der Sony VPL-VW550ES leicht oberhalb der Leinwand aufgestellt werden kann.
Den Projektor ist in den Farben Schwarz und Weiß erhältlich.

Sony VPL-VW550 - Fernbedienung - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Die Tasten der Fernbedienung können blau beleuchtet werden, um auch im dunklen Heimkino schnell und präzise durch die Bildmenüs zu navigieren.

Sony VPL-VW550 - Bildmenü BILD
Das Bildmenü des Sony VPL-VW550ES besitzt die gewohnte Grafik. Wer einmal einen Sony-Projektor zu Hause eingestellt hat, der wird sich schnell im Menü zurecht finden.

Sony VPL-VW550 - Bildmenü Bildposition
Wer im Heimkino eine Leinwand im Cinemascope-Format nutzt, der kann verschiedene Bildformate speichern und elektronisch „anfahren“. Zwei Tastendrücke auf der Fernbedienung genügen bereits, um das Bildformat auf der Leinwand zu wechseln; zum Beispiel von 1,85:1 auf 2,35:1 und zurück. Insgesamt stehen für die Bildpositionen fünf Speicherbänke zur Verfügung.

Sony VPL-VW550 - Anschlüsse - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Alle Anschlüsse befinden sich an der Geräteseite. Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen besitzt der VPL-VW550ES zwei HDMI-Schnittstellen, die HDMI 2.0 und HDCP 2.2 unterstützen. Der USB-Port ist dafür vorgesehen, um die Firmware-Updates bequem per USB-Stick aufzuspielen.

Automatische Korrektur der Farben
Wer den Sony VPL-VW550ES auf den Rec.709-Standard kalibrieren möchte, dem steht dafür einerseits ein Sechs-Achsen-Farbmanagement zur Verfügung. Andererseits besitzt der Projektor ein zweites Preset, mit dem die Primärfarben auf den x/y-Koordinaten verschoben werden. Dieses Preset funktioniert in der Praxis so gut, dass die komplette Farbraumeinstellung nur zwei Minuten benötigt hat.
Es kommt noch besser: Der VPL-VW550ES besitzt eine integrierte automatische Kalibrierungs-Funktion. Das ist deshalb so praktisch, weil eine UHP-Lampe nicht nur dunkler wird, sondern nach mehreren hundert Stunden das Farbspektrum verändern kann. In der Regel erscheint das Bild zunehmend gelb-grünfarbstichig. Die automatische Kalibrierung sorgt auf Wunsch dafür, dass diese Farbveränderungen auf Knopfdruck korrigiert werden. Das Prozedere funktioniert hervorragend und dauert nur wenige Momente.
Da ein Projektor üblicherweise im Neuzustand kalibriert wird, baut eine Kalibrierung auf genau diesen Neuzustand auf. Wenn sich nach längerer Laufzeit die Farben verschlechtern, stellt die automatische Kalibrierungsfunktion die Farbwerte des Auslieferungszustandes des Projektors wieder her. Danach passt im Übrigen die Kalibrierung wieder, die im Neuzustand vorgenommen worden ist. Clever!

Sony VPL-VW550ES - Auto-Kalibrierung
Die automatische Kalibrierungsfunktion ist inzwischen ein bewährtes Feature. Beim Testgerät waren laut Kalibrierungsbericht die Farben so gut, dass der Projektor keine Änderungen vorgenommen hat.

Messungen
1800 Lumen verspricht Sony als Maximalhelligkeit, die im Bildmodus „Kino hell“ auch annähernd erreicht werden. Kalibriert auf die HDTV-Norm Rec.709 habe ich 1440 Lumen (D65) gemessen. Das reicht aus für Bildwandbreiten bis zu 4,35 Meter, um diese mit 14 fL strahlend hell zu befeuern.
Der native On/Off-Kontrast beträgt nach der Kalibrierung ordentliche 13.851:1 – im HDR-Modus sogar 14.700:1. Der Schwarzwert beträgt vorzüglich 0,10 Lumen ohne irgendwelche Blendentricks. Insofern kann die Auto-Blende bei Filmen ausgeschaltet bleiben.
Mit aktivierter Auto-Blende steigt der dynamische On/Off-Kontrast auf einen Wert, der die vom Hersteller angegebenen 300.000:1 sogar übertrifft. Allerdings ist die Arbeitsweise der Blende durchaus sichtbar. Bei Schwarzbildern schließt die Blende erst rund eine halbe Sekunde später. Der Effekt ist im Heimkino hingegen überaus spektakulär. Das Schwarz ist mit der dynamischen Blende so dunkel, dass es fast schon wie „Licht aus“ erscheint. Der Zuschauer sitzt förmlich in völliger Dunkelheit. Ich habe während der Messungen mehrfach zum Projektor geschaut, um mich zu vergewissern, ob dieser überhaupt noch eingeschaltet ist.

Sony VPL-VW550 - Messung - Farbraum Bildmodus Referenz - links ab Werk - rechts kalibriert
Farbraum: Das schwarze Dreieck zeigt die Sollwerte für den Farbraum Rec.709, das weiße Dreieck dokumentiert die gemessenen Werte. Ab Werk ist der Farbraum im Bildmodus „Reference“ ein wenig erweitert (Diagramm links). Das führt zu etwas bunteren roten, grünen und gelben Farben. Nach der Kalibrierung (Diagramm rechts) treffen alle Primär- und Sekundärfarben ihre Vorgaben vorbildlich.

Sony VPL-VW550 - Messung - Tabelle Farbraum - Bildmodus Referenz - kalibriert
Das vorzügliche Ergebnis der Kalibrierung dokumentiert die Tabelle. Alle Delta-E-Werte sind sprichwörtlich im grünen Bereich. Die bereits sehr gute Werkseinstellung konnte noch ein wenig verbessert werden. Die Farbtemperatur macht mit 6505 Kelvin quasi eine Punktlandung. Das RGB-Niveau bescheinigt, dass die Primärfarben allesamt um 100 % liegen. Für dieses Ergebnis habe ich keine zwei Minuten benötigt, weil neben der bereits guten Werkseinstellung das Farbmanagement perfekte Dienste leistet.

Sony VPL-VW550ES - Farbraum HDR ab Werk links - Farbraum HDR kalibriert rechts
HDR-Farbraum: Da der Sony VPL-VW550ES auch HDR unterstützt, habe ich den Farbraum ebenfalls kontrolliert und korrigiert, soweit dies technisch möglich ist. Grundsätzlich ist das Farbspektrum des Sony so, dass Grün seinen Sollpunkt im CIE nicht erreicht. Grün erscheint in der Praxis blasser als im HDR-Original. Ebenso liegen Cyan und Magenta abseits ihrer Sollwerte. Während Cyan nicht verbessert werden kann, ist es mit einer Kalibrierung möglich (Diagramm rechts), Magenta annähernd auf seinen Sollpunkt zu verschieben. Nach der Kalibrierung passen also Rot, Blau, Magenta, Gelb und erfüllen die HDR-Vorgaben.

Sony VPL-VW550 - Messung - Gammaf Bildmodus Referenz - kalibriert
Gamma: Das Gamma beschreibt den Helligkeitsverlauf von Schwarz zu Weiß. Die weiße Linie zeigt den idealen Verlauf mit dem Wert 2.2. Die gelbe Linie belegt, wie der Sony das Gamma nach der Kalibrierung darstellt. Einen Unterschied zur Werkseinstellung gibt es nicht. Das Gamma hat einen leichten Hang dazu, dunkle Szenen ein wenig aufzuhellen. Daran werden sich aber nur Perfektionisten stören, denn wirklich auffällig ist das in der Praxis nicht.

Sony VPL-VW550 - Messung - Graustufenverlauf Bildmodus Referenz - ab Werkt
Graustufenverlauf ab Werk: Das Diagramm zeigt in 10-%-Schritten, wie gleichmäßig Grauabstufungen dargestellt werden. Die weiße Linie bildet das Optimum dar. Darauf sollten die Farben Rot, Grün und Blau exakt liegen, damit eine unverfärbte Grautreppe dargestellt werden kann. In der Werkseinstellung trifft Grün diese Vorgabe sehr gut. Rot und Blau weichen nur geringfügig vom Optimum ab. Verfärbte Graustufen sind in der Praxis nicht erkennbar.

Sony VPL-VW550 - Messung - Graustufenverlauf Bildmodus Referenz - kalibriert
Graustufenverlauf kalibriert: Die Korrektur ist eigentlich nur von akademischer Natur, um zu sehen, wie gut das Farbmanagement funktioniert. Der Graustufenverlauf ist mit minimalen Änderungen der Gainregler für Rot und Blau nah am Soll. Vor allem Schwarz/Weiß-Bilder profitieren von der homogenen Graustufendarstellung, weil alle Helligkeitsbereiche farbneutral erscheinen. Sehr gut!

Maximalhelligkeit: 1440 Lumen (D65)
Kontrast On/Off: 13.851:1 (HDTV) – 14.700:1 (HDR)
Kontrast ANSI: 482:1
Schwarzwert: 0,10 Lumen

Bildeindrücke
Um das Auflösungsvermögen dieses 4K-fähigen Projektors auszuloten, spiele ich ein paar Testbilder zu. Dafür greife ich zu verschiedenen selbst geschossenen Fotoaufnahmen, eigens von mir erstellten 4K-Testbildern und Filmsequenzen.
Nennenswertes und somit störendes Shading besitzt das Demogerät nicht. Einfarbige graue und weiße Flächen werden unverfärbt projiziert. Selbst Schwarz/Weiß-Bildwerke sind über alle Helligkeitsabstufungen farbneutral.
Die Konvergenz ist grundsätzlich auf gutem Niveau. Full-HD-Pixel weisen zum Rand hin zunehmend minimale Abweichungen von 0,2 bis 0,5 Pixel auf. Davon betroffen sind die Farben Blau und Grün. Diese Säume sind auf normale Sitzabstände nicht zu erkennen. Obendrein ist die Schärfe über die gesamte Bildfläche weitgehend homogen.

Sony VPL-VW550 - Auflösung Full HD
Full-HD-Pixelauflösung: Das Testbild weist nur minimale Konvergenzabweichungen auf, die im Film zu keinerlei sichtbaren Qualitätseinbußen führen. Allerdings wird der volle Kontrastumfang in den Feindetails nicht ausgeschöpft. Im Schwarz/Weiß-Schachbrettmuster ist das ganz gut zu sehen.


Sony VPL-VW550 - Auflösung UHD verfärbt
4K-Pixelauflösung: Das Testbild mit 3840 x 2160 Pixel offenbart einen Fehler, der sich durch alle bisherigen 4K-Heimkinoprojektoren-Serien von Sony zieht. Feinste Pixel wie das oben links abgebildete Schwarz/Weiß-Schachbrett werden zwar vollständig dargestellt, sind aber verfärbt. Leider kann dieses kleine Manko nicht korrigiert werden.

Sony VPL-VW550 - Auflösung UHD-Linien
4K-Pixelauflösung: Schwarz/Weiße Linien in UHD-Auflösung werden hingegen vollständig dargestellt (unten links und unten rechts). Allerdings wird auch hier der native Kontrast nicht ausgeschöpft. Die horizontalen weißen Linien sind überdies blau verfärbt.

Sony VPL-VW550ES - links Full-HD-Zuspielung unverfärbt - rechts UHD-Zuspielung verfärbt
In der Praxis zeigen sich diese Verfärbungen in feinsten Details, wie dem Brautschleier, wenn dem Projektor ein Bild mit UHD-Auflösung zugespielt wird (Foto rechts). Auch in anderen grauen Elementen in Farbbildern habe ich diese leichten Verfärbungen schon gesehen. Nur fallen diese in Farbbildern kaum einmal störend auf. Wenn dem Projektor Full-HD-Kontent zugespielt wird (Foto links), treten diese Verfärbungen nicht auf. Das Ergebnis ist ein wunderbar farbneutrales Schwarz/Weiß-Bild.

4K-Fotoaufnahmen:
Sony VPL-VW550ES - Screenshot Hamburg
Originalaufnahme: Michael B. Rehders
Die Panoramaaufnahme von Hamburg bietet zahllose Details, um die Stärken und Schwächen eines Projektors aufzudecken.

Sony VPL-VW550 - Screenshot Hamburg - Originalaufnahme Michael B. Rehders
Der etwa zwei Prozent große Ausschnitt zeigt, wie gut die Schärfe des Sony VPL-VW550ES ausfällt. Der Schriftzug STADTRUNDFAHRT auf dem Doppeldecker wird vollständig dargestellt. Hier greift die überarbeitete „Reality Creation“ von Sony, die Feindetails besser heraus arbeitet als die Vorgängermodelle, die ich hier zum Testen hatte. Das Foto mit UHD-Auflösung ist nah am Original. Die Farben werden vorzüglich reproduziert. Die orangefarbenen Türen der U-Bahn sehen naturgetreu aus. Obendrein werden die schwarzen Türgummis sauber reproduziert. Die Doppeltür des roten Backsteingebäudes im Hintergrund ist vortrefflich durchgezeichnet.

Sony VPL-VW550 - Screenshot - Rom Ausschnitt - Originalaufnahme Michael B. Rehders
Der kleine Miniausschnitt aus meiner Rom-Aufnahme beeindruckt gleichermaßen. Ohne digitale Artefakte, wie sie beispielsweise durch eine digitale Überschärfung auftreten, werden die Säulen und Mauersteine auf die Leinwand projiziert.

Sony VPL-VW550 - Screenshot Hamburger Hafen - Originalaufnahme Michael B. Rehders
4K-Fotoaufnahme vom Hamburger Hafen: Die „Aida Sol“ fährt langsam die Elbe hinauf. Das warme Sonnenlicht sorgt für eine natürliche Lichtstimmung. Der Name des Kreuzfahrtschiffes wird sowohl auf dem Bug als auch ganz oben an der Reling scharf abgebildet. Die gelben Rettungsbote erscheinen natürlich, ebenso wie die verschiedenen Rotfarbtöne des „Mundes“ am Schiff.

Sony VPL-VW550 - Screenshot Hamburg Full HD
Ausschnitt aus dem Full-HD-Bildwerk vom Hamburger Hafen: Ganz rechts auf demselben Foto ist das Theater zu sehen, in dem das Musical  „Der König der Löwen“ läuft. Die Full-HD-Aufnahme zeigt noch feine Strukturen von der Brücke zum Schiffsanleger. Der Schriftzug auf dem Dach des Restaurants ist nicht mehr zu lesen. Links hingegen weist der „Löwenkopf“ eine ordentliche Struktur auf.

Sony VPL-VW550 - Screenshot Hamburg 4K
Ausschnitt aus dem UHD-Bildwerk vom Hamburger Hafen: Dieselbe Fotoaufnahme in UHD-Auflösung zeigt im Vergleich wunderbar, wie groß der Vorteil eines hochaufgelösten Bildwerks ist. Der Schriftzug „Der König der Löwen“ ist vollständig zu lesen. Der „Löwenkopf“ zeigt viel mehr Details und im Hintergrund können einzelne Container unterschieden werden.

Dieser Vorteil von 4K gegenüber Filmen mit Full-HD-Auflösung ist allgegenwärtig. Selbst wenn Feindetails aus den üblichen Betrachtungsabständen nicht immer zu sehen sind, weil die Sehschärfe des gesunden menschlichen Auges nicht ausreicht, erscheinen 4K-Filme und hochaufgelöste Fotoaufnahme klarer. Sie wirken schlicht und ergreifend realistischer, weil Farbabstufungen viel besser dargestellt werden.
Ein weiterer Vorteil der nativen 4K-Auflösung des Sony VPL-VW550ES ist, dass auf der Leinwand keinerlei Gitterstruktur vorhanden ist.

Film mit Full-HD-Auflösung:
Als erstes landet „Casino Royale“ im Player. Nach mehreren Formatwechseln mit Lens-Memory musste das Bild im Cinemascope-Format leicht angepasst werden, weil es ein paar Zentimeter nach oben gewandert ist. Das fand ich jetzt aber als kein Problem. Die Korrektur war in wenigen Sekunden erledigt und gespeichert. Das Bildformat 16:9 wurde hingegen immer perfekt angefahren.
Zurück zu „Casino Royale“. Das Kapitel 1 (Schwarz/Weiß-Intro) wird völlig verfärbungsfrei projiziert. Kurz bevor das Auto ins Bild fährt, ist die offene Tür links am Gebäude zu erkennen. Auch weist der Anzug von James Bond den Kragen deutlich auf. Obendrein wird das starke Bildrauschen, das diese Szene besitzt, vom Sony VPL-VW550ES massiv reduziert. Selbst wenn die „Reality Creation“ ausgeschaltet ist, oder die Regler auf 0 gestellt sind, bleibt dieser Effekt weitgehend erhalten. Dadurch erscheint das Bild deutlich ruhiger als mit anderen Projektoren, die das grobe Filmkorn überdeutlich auf die Leinwand werfen. Auffällig ist, dass vor allem mittelgroßes und grobes Filmkorn gefiltert werden. Feines Filmkorn bleibt jedoch weitgehend vorhanden.
Die Auto-Iris arbeitet relativ unauffällig im realen Filmbetrieb. Leider regelt sie mit einer Verzögerung von knapp 0,3 Sekunden. Das fällt immer dann negativ auf, wenn extreme Helligkeitswechsel auftreten. Ein Schwarzbild wird erst einen kleinen Moment später dunkler, so als ob eine Abblendung stattfindet.  Die Kontrastregelung unter „Kino Schwarz plus“ bietet mit dem Preset „niedrig“ etwas mehr Brillanz. Es wird förmlich ein Grauschleier vor dunklen Bildinhalten weggezogen. Allerdings verliert das Bild dadurch an Details, die zunehmend ins Schwarz absaufen. Auf Testbildern und Fotos ist dieser Effekt sehr gut zu erkennen. Im Filmbetrieb fällt dieser Umstand allerdings kaum ins Gewicht. Überhaupt gewinnt der Sony VPL-VW550ES an Performance, sobald von statischen Bildwerken auf Filmbetrieb gewechselt wird. Selbst ohne Frame Interpolation, die Sony liebevoll „Motionflow“ nennt, werden bewegte Elemente schärfer gezeigt als bei allen Konkurrenz-Modellen, die LCD-, DLP- und D-ILA-Techniken (ebenfalls ohne FI) verwenden. Dabei ist vor allem der Schärfeeindruck hervorragend. Farben werden klar und deutlich voneinander abgegrenzt. Und durch den hohen Kontrastumfang (On/Off und ANSI) scheinen Farben förmlich zu leuchten.
Als Bond auf Hawaii landet, sieht der blaue Himmel umwerfend aus. Sein braungebranntes Gesicht und die grünen Palmen versprühen pure Urlaubsgefühle.
So machen Filme riesengroßen Spaß im eigenen Heimkino!

HDR-Filme:
Da der Sony VPL-VW550ES auch High Dynamic Range (HDR) unterstützt, habe ich mir das Ergebnis mal genauer angesehen. Die 4K-Blu-ray von „Life Of Pi“ landet im Player und wird gestartet. Der VW550 erkennt automatisch den „HDR-Flag“ innerhalb des HDMI-Signals. Eine umständliche HDR-Einstellung ist also nicht mehr notwendig, wie sie noch beim Vorgängermodell (über das Servicemenü!) vorgenommen werden musste. Das für HDR angedachte Preset wird vom VPL-VW550ES vollautomatisch aktiviert.

Sony VPL-VW550 - Screenshot HDR-Menü
Im Bildmenü erscheint der Reiter „Kontrast (HDR)“. Diesen habe ich auf 75 gestellt, weil auf diese Weise alle Bildinhalte von 0,01 bis 1000 Nits dargestellt werden. Die Filter unter „Kino Schwarz plus“ sollten zwingend ausgeschaltet werden, damit die Durchzeichnung dunkler Bildinhalte aufrecht erhalten bleibt. Obendrein lässt sich „Motionflow“ nicht nutzen, wenn 4K-Kontent zugespielt wird. Allenfalls das Feature „Impuls“ steht zur Verfügung, um die Bewegungsdarstellung zu verbessern. Hierbei handelt es sich im Grunde um eingefügte Schwarzbilder, die zu wahrnehmbaren Helligkeitseinbußen und leichtem Helligkeitsflimmern führen. Da ich von diesen „Verschlimmbesserern“ ohnehin wenig halte, habe ich diese abgeschaltet. Nun hängt das Filmerlebnis maßgeblich vom HDR-Kontent ab und wie dieses auf der 4K-Blu-ray abgelegt worden ist. Je mehr Bildinformationen oberhalb von 500 Nits vorhanden sind, desto beeindruckender fällt das Seherlebnis auf der Leinwand aus.
Mit der „Reality Creation“ kann der Schärfeeindruck zusätzlich noch gesteigert werden. In „Life Of Pi“ erscheinen die geschwungenen Titel im Vorspann herrlich klar. Die Sonne spiegelt sich auf dem Wasser am Pool. Als Pi später mit dem Boot durch die Nacht treibt, leuchten die Sterne strahlendhell am Himmel; und die Fische unter der Wasseroberfläche glühen, dass es eine wahre Freude ist.

Sony VPL-VW550 mit Lens-Flares - Foto Michael B. Rehders
Foto: Michael B. Rehders
Sony VPL-VW550ES

Fazit
Der Sony VPL-VW550ES ist ein Heimkinoprojektor mit 4K-Auflösung, der hochaufgelöste Filme und Fotos bis zu 4096 x 2160 Pixel nativ wiedergibt. Somit werden Feindetails in UHD-Pixelgröße vollständig projiziert, erscheinen allerdings teilweise leicht verfärbt und mit reduziertem Kontrast. Obendrein lässt sich die „Motionflow“ (Zwischenbildberechnung) nicht nutzen, wenn 4K-Kontent zugespielt wird. Die überarbeitete „Reality Creation“ verbessert hingegen den bereits guten Schärfeeindruck. Hiervon profitieren sowohl Filme von Blu-ray als auch Fotoaufnahmen. Die hohe Lichtleistung, der hervorragende Kontrast sowie eine optimierte HDR-Wiedergabe gewährleisten höchstes Sehvergnügen – und machen den Sony VPL-VW550ES zum 4K-Referenz-Projektor in der Preisklasse bis 10.000 Euro.

Pro
+ 4K-Auflösung
+ HDR ab Werk nutzbar
+ 3D-fähig
+ gute Werkseinstellungen im Bildmodus „Referenz“
+ vorbildlich funktionierendes Farbmanagement
+ Automatische Kalibrierungsfunktion
+ Lens-Memory-Funktion
+ komplett motorisch steuerbare Optik
+ großer Zoombereich
+ sehr hell mit 1440 Lumen (D65)
+ guter nativer Kontrast bis knapp 15.000:1 (On/Off)
+ kein sichtbares Pixelraster
+ gute Bewegungsschärfe auch ohne Frame Interpolation

Kontra
– 4K-Pixelauflösung wird mit reduziertem Kontrast auf der Leinwand abgebildet
– Verfärbte Feindetails in Schwarz/Weiß-4K-Kontent
– FI nicht bei 4K-Filmen nutzbar

Technische Daten und Messungen:
Modell: Sony VPL-VW550ES
Technik: SXRD
Bildauflösung: 4096 x 2160 Pixel
Lichtleistung: 1800 Lumen (Herstellerangabe) / 1732 Lumen (Werkseinstellung)
Maximalhelligkeit/Schwarzwert (D65 kalibriert): 1440 Lumen / 0,10 Lumen
Kontrast (On/Off): 13.851:1 (Rec.709) / 14.700:1 (HDR)
Kontrast (ANSI): 482:1
Abstand für 2 Meter Bildbreite: 2,76 – 5,68 Meter
4K-Wiedergabe: 2160/60p mit 4:2:0/8 Bit
Zoomfaktor: 2,06
Lens-Memory: Ja
Reality Creation: Ja
Frame Interpolation: 2D und 3D (Motion Flow)
3D-Emitter: Funk (RF) eingebaut
HDMI-Version: 2.0
HDCP-Version: 2.2
Maße: 49,56 x 19,53 x 46,36 cm (Breite x Höhe x Tiefe)
Farbe: Schwarz, Weiß
Gewicht: 14 kg
Preis (UVP): 9990,- Euro
Website: www.sony.de

Tests, Text und Fotos: Michael B. Rehders

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