HEIMKINO-INSTALLATION: Elektrischer Vorhang und Kaschierung

Viele gute Kinos besitzen einen Vorhang vor der Leinwand, der sich effektvoll und langsam beim Filmstart öffnet. So kann der Zuschauer in die wundervolle Welt eintauchen, die sich im Lichtspielhaus geradezu mystisch vor ihm auftut. Hier nenne ich Unterschiede, Installation und Bezugsquellen.

Foto: Michael B. Rehders
Heimkino mit gemütlichen Kinositzen, Dolby Atmos Soundsystem und Vorhang

Die Eingangstür zum Kinosaal wird geschlossen, die Pausenmusik ausgeblendet und das Saallicht heruntergefahren. Ich rutsche etwas tiefer in den bequemen Kinositz. Popcorn und Coke sind in Griffweite. Der Raum ist nun weitgehend in Dunkelheit getaucht, so dass der beleuchtete rote Vorhang meine Blicke auf sich zieht. Die Vorfreude auf ein spannendes Kinoerlebnis steigen an. Ich trinke einen Schluck eiskalte Coke. Während die Bühnenbeleuchtung langsam erlischt, öffnet sich der Vorhang – Film ab!


Ausstattung und Technik

Wer eine schalldurchlässige Leinwand im Heimkino nutzt, hat üblicherweise Lautsprecher und Subwoofer dahinter installiert. Nun gibt es seit Jahrzehnten verschiedene Bildformate. Die bekanntesten Seitenverhältnisse sind 16:9 und 2,39:1. Um diese Filme adäquat zu projizieren, verwende ich eine schalldurchlässige Leinwand im Cinemascope-Format.
Während der illuminierte Vorhang eher dekorativen Zwecken dient, hat die Kaschierung dahinter einen praktischen Sinn: Einerseits begrenzt er das projizierte Bild sauber, die nicht genutzten Bereiche der weißen Bildwand werden verdeckt. Das führt zu einer Reduzierung von Streulicht. Angenehmer Nebeneffekt, der Kontrast wird sichtbar und messbar verbessert. Andererseits ist der dafür verwendete Akustikstoff schalldurchlässig. Der Ton erreicht also ungehindert den Zuschauer, so dass das volle Klangspektrum erhalten bleibt.
Es gibt gleich mehrere Systeme von verschiedenen Herstellern. Im Grunde unterscheiden sich diese Systeme in der Nutzung. Von einfacher Auf/Zu-Funktion bis hin zu programmierten Zwischenstopps. Ebenso gibt es fix und fertig konfektionierte Systeme. Aber auch variable Vorhangschienen inklusive Steuerung sind im Angebot.
Ich habe von Abalon das Courtain-System bestellt für 175,- Euro. Damit soll ein vier Meter breiter Vorhang ermöglicht werden. Ein zweites System dahinter steuert die elektrische Kaschierung.



Foto: Michael B. Rehders
Das Courtain-Set gibt es in Breiten bis zu acht Metern. Es wird in „handlicher“ Größe sicher verpackt geliefert. Gleich mehrere Anbieter vertreiben es in unterschiedlicher Konfiguration.
Foto: Michael B. Rehders
Im Vier-Meter-Set sind mehrere Schienen zerlegt enthalten.
3 x 1 Meter
1 x 0,5 Meter
2 x 0,2 Meter
1, 0,1 Meter
Zur Ausstattung gehören darüber hinaus ein Keilriemen, Montagewerkzeug, Motor und Fernbedienung.


Montage und Installation

Zusammenbau und Installation gestalten sich angenehm einfach.
Es müssen lediglich die Schienen auf Wunschlänge zusammengesteckt werden. In meinem Fall sind das 3,80 Meter. Hinzu kommen die Verbindungsstücke mit Umlenkrollen und Motor.
Um den Bau möglichst einfach zu gestalten, möchte ich die Curtain Schiene vor die Vorhangschiene am Gardinenbrett anbringen. Dafür werden lediglich die Halterunten am Brett verschraubt. Danach wird die Vorhangschiene komplett eingeklippst.

Foto: Michael B. Rehders
Die zusammengebaute Alu-Profil-Schiene wird in die Halterung eingeklippt. Dahinter befindet sich die weiße Schiene von Sundrape.
Foto: Michael B. Rehders
Richtig gut eignet sich eine Aluminium-Flachstange, die ich mir auf Maß anfertigen ließ, um das Bild links und rechts sauber abzugrenzen. Die Maße für meine Kaschierung betragen 1700 x 25 x 3 mm. Der große Vorteil gegenüber einem Rundholz ist, dass die Alu-Flachstange noch besser im Lot hängt. Selbst wenn der Vorhang darüber die Stange ein wenig „verschiebt“, schwingt sie wieder in die Ausgangsposition zurück. Für die Befestigung habe ich ein Loch mittig am oberen Ende gebohrt, an das die Halterung für den Zugschlitten kommt.
Foto: Michael B. Rehders
Anschließend werden schalldurchlässige Kaschierung und roter Vorhang angehängt. Pro laufenden Meter Vorhangschiene habe ich 10 Ösen verwendet. Die Aluminium-Flachstange ist in den Saum fest eingenäht und am oberen Ende am Zugschlitten der Schiene befestigt. Ebenso das Ende der Kaschierung, damit der Saum nicht an der Stange „herunterrutscht“.
Foto: Michael B. Rehders
Abschließend werden die Motoren via Bajonettverschluss angeflanscht, und das Stromkabel wird in die Steckdose gesteckt – Schon ist die Installation der neuen Vorhangschiene fertig.

Am Courtain-Set müssen keine Start- und Endpunkte programmiert werden, da der Motor eine automatische Endabschaltung besitzt. Sehr praktisch. Denn dadurch kann das neue Vorhangsystem sofort genutzt werden. Es öffnet und schließt den roten Vorhang komplett.
Darüber hinaus ist es allerdings auch noch möglich, zwei Zwischenstopps zu programmieren mit Hilfe der Fernbedienung. Das finde ich auf einer Leinwand im Cinemascope-Format überaus praktisch, weil damit gleich mehrere Seitenverhältnisse abgedeckt werden.

Foto: Michael B. Rehders
Komplett geöffnet ist die vollständige Cinemascope-Leinwand zu sehen.


Tipps und Tricks

Stoffmenge:
Die doppelte Seitenlänge hat sich überaus gut bewährt. Bei mir ist die Vorhang exakt 4 Meter lang und ich hab 8 Meter laufenden Stoff angebracht. Nach Anbringung des Kräuselbandes empfinde ich den Faltenwurf als perfekt. Auch im geöffneten Zustand entsteht auf 40 cm kein Wulst. Sehr gut.

Kaschierung im Lot:
Damit der Kasch seitlich am Bild bündig abschließen kann, sollte der schalldurchlässige Akustikstoff zur Innenseite eine vertikale „Tasche“ enthalten, also einen Einschub für ein Rundholz oder ein flaches Aluminium-Profil. Stoff und Rundholz/Alu-Profil sollten fest verbunden sein. Dabei reicht es meiner Erfahrung nach aus, die verschiedenen Komponenten miteinander zu verkleben.
Anschließend werden Stoff und Rundholz/Alu-Profil am Zugschlitten der Kaschierungs-Schiene befestigt. Mit ein wenig Fingerspitzengefühl gelingt eine exakte Lotausrichtung.

Foto: Michael B. Rehders
Während der rote Vorhang komplett geöffnet ist, wird das 16:9-Bildformat sauber links und rechts kaschiert.


Vorhang auf – Film ab!

Installation und Prgrammierung gingen recht flot von der Hand. Jetzt kommt der schönste Teil für mich: Der Praxistest mit Film.
Per Knopfdruck öffnet sich der rote Vorhang vollständig, das Licht erlischt langsam und der Film erscheint im 16:9-Format. Überdies ist jeder Zwischenstopp von 1,33:1 (Schwarz/Weiß-Klassiker) bis 2,39:1 (Blockbuster) möglich. Also beispielsweise auch 2,00:1 für Netflix-Serien, 2,20:1 für 70-mm-Filme und 16:9 für Sportübertragungen im TV.
Nun starte ich den Film Avengers: Endgame. Der Projektor vergrößert das Bild auf 2,39:1 bei identischer Bildhöhe. Ein Knopfdruck auf der Fernbedienung reicht und die Kaschierung gibt die ganze Leinwand frei. Wow! Das ist ganz großes Kino.
Nach dem Abspann schließt der rote Vorhang und die Bühnenbeleuchtung fährt langsam hoch. Das Licht im Kino geht an.
Für die nächste Vorstellung schließe ich den Kasch auf 16:9, was hinter dem zugefahrenen Vorhang unauffällig geschieht.

Foto: Michael B. Rehders
Wird ein Film im Cinemascope-Format zugespielt, öffne ich die schalldruchlässige Kaschierung vollständig, so dass das 2,39:1-Seitenverhältnis begrenzt wird.


Preise und Bezugsquellen

Motorisierte Vorhangschienen:
ABALON Courtain-System inklusive Motor und Fernbedienung
Preis: 4 Meter um 175,- Euro

Alternative:
SUNDRAPE Vorhangzüge auf Maß mit Somfy Motorsteuerung
Preis: 4 Meter um 500,- Euro

Bezogen werden können die verschiedenen Systeme online bei Amazon und eBay, sowie direkt beim Fachhändler und Innenausstatter.

Akustikstoff
Blickdichten schwarzen Akustikstoff gibt es fertig konfektioniert. Ebenso kann er als laufenden Meter bis 180 cm erworben werden. Er wird auch als Lautsprecher-Bespannstoff bezeichnet.
Preis: 180 x 200 cm um 45,- Euro

Aluminium-Flachstange
Auf das Wunschmaß angefertige Alumium-Flachstangen sind relativ preiswert.
Preis: 1700 x 25 x 3 mm um 8,- Euro

Test, Text und Fotos: Michael B. Rehders

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