Sony hat sich als eines der beliebtesten Projektor-Phänomene im Heimkinobereich über Jahrzehnte etabliert. Mit dem VPL-XW8100ES präsentieren die Japaner ihr neues 4K-Top-Modell, deren Neuerungen wir genauer unter die Lupe nehmen.

Inhaltsangabe:
- Kurz und knapp
- Styling und Design
- Ausstattung und Technik
- Installation und Bedienung
- Messungen und Diagramme
- Einstellungstipps
- Bildeindrücke
- Pro & Contra
- Technische Daten und Messergebnisse
Kurz und knapp
Der VPL-XW8100ES wird von Sony auch als BRAVIA Projektor 9 bezeichnet. Er ist das neue Top-Modell des japanischen Herstellers, für das amtliche 25.999 Euro aufgerufen werden. Dafür bringt der Bolide 14,0 Kilogramm auf die Waage und besitzt eine Stellfläche von 46 x 51,7 Zentimeter.
Aufstellung und Installation sind angenehm einfach, weil der Projektor eine motorische Optik mit 2,1-fachen Zoom besitzt. Das Projektionsverhältnis ist groß genug, um eine 2,50 Meter breite 16:9-Leinwand aus einer Entfernung von 3,38 bis 7,10 Meter komplett auszuleuchten. Der BRAVIA Projektor 9 projiziert ein gestochen scharfes und fein aufgelöstes Bild, dank echter UHD-Auflösung und der aktuell wohl besten Zwischenbildberechnung, die man derzeit in einem Beamer findet.
Neu ist das dynamische Tone-Mapping, das hervorragend funktioniert und HDR-Filme zu ungeahntem Glanz verhilft. Die hohe Lichtausbeute von über 3050 Lumen reicht aus, um Bildbreiten bis 5,00 Meter strahlend hell auszuleuchten. Auf 3D und Smartfunktionen muss beim Sony hingegen verzichtet werden.
Wer einen strahlend hellen Laserprojektor sucht, der über echte UHD-Auflösung verfügt und HDR-Inhalte in bestmöglicher Qualität erleben möchte, kann beim Sony VPL-XW8100ES bedenkenlos zugreifen.

Styling und Design
Der Sony VPL-XW8100ES besitzt den neu konstruierten XR-Prozessor für Projektoren – und wird ebenfalls als BRAVIA Projektor 9 bezeichnet, aufgrund seiner Nähe zu den gleichnamigen TV-Geräten. Als Preis ruft Sony 26.999 Euro für das Topmodell auf. Damit ist es 10.000 Euro teurer als der VPL-XW6100ES (BRAVIA Projektor 8), den wir bereits getestet haben. Äußerlich sehen die Gehäuse identisch aus, die Maße sind mit 46 x 21 x 51,7 Zentimeter ebenfalls gleich und beide bringen ein Gewicht von 14 Kilogramm auf die Waage.
Die Leistungsaufnahme beziffert Sony mit 420 Watt. Wir messen mit 375 Watt bei maximaler Lichtausbeute deutlich weniger. Die Geräte sind in zwei Farben erhältlich: in Weiß für hell designte Wohnzimmer und in Schwarz für dedizierte Heimkinos, um dort unnötiges Streulicht durch das Chassis zu vermeiden.
Zum Lieferumfang gehören: Fernbedienung (RM-PJ24), zwei Batterien Größe AA (R6/LR6), Objektivklappe, Netzkabel und ein Konfigurationshandbuch.
Die kostenlose 5-jährige Prime-Garantie wurde gestrichen. Dafür bieten Händler nun eine „Prime Support Elite“-Garantieverlängerung auf 5 Jahre oder 12.000 Stunden an (was zuerst eintritt), die aber mit happigen 2.000 Euro zusätzlich erworben werden muss.

Alle Bildsignalanschlüsse sind in die rechte Seite des Projektors eingelassen. Die beiden HDMI-2.1-Schnittstellen (48 Gbps, HDCP 2.3) nehmen Signale bis zu 4K/120 Hz entgegen. Der 12-Volt-Trigger dient der Leinwandsteuerung, mittels Remote und LAN können externe Steuerungssysteme eingebunden werden, der USB-Port ist für Updates vorgesehen.

Ausstattung und Technik
Der VPL-XW8100ES ist ein 4K-Projektor mit drei 0,61 Zoll großen SXRD-Chips, die jeweils eine Auflösung von 3840 x 2160 Pixel besitzen.
Das Herzstück ist die Laser-Hybrid-Technologie, die aus blauen Laserdioden und einem Phosphorrad besteht, welches Weiß emittiert. Die Lebensdauer beziffert Sony mit 20.000 Stunden, bis sich die Helligkeit halbiert haben soll. Die Laser lassen sich in 100 Stufen regulieren, die Lüfter passen sich der ausgegebenen Lichtleistung an. In der höchsten Stufe ermitteln wir ein Betriebsgeräusch von 34 Dezibel. Damit ist der BRAVIA Projektor 9 satte sechs Dezibel lauter als das preiswertere Geschwistermodell VPL-XW6100ES. Die XR-Deep-Black-Technologie regelt die Laserdioden Bild für Bild, so dass die Leistungsaufnahme in dunklen Szenen reduziert und der Kontrast dynamisch verbessert wird.
Das 2,1-fache Zoomobjektiv ist motorisch steuerbar, sodass Fokus, Größe, Lage und Lens-Shift mit der hintergrundbeleuchteten Fernbedienung anwenderfreundlich einstellbar sind. Bis zu fünf Bildformate lassen sich via Lens-Memory speichern und auf Knopfdruck abrufen, wie beispielshalber: 16:9, 1,85:1, 2,00:1, 2,39:1 und 2,55:1.
Während die statischen High-Dynamic-Range-Technologien HDR10 und HLG (Hybrid Log Gamma) unterstützt werden, gibt es für die dynamischen Derivate Dolby Vision und HDR10+ keinen Support. Allerdings ist das nicht weiter schlimm, weil der BRAVIA Projektor 9 ein vollständiges dynamisches Tone-Mapping besitzt, das alle HDR-Signale selbständig optimiert. Manuelle Anpassungen sind damit nicht mehr nötig.
Für die Kalibrierung stehen alle relevanten Presets zur Verfügung: RGB-Gain/Offset-Regler zum Trimmen von Weißpunkt und Graustufenverlauf, Gamma-Menü und für das Gamut ein sechs Achsen umfassendes Color-Management-System.
Die Frame Interpolation heißt bei Sony Motionflow. Diese wurde so gut modifiziert dass sie im Modus „Schwach glätten“ keinen Soapopera-Effekt mehr erzeugt. Wir halten sie daher für die beste Zwischenbildberechnung, die aktuell in den Projektoren verbaut ist.
Gamer profitieren von HDMI 2.1 mit 4K@120 Hz und einem Input Lag von gerade einmal 12 Millisekunden, was diesen Projektor vollkommen spieletauglich macht.
Die große Fernbedienung von Sony besitzt eine blau illuminierte Tastatur und Direktwahltasten für die HDMI-Eingänge, diverse Bildmodi und die motorische Objektivsteuerung. Mit dem „Position“-Button ist es möglich, die Lens-Memory-Speicher direkt aufzurufen.

Darüber hinaus sind im prallvollen Ausstattungspaket enthalten: XR Triluminos Pro für bessere Farben, XR Clear Image, Anamorphot-Kompatibilität, Blanking und eine Steuerungsmöglichkeit mit Control4, Crestron, Savant, AMS im Rahmen der Heimautomatisierung sowie Fernwartungsdienste wie OvrC und Domotz. Auf Streamingdienste und die Wiedergabemöglichkeit von 3D-Inhalten muss hingegen verzichtet werden. Letzteres ist bedauerlich, weil noch das Vorgängermodell VPL-XW7000 mit einem kostenpflichtigen Emitter 3D-fähig gemacht werden konnte.
Installation und Bedienung
Die Installation geht ganz leicht von der Hand, weil alle Einstellungen bequem mit der Fernbedienung durchführbar sind. Sämtliche Anschlusskabel sitzen fest in den Buchsen. Dank der tiefer ins Gehäuse eingelassenen Anschlussports, sind die Kabel bei einer Überkopfprojektion unter der Zimmerdecke nicht zu sehen.
Das Zoomobjektiv bietet eine große Flexibilität im Rahmen der Aufstellung. So kann eine 2,50 Meter breite Leinwand aus einer Distanz von 3,38 bis 7,10 Meter komplett ausgeleuchtet werden; das Lens-Shift besitzt überdies einen großen Verschiebereich (Vertikal: ± 85 Prozent / Horizontal: ± 36 Prozent).
Unser Demogerät besitzt ab Werk eine verbesserungswürdige Konvergenz, die wir via Panelabgleich schnell korrigiert haben. Farbige Säume sind danach nicht mehr auszumachen.



Der BRAVIA Projektor 9 ist kompakter und leichter als die Modelle der Mitbewerber in diesem Preissegment. Dadurch kann er leichter an eine Deckenhalterung montiert werden und erscheint im Wohnzimmer nicht so wuchtig. Erreicht hat Sony das unter anderem mit der Verwendung eines 2,1-fachen Zoomobjektivs, das nicht vollständig aus schweren Vollglaslinsen besteht, sondern auch hochwertige leichte Kunststofflinsen enthält. Das mechanische Advanced-Crisp-Focus-Objektiv (ACF) ermöglicht es, die hohe UHD-Auflösung vollständig auf die Leinwand zu transportieren. Das Ergebnis ist eine sehr gute Schärfe auf dem gesamten Leinwandbereich und eine präzise Farbwiedergabe. Einzig beim Reinigen ist höchste Sorgsamkeit angesagt, damit die Frontlinse nicht zerkratzt.
Das OSD (On Screen Display) ist zwar übersichtlich strukturiert, aber tief verschachtelt. Darüber hinaus interagieren viele Regelungen. Wer sich zum ersten Mal mit dem BRAVIA Projektor 9 befasst, sollte mehrere Tage an Zeit einplanen, um die bestmögliche Performance auszuloten.









HDR-Einstellung:
Wie schon beim BRAVIA Projektor 8 bietet auch der BRAVIA Projektor 9 ein dynamisches Tone-Mapping mit zahlreichen Konfigurationsmöglichkeiten, die an verschiedenen Stellen im On-Screen-Menü vorgenommen werden können. Für die bestmögliche HDR-Performance sollte zunächst der Bildmodus „IMAX Enhanced“ ausgewählt werden, weil andere Bildmodi nur ein statisches Tone-Mapping bieten.
Eingeschaltet wird das dynamische Tone-Mapping im OSD unter „Bild“ in „Kino Schwarz plus“ und heißt „HDR Tone-Mapping“. Hierin sollte die „Laserlichtleistung“ Maximal, „Dyn. HDR-Verstärk.“ Hoch und das „HDR Tone-Mapping“ Modus 3 betragen. Zusätzlich hat sich unter „Experten-Einstellung“ bewährt, „HDR“ auf „Auto“ mit „HDR/HLG“ vor einzustellen, um die bestmögliche Durchzeichnung in hellen und dunklen Filmszenen zu erhalten. Wer den Projektor im Wohnzimmer betreibt, kann Streulicht überdies mit dem „Gamma“ noch etwas entgegensteuern, ohne Lichtausbeute zu opfern.



Wie schon beim VPL-XW6100ES finden wir auch beim BRAVIA Projektor 9 die Tasten für „3D“ und „Advanced Iris“ auf dem Controller überflüssig, weil diese ohne Funktionen sind, da der Projektor dies Dinge nicht implementiert hat. Dafür ist ein „Position“-Button vorhanden, welcher direkt ins Lens-Memory-Menü führt, um den Bildformatwechsel auf Knopfdruck vorzunehmen. Einmal konfiguriert reicht es aus, unter „Bildposition“ den gewünschten Speicher anzuklicken, um das entsprechende Bildformat auf der Leinwand zu erhalten. Die Umstellung von 16:9 auf 2,39:1 geschieht in Windeseile. Fokus, Bildlage und die Größe passen zum größten Teil bei wiederholter Anpassung. Sogar der Fokus sitzt nach dem Neustart des Projektors.


Lediglich 20 Sekunden benötigt der BRAVIA Projektor 9, bis er nach dem Einschalten das zugespielte Bildsignal auf der Leinwand zeigt. Ebenso schnell geht es, bis der Beamer heruntergefahren ist und sich im Standby-Modus befindet.
Messungen und Diagramme
Das übersichtlich gestaltete Menü des VPL-XW8100ES besitzt teilweise voneinander abweichende Grundeinstellungen. Während wir zum Beispiel im Bildmodus „Referenz“ ein vortreffliches Gamma 2,2 vorfinden, ist das unter „Kino Film 1“ nicht der Fall. Aus diesem Grund verwenden wir „Referenz“ für die SDR-Kalibrierung. Hier sind nur wenige Korrekturen notwendig, um Farbtemperatur, Graustufenverlauf und Farbraum zur Perfektion zu trimmen. Doch auch hier zeigt sich: Während das Gamma auf „Aus“ mit 2,2 ein hervorragendes Ergebnis liefert, erfordert das Gamma-Preset „2,4“ leichte Anpassungen.
Helligkeit:
Im Rahmen der Kalibrierung erzielen wir eine herausragende Lichtausbeute von 2920 Lumen (SDR) und 3050 Lumen (HDR). Damit ist der VPL-XW8100ES rund 500 Lumen heller als der VPL-XW6100ES. Der kalibrierte Lichtstrom reicht aus, um Bildbreiten mit HDTV-Signalen bis 5,00 Meter mit 20 Footlambert zu befeuern. Für HDR-Inhalte legen wir 32 Footlambert zugrunde. Diese erzielt der VPL-XW8100ES auf 4,00 Meter Leinwandbreite.
Die Maximalhelligkeit beziffert Sony mit 3400 Lumen. Diese Angabe können wir unter „Kino Hell“ mit der Farbtemperatur „Benutzerdef. 5“ reproduzieren. Unser Proband liegt sogar 100 Lumen über der Werksangabe, allerdings mit einer viel zu kühlen Farbtemperatur.
Kontrast und Schwarzwert:
Der native Kontrastumfang beträgt nach der Kalibrierung 11.500:1 (On/Off), 6950:1 (Inbild) und 420:1 (ANSI). Dynamisch lässt sich der Kontrastumfang auf Unendlich steigern, weil die Lichtquelle bei einer Schwarzblende die Laser einfach ausschaltet. Mit einem 1-Pixel-Testbild erzielt der dynamische Kontrast satte 33.800:1. Demzufolge beträgt der Schwarzwert 0,27 Lumen (statisch) und lässt sich (dynamisch) auf 0,09 Lumen verbessern.
Color Uniformity:
Mit 94 Prozent verzeichnen wir eine sehr gute Ausleuchtung (Color Uniformity) von der Mitte zu den Rändern. Weder Farbverschiebungen noch ein Helligkeitsabfall sind zu verzeichnen. Diese liegen unterhalt der Wahrnehmungsschwelle von 10 Prozent.
Farbdarstellung:
Der HDTV-Farbraum Rec.709 wird 100 Prozent abgedeckt, so dass sich sehr natürliche Farben ergeben. Die vom Hersteller bezifferten über 95 Prozent DCI-P3-Abdeckung erfüllt unser Proband mit 97 Prozent vorbildlich. Lediglich Grün und Rot verfehlen ihre Zielvorgabe um rund 1,5 Prozent.




Gamma und Graustufenverlauf sind ebenfalls auf Referenzniveau und ermöglichen eine exzellente Farbneutralität und Durchzeichnung von hellen und dunklen Inhalten. Die Farbtemperatur fällt in der Werkseinstellung mit 6518 Kelvin bereits sehr gut aus und macht nach der Kalibrierung mit 6500 Kelvin eine Punktlandung.




Die DeltaE-Werte sehen bereits ab Werk exzellent aus. Der Graustufenverlauf erreicht in der Werkseinstellung einen herausragenden Durchschnitts-Wert von 0,8 DeltaE und 1,4 DeltaE im Maximum. Diese Farbabweichungen sind so niedrig, dass sie im Film nicht mehr relevant sind.
Nach der Kalibrierung erreichen die DeltaE-Ergebnisse Referenzstatus mit durchschnittlich 0,6 und 1,2 im Maximum.


Die Primär- und Sekundärfarben weisen ab Werk 0,5 DeltaE im Durchschnitt und 1,0 im Maximum aus. Das ist bereits auf Referenzniveau, das viele Projektoren nicht einmal kalibriert erreichen.
Im Rahmen der Kalibrierung im Bildmodus „Referenz“ verbessern sich die Ergebnisse auf durchschnittlich 0,5 und 0,6 DeltaE in der Spitze, so dass wir auch hier Referenz vermelden.


Nachfolgend habe ich die Lichtausbeute in allen Bildmodi aufgeführt:
| Bildmodus | Lichtausbeute | Anmerkungen |
| Referenz (SDR) | 2920 Lumen | D65-kalibriert |
| IMAX-Enhanced (HDR) | 3050 Lumen | D65-kalibriert |
| Kino Hell | 3500 Lumen | Benutzerdef. 5 |
| Kino Film 1 | 2900 Lumen | |
| Kino Film 2 | 2580 Lumen | |
| TV | 2680 Lumen | |
| Foto | 2390 Lumen | |
| Benutzer | 2580 Lumen | |
| IMAX-Enhanced | 2940 Lumen |
Einstellungstipps vom Color-Management-Experten:
Die Einstellungsempfehlungen fußen auf umfangreichen Messergebnissen, die ich im Rahmen des Testprozederes ermittelt habe. Sie bieten eine gute Grundlage für die Kalibrierung. Wer kein Messequipment besitzt, erhält damit eine normnahe Wiedergabe
SDR
| Bildmodus | Referenz |
| Realismus | Ein |
| Kontrast | Max |
| Helligkeit | 50 |
| Farbe | 52 |
| Farbton | 50 |
| Schärfe | 55 |
| Farbtemperatur | D65 |
| Gamma | 2,4 |
| Farbraum | BT.709 |
| Motionflow | Schwach glätten |
| Dynamikkontrolle | Aus |
HDR
| Bildmodus | IMAX Enhanced |
| Realismus | Ein |
| Kontrast (HDR) | 89 |
| Helligkeit | 50 |
| Farbe | 55 |
| Schärfe | 55 |
| Farbton | 50 |
| Farbtemperatur | D65 |
| Laserlicht | Max |
| Dyn. HDR-Verstärkung | Hoch |
| HDR Tone-Mapping | Modus 3 |
| Gamma | Aus |
| Motionflow | Schwach glätten |
Bildeindrücke
Es gibt aktuell zwei Lichttechnologien, die in Heimkinoprojektoren verwendet werden: Laser und LED. Während LEDs völlig unkritisch sind in der Farbdarstellung, sorgen RGB-Laserlichtdioden für störendes Laserspeckle, das aussieht wie farbiges Rauschen. Gut sichtbar ist der Effekt in Gesichtern und einfarbigen Flächen wie blauer Himmel. Nicht so beim Sony VPL-XW8100ES. Dieser nutzt zwar blaue Laserdioden, aber kombiniert diese mit einem Phosphor-Element. Diese Kombination emittiert Weiß, das anschließend in Rot, Grün und Blau separiert wird und zu den drei SXRD-Chips gelenkt wird. Diese Laser-Phosphor-Technologie erzeugt kein Laserspeckle.
Die Wiedergabe von 24 Hz-Signalen gelingt dem VPL-XW8100ES fehlerfrei. Abgesehen vom technisch bedingten leichten „Zittern“ bei horizontalen Schwenks ist die Projektion originalgetreu. 50 und 60 Hz-Inhalte werde präzise reproduziert, so dass Fußballübertragungen exzellent aussehen. Wer die Bewegungsschärfe noch weiter steigern möchte, aktiviert Motionflow auf „Schwach glätten“. Bis zu den Rändern liefert der Sony jetzt ein messerscharfes Bild ohne Soapopera-Effekt. Eine bessere Zwischenbildberechnung gibt es aktuell nicht!
Die Ausleuchtung ist gleichmäßig, ohne dass es zu Abschattungen kommt. Darüber hinaus sind selbst Schwarz-Weiß-Aufnahmen vollkommen farbneutral. Die leichten Abweichungen, die wir in unseren Kontrollmessungen auf neun Feldern ermittelt haben, liegen mit maximal 10 Prozent unter der Wahrnehmungsschwelle. Die Skalierung von Signalen in 720p und 1080p auf die native UHD-Auflösung der Panels gelingt fehlerfrei.
SDR:
In der Panoramaaufnahme von Hamburg gibt es keine sichtbaren Unterschiede zwischen Original-Foto und dem projizierten Bildwerk auf der Leinwand. Wer öfter mal Fotos und Reiseberichte zeigt, wird seine Bildwerke in neuem Glanz erblicken. Die rote Farbe des Doppeldeckers und der gelbe Schriftzug STADTRUNDFAHRT werden präzise vom BRAVIA Projektor 9 reproduziert. Die vertikalen Streben an der Brücke im Vordergrund sind erkennbar, einzelne Personen im Bus und sogar die Falten des Schiebedachs können wir erkennen. Das Hamburg Wappen haben wir auf der Leinwand nur selten zu deutlich abgebildet gesehen. Hier kommt der Unterschied zwischen der nativen UHD Auflösung des VPL-XW8100ES gegenüber Projektoren zum tragen, die lediglich XPR-Shift mit nativer Full-HD-Auflösung nutzen. Wer hier höchste Ansprüche an die Wiedergabequalität hat, kommt mit dem Sony voll auf seine Kosten.



High Dynamic Range:
High Dynamic Range erfordert anfangs ein wenig Aufmerksamkeit, denn nicht alle Bildmodi im BRAVIA Projektor 9 unterstützen das dynamische Tone-Mapping. Dazu gehören die Presets: „Referenz“ und „Benutzer“, die nur eine statische Wiedergabe erlauben.
In „IMAX Enhanced“ und „Kino Film 1“ ist hingegen ein Reiter vorhanden, mit dem sich das dynamische Tone-Mapping aktivieren lässt. Wird überdies der HDR-Kontrast auf 89 gesenkt, sind alle Signale bis 10.000 Nits auf der Leinwand erkennbar, ohne dass es zu Lichteinbußen kommt. Schwierige Filme wie „Sully“ werden vollständig projiziert, so dass auf den Displays am Times Square alle Inhalte abgebildet werden, während der Flugzeugkapitän dort in der Nacht joggt. Wer hingegen den Bildmodus „Referenz“ für HDR verwendet, sieht diese Inhalte nur, wenn der Kontrast auf 34 reduziert wird. Das geht mit einem massiven Lichtverlust einher. Auf Kontrast 89 wird zwar die maximale Lichtausbeute erreicht, aber die Displays überstrahlen vollständig.


Von daher empfehlen wir „IMAX Enhanced“ mit dynamischen Tone-Mapping, um alle Inhalte mit höchster Lichtausbeute zu erhalten.
Einmal eingestellt, greift der BRAVIA Projektor 9 selbständig auf den letzten Bildmodus zu, so dass wir uns nach der Konfiguration um nichts weiter kümmern müssen und HDR mit dynamischen Tone-Mapping in bester Qualität erleben.
Als Maria in „West Side Story“ auf der Feuerleiter steht, sind alle Schattenbereiche hervorragend durchgezeichnet. Einzelne Streben der Geländer sind bestens auszumachen. Knackiges Schwarz und strahlend helle Spitzlichter gefallen. Als Maria in ihr Zimmer zurückkehrt, strahlen die Lampen prachtvoll und sorgen für warme und natürliche Farben. Die Tageslichtaufnahmen begeistern gleichermaßen, weil die bunten Kleider der Tänzerinnen im Sonnenlicht wunderbar leuchten. Hier spielt der DCI-P3-Farbraum sein Spektrum voll aus.
Die Tanzdarbietung „America“ besitzt mit dem VPL-XW8100ES eine exzellente Bewegungsschärfe, so dass das gelbe Kleid von Maria alle Applikationen offenbart, einen tollen Faltenwurf zeigt und dabei nicht verschmiert, wenn Motionflow auf „Schwach glätten“ eingestellt ist. So muss HDR aussehen!
In „Elvis“ spielt Motionflow seine ganze Stärke aus. Bei Schwenks und schnellen Bewegungen bleibt das Bild stabil. Die Schärfe ist herausragend, ohne dass es zu sichtbaren Artefakten in unserem Testmaterial kommt.




Fazit
Der Sony VPL-XW8100ES heißt auch BRAVIA Projektor 9. Hierbei handelt es sich um einen 4K-Projektor mit echter UHD-Auflösung, deren Bildsignale ganz ohne Shift-Tricks projiziert werden. Dank exzellenter Farbdarstellung, hoher Lichtausbeute, herausragendem Kontrast, aktuell bester Zwischenbildberechnung und der dynamischen HDR-Darbietung setzt der Sony VPL-XW8100ES neue Maßstäbe unter den Heimkino-Projektoren bis 26.000 Euro.
Pro & Contra
+ Langlebige Laserlicht-Hybrid-Technologie
+ Dynamisches Tone-Mapping für HDR
+ Echte 4K/UHD-Auflösung
+ herausragende Farbdarstellung ab Werk
+ Aktuell die beste Zwischenbildberechnung
+ Schärfe und Kontrast
+ vollmotorisches Objektiv für Fokus, Zoom, Lens-Shift
+ Lens-Memory
– kein Dolby Vision, HDR10+
– kein 3D
Technische Daten und Messergebnisse
Modell: Sony VPL-XW8100ES / BRAVIA Projektor 9
Technik: 3-Chip SXRD
Helligkeit: 2920 Lumen (SDR), 3050 Lumen (HDR)
Kontrast On/Off: 10.500:1 (SDR, statisch), 11.500:1 (HDR, statisch), 33.800:1 bis Unendlich (dynamisch)
Kontrast ANSI: 420:1
Kontrast Inbild: 6950:1
Schwarzwert: 0,27 Lumen (statisch), 0,09 Lumen bis Lichtaus (dynamisch)
Bildauflösung: 3840 x 2160 Pixel (nativ)
Lichtquelle: Laser-Phosphor
Leistungsaufnahme: 375 Watt
Betriebsgeräusch: 34 dB
Lens-Shift: ja
3D-Wiedergabe: nein
3D-Transmitter: nein
3D-Brille: nein
Zwischenbildinterpolation 2D / 3D: ja / nein
Ausführungen: Schwarz und Weiß
Abmessungen (B x H x T): 460 mm x 210 mm x 217 mm
Gewicht: 14,0 Kg
Preis: 25.999 Euro (UVP)
Garantie: 2 Jahre
Test, Text und Fotos: Michael B. Rehders
Titelfoto: Michael B. Rehders
Screenshots im Rahmen des Zitatrechts: Hamburg Panorama (Michael B. Rehders), Elvis (Warner Bros /Universal Pictures), West Side Story (Walt Disney / LEONINE), Inferno (Sony Pictures Entertainment / PLAION PICTURES), Sully (Warner Bros /Universal Pictures)
