TEST: STEWART LUXUS G2 – Die Motorleinwand für Premiumbilder im Wohnzimmer

Stewart Filmscreen präsentiert seine Motorleinwand Luxus G2, die mit neu konstruiertem Gehäuse für die Wand- und Deckeninstallation optimiert wurde. Zusammen mit dem Tuch FireHawk G5 können auch tagsüber im Wohnzimmer Spielfilme in Premiumqualität erlebt werden. Was die Leinwand für 6.200 Euro so besonders macht, verrate ich in diesem Test.

Foto: Michael B. Rehders – Selbst leichtes Tageslichteinfall kann der Bildqualität auf der Stewart Luxus G2 nichts anhaben.

Für diesen Test fahre ich rund 600 Kilometer, um die Leinwand direkt beim deutschen Vertrieb zu testen. Bewaffnet mit Fotoapparat, Stativen und jeder Menge Messequipment treffe ich nach sechs Stunden Autofahrt auf Ralf Lulay, der mich mit richtig guter Laune empfängt.
Nach einem herzlichen Hallo und einer kleinen Stärkung geht es auch schon an die Arbeit. Fotoaufnahmen, Messungen, Screenshots und eigene Bildeindrücke stehen an.

Foto: Michael B. Rehders – Ralf Lulay (Geschäftsführer, Screen Professional) demonstriert die verschiedenen Eigenschaften, welche die Leinwand Luxus G2 und das Tuch FireHawk G5 besitzen.

Styling und Design

Seit über 70 Jahren stellt Stewart Filmscreen professionelle Leinwände her, die von Kalifornien aus weltweit versendet werden. Für Zuhause werden Bildwände aus exakt demselben Material, im selben Werk und von denselben Leuten hergestellt.

Die Luxus G2 teste ich in der Ausführung mit 2,50 Meter Breite für 6.200 Euro. Auf Wunsch werden auch andere Maße gefertigt. Für die 3,00 Meter Version wird beispielsweise 6.800 Euro aufgerufen. Die Bezeichnung am Ende des Produktartikels beschreibt beim US-Hersteller immer die Generation: G2 ist demnach die Generation 2.

Das überarbeitete Design der Luxus G2 finde ich gelungen: Das schwarze Gehäuse besitzt eine abgerundete Form, die Abschlusskappen können frei gewählt werden. Zur Auswahl stehen die Farben Schwarz, Weiß und Alu gebürstet. Das Gehäuse lässt sich mit jedem Stewart-Leinwandtuch bestücken. Auf diese Weise können maßgeschneiderte Leinwände erworben werden, die für den dedizierten Heimkinoraum oder das freundlich eingerichtete Wohnzimmer optimal geeignet sind. Sogar schalldurchlässige Varianten stehen zur Auswahl, um die Lautsprecher direkt hinter der Screen zu platzieren.

Foto: Michael B. Rehders – Das Testsample besitzt abnehmbare Abschlusskappen aus gebürsteten Aluminium. Diese sehen nicht nur gut aus, sondern haben einen praktischen Zweck. Stewart hat damit eine mögliche Wartung ins neue Design einbezogen. Sollte nach mehreren Jahren tatsächlich ein Defekt auftreten, ist der Austausch von Motor und Leinwand kein Problem. Dafür braucht lediglich die linke Abschlusskappe abgenommen werden. Anschließend können Motor und Leinwandrolle herausgezogen und durch intakte Komponenten ersetzt werden.

Ausstattung und Technik

Das Testmodell besteht aus zwei Teilen: Dem Gehäuse Luxus G2 und dem Tuch FireHawk G5, einem Vinyl-Tuch mit grauer Grundtönung der fünften Generation, in das zusätzlich mikroskopisch kleine lichtverstärkende und diffusierende Partikel eingelassen sind. Diese ermöglichen in Kombination, dass das Licht des Projektors zum Zuschauer reflektiert, während seitlich auftretendes Streulicht vom Publikum weggelenkt wird. Auf diese Weise wird das projizierte Bild kaum aufgehellt, selbst dann nicht, wenn von der Seite noch Tageslicht in den Raum fällt. Das Seilspannsystem (Tension) sorgt für eine exzellente Planlage.
Halterungen für die unsichtbare Montage der Luxus G2 an Wand oder Zimmerdecke gehören zum Lieferumfang dazu.
Die Steuerung der Bildwand erfolgt wahlweise mit 12 Volt Trigger, IP und Funk oder via Infrarot-Fernbedienung, die zum Lieferumfang dazu gehört. Ersteres finden wir sehr praktisch, weil die Leinwand automatisch herunterfährt, sobald der Projektor gestartet wird.

Foto: Michael B. Rehders – Die unbeleuchtete Fernbedienung ist übersichtlich und puristisch gehalten, sie lässt sich aber sehr einfach bedienen.

Tension-System in der Praxis

Das seitliche Spannseilsystem wird als Tension bezeichnet. Es sorgt für eine ausgezeichnete Planlage des Projektionstuches. Um über Jahre ein optimales Ergebnis zu erhalten, muss die Leinwand jedes Mal vollständig ausgefahren werden. Da Stewart die Leinwand auf Maß produziert, sind Vorlauf und Nachlauf so ausgelegt, dass die Tension ihre optimale Spannfähigkeit entfaltet.

Foto: Michael B. Rehders – Stewart Luxus G2 mit FireHawk G5 und Tension-System.

Montage und Installation

Stewart liefert die Motorleinwand in einer amtlichen Holzkiste. Aufgrund des soliden Gewichts von 25 Kilogramm sollte die Montage zu zweit erfolgen. Dafür wird die Luxus G2 aus der Holzkiste entnommen und das Verpackungsmaterial entfernt. Anschließend werden die vertrauenserweckenden Wand/Deckenhalter im Wohnzimmer montiert. Die Leinwand wird an diese flachen Winkel eingehakt, der Infrarot-Kollektor ins Gehäuse eingesteckt und die Leinwand mit Strom versorgt. Als Kabelführung ist im Gehäuse eine Nut eingelassen, so dass auch das Stromkabel unsichtbar verlegt werden kann. Überaus wichtig für eine langjährige Nutzung ist, dass die Stewart exakt in Waage ausgerichtet wird. Ist das nicht der Fall, können mit der Zeit unschöne Wellen im Tuch entstehen. Abschließend werden die Transportsicherungen noch entfernt, damit das Vinyl-Tuch aus dem Gehäuse ausfahren kann.

Soll die Leinwand ein paar Zentimeter weniger ausgefahren werden, weil beispielsweise die hochgelegten Füße im Bild sind, muss die Tension nachgespannt werden, um die volle Spannkraft zu behalten. Das lässt sich ganz einfach unten an der Fallstange bewerkstelligen.

Um das an dieser mal zu demonstrieren:

Foto: Michael B. Rehders – Für die optimale Spannkraft des Tension-Systems kann mittels Schraubendrehungen an der Fallstange das Seil nachgespannt oder gelockert werden.

Technik und Messungen

 Das FireHawk G5 ist völlig plan gespannt. Die Ecken der grauen Sichtfläche besitzen einen vorbildlichen rechten Winkel. Hier ist nichts verzogen, so dass das Bild passgenau darauf abgebildet wird. Die Nutzfläche beträgt 2,44 x 1,37 Meter, also exakt 16:9. Die Leuchtdichte beziffert Stewart mit Gain 1,1. Meine Messungen bestätigen diesen Wert. Im Sweetspot wird das auftreffende Licht daher 10 Prozent heller reflektiert, aufgrund einer leichten Lichtbündelung. Davon abweichend reduziert sich die Lichtausbeute kontinuierlich. In einem Winkel von 35 Grad verbleiben noch 50 Prozent (Half Gain). Aus technischen Gründen ist dieser Effekt auf Leinwänden mit grauer Grundtönung und lichtverstärkenden Partikeln hinzunehmen, weil anders eine Richtwirkung nicht erzielt werden kann.


Farbtemperatur – Links der Beamer nach der Kalibrierung im Lichtstrom (ohne Leinwand). Das Ergebnis ist auf Topniveau. Rechts die Farbwerte auf der Leinwand: Rot 93 %, Grün 100 %, Blau 106 %. Folglich fällt auf der FireHawk G5 die Farbtemperatur mit 7.100 Kelvin (D65) zu kühl aus.

Farbtemperatur – Nach der Kalibrierung sind auch auf dem FireHawk G5 alle Parameter top (rechts). Rot, Grün und Blau treffen die 100-Prozent-Vorgabe exakt.

Farbraum – Nach der Kalibrierung wird der Farbraum Rec.709 perfekt abgedeckt. Die Zielkoordinaten werden auf dem FireHawk G5 punktgenau getroffen.

Der Graustufenverlauf von Rot, Grün und Blau erfolgt tadellos über alle Abstufungen von 0 – 100 IRE um 100 Prozent herum.

Praxis und Bildeindrücke

Die Luxus G2 fährt das Tuch zügig herunter und stoppt zuverlässig an seiner Endposition. Das FireHawk G5 ist spiegelglatt gespannt und vollkommen geruchsneutral. Tagelanges Lüften des Wohnzimmers ist nicht notwendig. Der Filmspaß kann sofort beginnen.

Nach der Kalibrierung des Projektors starte ich die Comic-Verfilmung „Iron Man“. Das Marvel-Logo erscheint knackscharf. Die Durchzeichnung in hellen und dunklen Bereichen ist exzellent. Nichts überstrahlt ins Weiß oder säuft im Schwarz ab. Allerdings fällt mir ein ganz leichtes Glitzern in hellen einfarbigen Flächen auf. Das ist der Kompromiss, den man eingehen muss, wenn auch tagsüber bei Restlicht im Wohnzimmer Filme geschaut werden. Aus üblichen Betrachtungsabständen empfinde ich es allerdings nicht störend. Brillanz und Farbpräzision beeindrucken. Als Tony Stark im Militärfahrzeug sitzt, wird die Wüste um den Konvoy herum wunderbar gleichmäßig auf der Leinwand ausgeleuchtet. Während der Explosion werden feinste Details in UHD-Pixelauflösung dargestellt. Störende Moirè-Effekte zeigt die Stewart Luxus G2 nicht. Farbverläufe im Himmel sind homogen und frei von Fehlern.

Mein Betrachtungsabstand beträgt rund die 1,5-fache Bildbreite. Aus dieser Distanz ändert sich auch auf den Außenplätzen der Couch nicht viel vom sehr guten Bildeindruck. Einen nennenswerten Lichtabfall zu den Seiten kann ich nicht ausmachen. Erst weit abseits neben der Couch/Leinwand nimmt die Lichtausbeute zunehmend ab.


Meine Fotoaufnahme von Rom erscheint mit natürlichen Farben. Das Kolosseum weist feinste Details auf. Der blaue Himmel, die weiße Tafel über den Torbogen sind vom Sitzplatz aus absolut homogen.




Splitscreen: Ganz dicht vor der Leinwand sind das leichte Glitzern und der Blauüberschuss auf dem FireHawk G5 (links) zu sehen, welche das Studiotek 100 von Stewart (rechts) nicht aufweist.

In „IRON MAN“ wird die Explosion in Kapitel 1 präzise reproduziert. Feuerball und schneebedeckte Berggipfel sehen originalgetreu aus.

Der Projektor sollte unbedingt auf der Luxus G2 kalibriert werden. Auf diese Weise werden Himmel, Berge und Vegetation in „Iron Man“ mit originalgetreuen Farben dargestellt. Trotz der lichtverstärkenden Partikel fällt mir vom Sitzplatz kein störendes Rauschen/Glitzern auf.

Die Nachtaufnahme in „GHOST IN THE SHELL“ zeigt im Original eine herausragende Plastizität. Diese wird von der Stewart exzellent reproduziert.

Wer ganz genau hinschaut entdeckt das aufgelegte Testmuster Snowmatte 100, das im Hotspot mit Gain 1,0 einen Hauch dunkler ist als die Stewart FireHawk G5.

Projektion am Tag

Am Nachmittag, als noch etwas Tageslicht durch die heruntergelassenen Jalousien ins Wohnzimmer fällt, hält die Stewart das Streulicht vom Bild fern. Dabei ist es keine Tageslichtleinwand. Gegen pralles Sonnenlicht kann auch sie wenig ausrichten, weil sie dafür nicht konzipiert wurde. Aber für abgedunkelte Wohnzimmer ist sie wie geschaffen, tagsüber und abends.

Foto: Michael B. Rehders – Bei seitlich einfallendem Tageslicht erscheint die Explosion in „Iron Man“ mit hoher Farbbrillanz, weil die FireHawk G5 das Fremdlicht einfach zur Seite ablenkt. Sogar die schwarzen Letterboxbalken bleiben überzeugend dunkel.

Fazit

Der Champagner kann herausgeholt werden. Für das abgedunkelte Wohnzimmer ist die Stewart Luxus G2 mit dem Tuch FireHawk G5 wie geschaffen. Mit dieser Kombination erhalten anspruchsvolle Großbildfreunde eine hervorragend verarbeitete Motorleinwand, die mit ihrem Seilspann-System eine spiegelglatte Planlage erzeugt. Streulicht im Raum wird wirkungsvoll eliminiert, so dass auch am Nachmittag Spielfilme und Live-Sport in Premium-Qualität erlebt werden können.   

Pro & Contra

+ Material und Verarbeitung exzellent
+ geruchsneutral
+ Streulicht wird hervorragend eliminiert
 
– leichtes Glitzern


Technische Daten und Messergebnisse

Modell:Stewart Luxus G2
Stewart FireHawk G5
Produktkategorie:Motorleinwand mit Tension-System
Preis:6.200,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Aluminiumträger Schwarz mit Abschlusskappe Alu gebürstet.
Tuch Ambient Light Reflection (ALR) mit Tension
Besonderes:Maßanfertigung
Abmessungen (Breite):2,44 x 1,37 Meter (16:9)
LeuchtdichtefaktorGain 1,1
FarbreproduktionRot 93 %, Grün 100 %, Blau 106 %
Half-Gain30 Grad
Technik:Motorleinwand mit Tension-System
Lieferumfang:– Luxus G2
– FireHawk G5
– Fernbedienung
– Montagematerial
– Anleitung


Test, Text und Fotos: Michael B. Rehders
Screenshots im Rahmen des Zitatrechts: 
IRON MAN (Leonine), GHOST IN THE SHELL (Paramount Pictures / Universal Pictures), KOLOSSEUM (Michael B. Rehders)


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