JVC bietet ein kostenloses Firmware-Update für die 8K-Projektoren DLA-NZ800 und DLA-NZ900. Was ist neu, was bringt es in der Praxis und wann sollten Sie es besser nicht aufspielen – das klärt dieser Artikel.

Kurz und knapp
JVC liefert die neue Firmware 2.0 für die Modelle JVC DLA-NZ800 und DLA-NZ900. Das ist überaus lobenswert, zumal sie kostenlos ist. Es gibt ein paar nützliche Neuerungen für die Projektoren. Darunter sind ein neues OSD, Infomenü, „Low Latency“-Modus, „HDR Lebhaft“-Modus sowie „Highlight Color“.
Leider haben sich zwei Bugs eingeschlichen, die vom Hersteller beseitigt werden sollten: Die implementierte HDR-Pegel-Regelung für den neuen Bildmodus „HDR Lebhaft“ ist in unserem Gerät wirkungslos (funktioniert aber bei einem anderen DLA-NZ800), und die Menüanleitung funktioniert nur in englisch aber nicht in deutsch. Dem gegenüber finden wir die dynamische Lasersteuerung auf „Hoch“ jetzt überaus praxisgerecht.
Wichtig zu wissen: Der Projektor sollte nach dem Aufspielen der FW 2.0 neu kalibriert werden, weil die Firmware das Colormanagement des Projektors anfasst und interne Farbkoordinaten verschiebt. Wer selbst kalibriert führt einfach eine Neukalibrierung durch – dafür kann auch AutoCal verwendet werden.

NEUES FIRMWARE-UPDATE 2.0
JVC ist seit Jahren für seine Produktpflege bekannt, um die Heimkinoprojektoren regelmäßig technisch zu verbessern. Während andere Hersteller ständig neue Modelle herausbringen, die bei Markteinführung teilweise nur über minimale Neuerungen verfügen, setzt JVC auf eine kontinuierliche Weiterentwicklung ihrer aktuellen Projektoren – und zwar kostenlos.
Jetzt ist von JVC die neue Firmware-Version 2.0 erschienen, die ab sofort kostenlos für die Modelle DLA-NZ800 und DLA-NZ900 zum Download bereitsteht. Die Implementierung ist kinderleicht. Die Firnware-Version wird auf einem USB-Stick gespeichert, dieser wird hinten in den Projektor gesteckt, und auf Knopfdruck wird das Update vom Projektor durchgeführt. Das ganze Prozedere dauert rund 20 Minuten.
Wichtig ist zu wissen:
JEDER, DER DIE FIRMWARE 2.0 AUFSPIELT, SOLLTE SEINEN PROJEKTOR ANSCHLIESSEND NEU KALIBRIEREN!
Doch der Reihe nach:

HIGHLIGHTS DER NEUEN FIRMWARE
Das OSD ist jetzt in Schwarz. Wem das nicht gefällt, kann es im Menü auf die gewohnte Farbe umstellen.
HDR Lebhaft
Im Preset „Bild Modus“ fällt uns gleich auf, dass neben „Frame Adapt HDR 1“ und „Frame Adapt HDR 2“ nun an dritter Stelle „HDR Lebhaft“ dazugekommen ist. Es ersetzt „Frame Adapt HDR 3“ und soll Spielfilme in High Dynamic Range noch heller darstellen. Allerdings steht hierfür der „Kino Optimierer“ nicht zur Verfügung. Dieser ist weiterhin mit „Frame Adapt HDR“ 1 und 2 nutzbar. Hier können die Diagonale der Leinwand in Zoll und das Gain eingestellt werden. Mit diesen Informationen kann der Projektor das dynamische Tone-Mapping noch präziser auf die Wiedergabe optimieren.
Highlight Color für HDR
Eine weitere völlig neue Funktion ist „Highlight Color“, die Helligkeit und Farbintensivität für HDR-Inhalte weiter optimiert. Das Ziel sind lebendigere und plastsischere Bilder, die durch die Stufen „Gering“, „Mittel“ und „Hoch“ an den nutzerspezifischen Geschmack
angepasst werden können.
Darüber hinaus bietet die neue Firmware die Möglichkeit, eine realistischere 8K-Auflösung mit besserer Schärfe und weniger Bildrauschen darzustellen. Dies soll durch die neue MPC-Superauflösungsschaltung (Multiple Pixel Control) erreicht werden. Die zusätzliche „Smoother“-Funktion ist aber eine Art von Weichzeichner, der Bildrauschen abschwächt und Feinauflösung kostet. Wir empfehlen deshalb, dieses Tool besser ausgeschaltet zu lassen.
Low Latency Modus
Für Gamer schaltet der neue Auto Low Latency Modus (ALLM) den Projektor automatisch in einen Modus, der eine geringere Latenz besitzt. Vorausgesetz ein ALLM kompatibles Gerät ist angeschlossen. Außerdem gibt es ein paar ALLM-Bildmodi, die für einen kürzeren Input Lag sorgen, dabei aber einige Funktionen nicht mehr nutzen. Beispielsweise ist die Zwischenbildberechnung deaktiviert und „HDR10 LL“ arbeitet statisch.
Menüanleitung nur in Englisch
Spannend finden wir die neu gestaltete Menüanleitung. Diese erklärt jeden Modus und jede Funktion mit einfachen Beschreibungen. Das erleichtert Anfängern und JVC-Neukunden das Einstellen des Projektors. Allerdings funktioniert dieses Feature nicht mit der deutschen Sprachanzeige, sondern nur mit dem englischsprachigen OSD.
Verbesserte Kalibrierung
Die neue Kalibrierungssoftware „AutoCal“ von JVC verbessert die Kalibrierungsgenauigkeit des Projektors. Der Nutzer kann nun eine Kalibrierung vornehmen, indem Farbtemperatur und Farbraum als Zielwert ausgewählt werden. Allerdings wurde der Support für die älteren Messsensoren von X-Rite (i1 Pro2) und Datacolor (Spyder 5, Spyder X) eingestellt. Es sind jetzt nur noch die neuen Datacolor-Sensoren nutzbar.
Neue dynamische Lasersteuerung
Bislang wurde die Neugestaltung der Lasersteuerung noch nicht kommuniziert. Es gibt vier Modi: Dynamische STRG „Aus“, „Gering“, „Hoch“, „Ausgewogen“.
Bisher regelte „Gering“ so, dass bei einer Schwarzblende die Laser komplett abgeschaltet haben und bereits bei einem Pixel Bildsignal die volle Laserlichtleistung verwendet wurde. Das ist jetzt nicht mehr so, jedenfalls nicht bei allen Filmen, die wir uns angesehen haben. Der Laser schaltet bei einem Schwarzbild von der Ultra-HD Blu-ray nicht immer aus, sondern dimmt es vielfach lediglich dunkler. Wir haben den Grund für die Inkonsistenz noch nicht herausgefunden. Dafür arbeitet „Hoch“ nun voll praxistauglich. Bei Schwarzblenden schalten die Laser ab. Das sieht aus wie eine schnelle Abblende – und gefällt uns sehr gut! Sobald Inhalte dazukommen, findet eine Aufblende statt. Diese funktioniert sehr gut und absolut unauffällig. Dunkle Inhalte werden ein wenig gedimmt, so dass das Schwarz im Bild noch dunkler dargestellt wird. Selten zu dunken. In „Tron: Legacy“ (Kapitel 1) wird das Gitter so dunkel projiziert, dass es kaum noch sichtbar ist. Erst wenn die hellen „Linien“ dazu kommen, ist es vollständig zu sehen. In Summe ist das Laserdimming aber eine Bereicherung, weil kein Helligkeitspumpen zu sehen ist. „Ausgewogen“ empfehlen wir nicht, weil große Teile der Filme schlichtweg zu dunkel projiziert werden.
Messungen
Nach dem Aufspielen der FW-Version 2.0 ist eine Neukalibrierung zwingend notwendig, da die Firmware das Colormanagement des Projektors anfasst und interne Farbkoordinaten verschiebt – zumindest muss eine JVC-AutoCal erfolgen für eine präzise Farbdarstellung.
Wer seinen Projektor vom Fachmann vor Ort kalibrieren ließ, muss das mit der FW 2.0 erneut machen lassen, wenn Wert auf eine präzise Farbwiedergabe gelegt wird.
Im Neuzustand zeigte unser DLA-NZ800 einen leichten Blauüberschuss im Graustufenverlauf, der sich via Gamma Equalizer leicht korrigieren ließ.


Nach dem Aufspielen der FW 2.0 fiel uns auf, dass in einer Grautreppe ein leichter Gelbfarbstich auftrat. Die Farbtemperatur hatte sich deutlich sichtbar und messbar verändert.
Die Ursache: Grün wurde mit FW 2.0 erhöht und Rot etwas abgesenkt. Daraus folgte natürlich ein leichter Gelbfarbstich, weil die alten Kalibrierungsparameter noch wirkten. Zu ersten Mal veränderten sich nachen dem Updates eines JVC-Projektors die Farben.
Also haben wir den Projektor resettet und eingemssen.
Neu kalibriert verlaufen RGB mustergültig um die 100-%-Vorgabe herum.


Eine Neukalibrierung ist aus diesem Grund zwingend notwendig.
An der Farbraumabbildung und dem Gamma haben sich nichts geändert.
FW 2.0 in der Praxis
Da der Nutzen relativ gering ist, fließt das Ergebnis nicht in den TEST: JVC DLA-NZ800 ein.
Wer Filme mit „Frame Adapt HDR 1“ schaut, sollte die Leinwanddiagonale (in Zoll) das das echte Gain in die Tabelle der „Kino Optimierung“ eintragen. Damit ergibt sich ein exzellentes, helles HDR-Erlebnis.
„HDR Lebendig“ liefert eine veränderte EOTF. Damit werden mehr Inhalte abgedunkelt, was gelegentlich zum Zulaufen ins Schwarz führt – aber für mehr Plastizität in Filmen führt. Unser Fall ist der Verlust von Inhalten nicht, die im Quellmaterial vorhanden sind.
Besonders gut lassen sich die kalibrierten Bildmodi „Frame Adapt HDR 1“ und „HDR Lebhaft“ miteinander vergleichen, wenn HDR-Filme herangezogen werden, die mit stark unterschiedliche Nits gemastert wurden.
„West Side Story“ besitzt in der Spitze Highlights unter 400 Nits. Hier zeigen sich deutliche Unterschiede in der Arbeitsweise zwischen den verschiedenen dynamischen Tone-Mappings von „Frame Adapt HDR“ und „HDR Lebhaft“. Beiden gleich sind Schwarzwert und Maximalhelligkeit. Lediglich die Lichter dazwischen sorgen für einen anderen Helligkeits- und Farbeindruck, weil hier die unterschiedlichen EOTF-Kurven zum Einsatz kommen.
Als Maria auf der Feuerleiter vor ihrem Zimmer steht, zeigt „Frame Adapt HDR“ alls Streben der Feuerleitern. Ebenso ist das Kleid von Maria gut differenziert, und die hinterleuchteten Fenster leuchten prachtvoll.
Mit „HDR Lebhaft“ laufen deutlich sichtbar Inhalte, die im Quellmaterial der 4K Ultra-HD Blu-ray enthalten sind, im Schwarz zu. Auch erscheinen die Farben eins Spur weniger gesättigt.
Was in Nachtaufnahmen überdeutlich ist, relativiert sich in hellen Tageslichtaufnahmen. Als Maria mit ihren Freunden zu „America“ auf den Straßen in New York tanzt, sind die Unterschiede deutlicht sichtbar geringer.
Da es für HDR keine Norm für Heimkino-Projektoren gibt, zeigt sich hier wieder einmal, dass das Tone-Mapping für den Bildeindruck maßgeblich ist – und darüber hinaus bleibt die Darstellung reine Geschmacksache.
Um die Unterschiede in den Bildern darstellen zu können, habe ich bei den direkten Vergleichsaufnahmen Blende, Belichtungszeit und ISO identisch eingestellt.
Wer die Bilder in einem neuen Tab öffnet, kann die Unterschiede der HDR-Presets noch deutlicher erkennen.








Leider lässt sich das Bild mit „HDR Lebhaft“ nicht heller einstellen (siehe Screenshots unten), weil die dafür vorgesehenen drei „HDR-Pegel“-Regler Hoch, Mittel, Gering ohne Wirkung sind. Mit „Frame Adapt HDR“ hingegen funktionieren alle „HDR-Pegel“ wie vorgesehen.



Nachtrag vom 01.11.2025 – Gestern haben wir einen JVC DLA-NZ800 nahe Braunschweig, Deutschland kalibriert. Bei diesem Gerät funktionierten die „HDR-Pegel“-Regler Hoch, Mittel, Gering fehlerfrei und wie vorgesehen. Warum diese in unserem Gerät wirkungslos sind (siehe Screenshots oben), können wir uns leider (noch) nicht erklären.
Wenn Filme wie „Sully“ zugespielt werden, die mit Bildsignalen von bis zu 10.000 Nits gemaster sind, ändert sich der Eindruck ein wenig. Die Unterschiede fallen sehr viel geringer aus. Helle und dunkle Inhalte nähern sich an, als Sully über den Times Square joggt. Auf den Displays sind mit korrekter Einstellung alle Abbildungen vorhanden, die sich auch auf dem Quellmaterial der 4K Ultra-HD Blu-ray befinden.


Highlight Color
Das neue Feature soll Farben und Inhalte in den Highlights deutlicher herausarbeiten. In den Filmen „Dune“, „F1“, „Elvis“, „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ waren aber keine Unterschiede auszumachen.
Erst in „Sully“ konnten wir die Wirkungsweise reproduzieren. Als Sully am Time Square joggt, werden auf den Displays an den Gebäuden Signale bis zu 10.000 Nits dargestellt. Auf „Gering“ (siehe 1. Foto unten) unterschlägt das dynamische Tone-Mapping ein paar Inhalte, die auf dem Quellmaterial vorhanden sind. Es findet demzufolge ein Clipping statt. Auf „Mittel“ kommen erste Inhalte zum Vorschein, und auf „Hoch“ (siehe 2. Foto unten) sind sie allesamt vorhanden. Das betrifft schwarze Schriften ebenso wie farbige Elemente oder Flächen.
Das Feature tut also genau das, was es soll – nämlich die absoluten Highlights oberhalb von 4000 Nits besser herausarbeiten.


Wann sollte das FW-Update durchgeführt werden und wann nicht?
Die FW 2.0 sollte nicht aufgespielt werden, wenn…
1. man keine Erfahrung vom Kalibrieren hat und eine Kalibrierung vorab gegen Entgelt durchführen ließ
2. der kalibrierte Bildmodus „Frame Adapt HDR 1“ verwendet wird, weil die HDR-Performance durch das Update nicht wirklich besser wird
Die FW 2.0 sollte aufgespielt werden, wenn
1. ohnehin eine Kalibrierung ansteht, weil das Gerät beispielsweise neu ist
2. man Messinstrumente und Ahnung von der Materie Kalibrierung hat
3. man Messinstrumente hat und sich die Kalibrierung zutraut (hier ein Kalibrierleitfaden für Anfänger)
4. man aktuelle Messinstrumente hat und sich den Umgang mit AutoCal zutraut
Fazit
JVC liefert die neue Firmware 2.0 für die Modelle JVC DLA-NZ800 und DLA-NZ900. Das ist überaus lobenswert, zumal sie kostenlos ist. Leider haben sich zwei Bugs eingeschlichen, die vom Hersteller beseitigt werden sollten: Die implementierte HDR-Pegel-Regelung für den neuen Bildmodus „HDR Lebhaft“ ist in unserem DLA-NZ800 wirkungslos, funktioniert aber fehlerfrei bei einem anderen DLA-NZ800, den wir kalibriert haben. Die Menüanleitung ist lediglich im englischen OSD implementiert – mit deutscher Sprachauswahl fehlt dieses Tool (bei beiden Geräten). Dem gegenüber finden wir die dynamische Lasersteuerung auf „Hoch“ jetzt überaus praxisgerecht.
Wichtig zu wissen: Der Projektor sollte nach dem Aufspielen der FW 2.0 neu kalibriert werden, weil die Firmware das Colormanagement des Projektors anfasst und interne Farbkoordinaten verschiebt. Wer weiß wie es geht, führt einfach eine Neukalibrierung durch. Dafür kann auch die neue AutoCal verwendet werden.
Firmware-Version: ab sofort erhältlich
Preis: kostenlos zum Download
Urhebervermerk: Foto: Michael B. Rehders (JVC DLA-NZ800)
Titelfoto: Michael B. Rehders (JVC DLA-NZ800)
Screenshots im Rahmen des Zitatrechts: West Side Story (Walt Disney / LEONINE), Sully (Warner Bros /Universal Pictures)
