TEST: BARCO NJORD CS – Bester Heimkino-Projektor bis 110.000 Euro mit 5K-Auflösung

Das belgische Unternehmen Barco feiert mit dem Njord Cinemascope eine weitere Heimkino-Premiere. 9.000 Lumen Lichtleistung, dynamisches Tone Mapping für HDR und messerscharfe Bilder sorgen dafür, dass Leinwandbreiten über vier Meter in Referenzqualität befeuert werden – und das ist noch lange nicht alles.

Foto: Barco – Passende Wechselobjektive für alle Räumlichkeiten und ein Anschlussfeld, das eine Wünsche offen lässt, bietet der Barco Njord CS.

Bereits im Test des Barco Bragi CS hatte ich angekündigt, dass das belgische Unternehmen ein dynamisches Tone Mapping für HDR (High Dynamic Range) entwickelt und kostenlos als Update zur Verfügung stellen wird.
Nun ist es soweit: Als erster Journalist weltweit habe ich die Möglichkeit, das brandneue dynamische Tone Mapping im Njord CS zu testen. Das Update wurde erst wenige Stunden vor meinem Test aufgespielt.

Für das umfangreiche Testprozedere fahre ich nach Stockelsdorf,  wo Andreas Riemann sich die Zeit nimmt, mich tatkräftig beim Review in seinen Räumlichkeiten zu unterstützen. Hier befindet sich nämlich der teuerste Projektor, den ich als Journalist bislang testen konnte. Ein Versand nach Hamburg mit Vor-Ort-Service ist aus zeitlichen und logistischen Gründen nicht möglich gewesen. Darüber hinaus ist mein Screening-Room auch zu klein für diesen riesigen Projektor, der eine Leinwandbreite von mindestens vier Metern erfordert. Bei ARLED Solutions GmbH finde ich hingegen optimale Bedingungen vor: Fünf Meter Leinwandbreite, schwarzer und klimatisierter Kinoraum.

Styling und Design

Für Leinwandbreiten bis zu vier Meter ist die Auswahl an Heimkino-Projektoren bereits stattlich. Wer deutlich größere Leinwände befeuern möchte, für den wird das Angebot schnell sehr übersichtlich, weil es den Beamern dafür schlichtweg an Lichtleistung fehlt. Genau diese Nische besetzt Barco mit dem Njord Cinemascope, der nicht nur Filme in XXL-Größe zu projizieren vermag, sondern mit 110.000 Euro ein augenfälliges Preisschild trägt. Ebenso beeindruckend sind Gewicht (49 Kilogramm) und Abmessungen (54 x 35 x 72 cm).

Vier von neun Objektiven sind im Kaufpreis inkludiert, von denen der Käufer sich eines aussuchen kann. Die anderen fünf Objektive sind kostenpflichtig. In Summe bieten die Objektive die Möglichkeit, dass der Njord CS zum Beispiel eine vier Meter breite Leinwand aus einer Distanz von 1,64 bis 43,00 Meter vollständig ausleuchtet.
Darüber hinaus ist der Njord CS für die 360 Grad Projektion ausgelegt. Er kann hochkant an die Wand montiert werden, und das Bild wird mit Hilfe eines Spiegels zur Leinwand reflektiert. Passende Halterungen und sogar Hush-Boxen zur Geräuschminimierung führen andere Hersteller gegen Aufpreis im Programm.

Mit einem Betriebsgeräusch von 45 Dezibel ist der Njord CS kein Leisetreter und gehört zwingend in eine Vorführkabine, Hush-Box oder separaten Technikraum, der vom Heimkino baulich getrennt ist.
Mit 1.720 Watt finden ich den Njord überdies recht stromhungrig, dafür kann er an jede 220 Volt Steckdose angeschlossen werden.

Foto: Barco – Die Fernbedienung besitzt übersichtlich angeordnete und hinterleuchtete Tasten. Für Blendenöffnung, Testbilder, Fokus, Zoom und Shift gibt es separate Settings, die via On-Screen-Menü auf der Leinwand dargestellt werden.




Foto: Barco – Halterungen für die Deckenprojektion können gegen Aufpreis erworben werden.

Foto: Barco – Aber auch Installationslösungen in der Decke oder an der Wand sind optional vorgesehen. Via Projektor-Halterung mit (ausfahrbaren) Spiegel wird viel Flexibilität geboten, um den Projektor zu Hause zu implementieren.


Ausstattung und Technik

Barco wartet mit einer Besonderheit auf: Der Njord CS besitzt drei DLP-Chips mit jeweils 0,9 Zoll, um Rot, Grün und Blau (RGB) gleichzeitig darzustellen. Die Auflösung wird mit 5.120 x 2.160 Pixel beziffert. Das entspricht einem Seitenverhältnis von 2,37:1 für die Projektion im Cinemascope-Format. Die native Auflösung der drei Chips beträgt jeweils 2.560 x 1.600 Pixel. Inhalte bis 3.840 x 2.160 Pixel können entgegengenommen und via XPR-Shift-Technologie verarbeitet mit der beworbenen Auflösung projiziert werden. Der optische Block und die DMDs (Digital Mirror Device) sind versiegelt, so dass keine Staubpartikel auf den Chip gelangen.

Üblicherweise schwankt die Schärfe ein wenig, bis ein Projektor seinen optimalen Arbeitspunkt erreicht hat. Die Fokus-Kompensation sorgt dafür, dass der Projektor bereits ab dem Einschalten ein gestochen scharfes Bild erzeugt.

Wie schon der Bragi CS hält auch der Njord CS die Farbtemperatur aufrecht, wenn Brennweite und Lichtleistung geändert werden, weil dies im Rahmen der Objektiv-Kalibrierung mit berücksichtigt wird.  

Ein Sechs-Achsen-Farbmanagement ist implementiert. Unter Berücksichtigung des verstellbaren Weißanteils spricht der Hersteller gar von sieben Achsen.

Für die Nutzung von Apps und Smartfunktionen liegt dem Barco Njord CS ein Apple TV 4K bei. Damit können beliebte Streaming-Dienste wie zum Beispiel Netflix, Wow, Amazon Prime Video, YouTube, Zattoo und Apple+ genutzt werden.

Triggermodule sind zur Automatisierung und Steuerung vorhanden für: Creston, Control4, RTI und Savant WiFi.

Eine automatische Bildformatanpassung, 3D mit Tripple-Flash (144 Hz) auf RF-Basis, Warping, das „Prospektor Webinterface“ zur Bedienung und Fernwartung sowie drei Jahre Garantie, die auf fünf Jahre kostenpflichtig verlängert werden können, komplettieren das umfangreiche Ausstattungspaket.

Foto: Barco – Via Apple TV 4K wird der Barco Njord CS fit für Smartfunktionen gemacht. Idealerweise wird das Gerät an den AV-Receiver angeschlossen, um auch 3D-Sound nutzen zu können. Dem Projektor wird lediglich das Bildsignal zugeführt via HDMI.

Laserlicht-Quelle

Um die hohe Lichtausbeute von nominell 9.000 Lumen mit präzisen Farben zu erreichen, hat Barco dem Njord CS eine moderne Laser-Phosphor-Technologie spendiert. Anstatt drei verschiedenfarbige Laser für RGB zu verwenden, nutzt der Projektor ausschließlich blaue Laserdioden zur Lichterzeugung. Diese blauen Laserdioden strahlen auf ein sich drehendes gelbes Phosphorrad, das für eine längere Haltbarkeit keinen organischen sondern anorganischen Phosphor verwendet, um Weiß zu emittieren. Die Lebensdauer dieser Lichtquelle beziffert das belgische Unternehmen mit 20.000 Stunden, wenn der Projektor mit 100 Prozent Lichtleistung betrieben wird. Bis dahin reduziert sich die Lichtausbeute auf 50 Prozent. Um diesen Wert mal in Zahlen zu veranschaulichen: Wer täglich einen Zwei-Stunden-Film schaut, kann den Njord CS über 27 Jahre betreiben. Danach kann selbstverständlich weiter genutzt werden, er ist aber nur noch halb so hell. Die Laserlichtleistung lässt sich auf maximal 4.000 Lumen senken, so dass ich den Njord CS ab Bildbreiten von 4,00 Meter empfehle. Hier erzielt er bereits 41 Footlambert oder 140 Nits auf einer Gain 1,0-Leinwand.

Foto: Michael B. Rehders – Der Barco Njord CS besitz ein Touch-Panel, auf dem alle Einstellungen vorgenommen werden können. Auf Wunsch sogar ohne dass die Zuschauer etwas mitbekommen, wenn das On-Screen-Menü nicht auf der Leinwand gezeigt wird, sondern nur auf dem Touch-Panel.

Installation und Bedienung

Wie schon der Bragi Cinemascope wird auch der Njord CS vom Fachmann vor Ort aufgestellt und eingerichtet. Anschließend braucht sich der Nutzer um nichts weiter zu kümmern und kann den Projektor quasi vollautomatisch laufen lassen.  
Im Rahmen der Ersteinrichtung wird zunächst das gewünschte Objektiv angeflanscht und kalibriert. Besonderen Wert wird hierbei auf die Scheimpflug-Anpassung gelegt. Da das Objektiv mehrere Linsen besitzt, unterscheidet sich die Entfernung zur Bildmitte von der zum Bildrand. Um nun eine perfekte Schärfeebene auf der gesamten Leinwand zu erhalten, werden die minimalen Abweichungen korrigiert. Die entsprechenden drei Schrauben dafür befinden sich vorne am Projektor.    

Mit Hilfe des Webinterfaces werden weitere Parameter mit dem Notebook konfiguriert. Das geschieht schneller und komfortabler als mit der Fernbedienung. Fokus, Konvergenz und sogar die Farbeinstellungen im 6-Achsen-Farbmanagement werden nicht mit Schiebereglern eingestellt. Stattdessen werden Zahlenwerte in die entsprechenden Tabellen eingeben. Auf diese Weise gelingt es im Handumdrehen, die „x, y, Y“-Koordinaten von Primär/Sekundär-Farben und Weißpunkt zu treffen.

Der Njord CS besitzt eine Funktion zur Erkennung der Seitenverhältnisse. Er stellt Filme im Cinemascope-Format automatisch mit 5.120 x 2.160 Pixel dar. Filme in 16:9 projiziert er mit 3.840 x 2.160 Pixel. Alle Zwischenformate, wie beispielsweise 1,85:1, 1,90:1, 2,00:1 und 2,20:1 werden automatisch skaliert, so dass sie immer die volle Leinwandhöhe ausschöpfen. Auf diese Weise sind die Inhalte lediglich unterschiedlich „breit“, so wie ich das aus dem Kino kenne.

Alle Parameter lassen sich in beliebig vielen und frei benennbaren Speicherbänken ablegen und jederzeit aufrufen. Die Skalierung geschieht hinter einer Schwarzblende, sie dauert gefühlt nur einen Wimpernschlag. Da die Formatwechsel digital erfolgen, passen Fokus, Zoom und Bildlage immer ganz genau.

Das On-Screen-Menü ist übersichtlich und selbsterklärend.

Alle relevanten Parameter lassen sich im Status-Menü ablesen.

Um HDR optimal auszuschöpfen, wird dem implementierten dynamischen Tone Mapping mitgeteilt, welche Leuchtdichte und HDR-Verstärkung gewünscht sind.

Schlussendlich wird auch für DynaBlack der passende Parameter ausgewählt. Im Test hat sich die Einstellung „Hoch“ bestens bewährt.

Mittels RealColor P7 werden die Abweichungen von der Vorgabe in der Tabelle angepasst.

Messungen und Diagramme

Einmal mehr macht Barco überaus ehrliche Prospektangaben. Die publizierten 9.000 Lumen Maximalhelligkeit erzielt mein Testgerät fast auf den Punkt genau. Einen zu kühlen Farbstich kann ich nicht ausmachen. Im Gegenteil, die Farbtemperatur beträgt ab Werk rund 6.100 Kelvin und bedarf nur weniger Anpassungen, um exakt auf das Target von 6.500 Kelvin zu kommen. Kalibriert beträgt die Lichtausbeute überwältigende 8.722 Lumen. Das reicht aus, um Bildbreiten bis 10 Meter mit 16 Footlambert zu befeuern für SDR. Für HDR kommen 32 Footlambert auf Leinwandbreiten von 6,70 Meter heraus.
Der statische Kontrast fällt mit 2.320:1 (On/Off),  522:1 (ANSI) und 1.621:1 (Inbild) exzellent aus für einen aktuellen DLP-Projektor. Wird DynaBlack eingeschaltet, steigt der dynamische Kontrast auf bis zu 29.500:1. Damit kommt der Projektor auf einen Schwarzwert von 0,29 Lumen, was in Verbindung mit der Maximalhelligkeit für überaus brillante Bilder auf großen Leinwänden sorgt.
Die Color Uniformity ist mit 93 Prozent sehr gut, so dass ich keinen Helligkeitsabfall zur Seite erkenne.

Farbraum Rec.709 ab Werk: Für HDTV wird der Farbraum ohne eine weitere Einstellung bereits exzellent abgedeckt. Allenfalls der Weißpunkt fällt mit 6.100 Kelvin eine Spur zu warm aus.
Farbraum Rec.709 kalibriert: Die Farbraumabdeckung beträgt 100 Prozent und der Weißpunkt macht eine Punktlandung mit 6.504 Kelvin.

Farbraum DCI-P3 ab Werk: Der HDR-Farbraumabdeckung beträgt 103 Prozent und bedarf kaum einer Änderung. Allenfalls Grün ist minimal erweitert und muss eingefangen werden.

Farbraum DCI-P3 kalibriert: Nur minimale Änderungen sind nötig, um Grün an seinen Sollpunkt innerhalb des Diagramms zu verschieben. Die Farbraumabdeckung beträgt jetzt hervorragende 99 Prozent.
Gamma 2,4 ab Werk: Der Gammaverlauf grenzt an Perfektion.

Gamma 2,4 kalibriert: Es geht sogar noch besser. Nach der Kalibrierung sind Vorgabe und Messung praktisch deckungsgleich.

Graustufenverlauf ab Werk: Der leichte Rotanstieg erklärt die Farbtemperatur von 6.100 Kelvin.

Graustufenverlauf kalibriert: Nach der Kalibrierung ist der RGB-Verlauf von 0 bis 100 Prozent vorgabengetreu.

Die DeltaE-Werte fallen überragend aus. Der Durchschnittswert für Graustufen (oben) beträgt 0,2 und für die Primär/Sekundärfarben (unten) 0,3.

Meine Messung legt offen: Der Weißpunkt weicht auf der x-Achse um gerade mal 1/10.000 vom Target ab. Y und y stehen dem nicht nach.

Einstellungsempfehlungen vom Color-Management-Experten:

SDR
Bildmodus              Eigenes Preset
Farbraum               Rec.709
Helligkeit                0.09
Kontrast                 1.00
Sättigung                1.00
Farbtemperatur      6.500 K
Schärfe                  3       
Gamma                  2.4


HDR
Bildmodus              Eigenes Preset
Farbraum               DCI-P3
Helligkeit                0.09
Kontrast                 1.00
Sättigung                1.13
Farbtemperatur      6.500 K
Schärfe                  4
Tone Mapping        Medium

Foto: Michael B. Rehders – Die Messungen reflektiv von der Leinwand und Einstellungen im Projektor erfolgen mit Hilfe von zwei verschiedenen Notebooks. Während mit dem Laptop 1 die Messwerte via Calman und Sensor ermittelt werden, werden die Anpassungen mit dem Laptop 2 (Foto) im Projektor vorgenommen.

Konstante Lichtausbeute

Um die hohe Lichtleistung über tausende Stunden aufrecht zu erhalten, hat Barco in den Njord CS das Feature CLO (Constant Light Output) installiert.
Wird CLO beispielsweise auf eine gewünschte Lichtleistung von 80 Prozent voreingestellt, entspricht rund 7.000 Lumen, wenn wir von einer Maximalhelligkeit von 8.722 Lumen kalibriert ausgehen. Nun regelt der Njord CS automatisch die maximal verfügbare Lichtleistung selbständig soweit herunter, dass dieser Wert (80 Prozent) konstant aufrechterhalten wird. Erst wenn der maximal verfügbare Lichtstrom der Laserdioden unter 80 Prozent fällt, wird der Projektor in der Praxis dunkler.

Herausragende Schärfe bis zum Rand: Nach der Scheimpflug-Anpassung deckt die Ausschnittsvergrößerung des Fokus-Testbildes am Bildrand auf, wie überragend die Schärfedarstellung ist.

DynaBlack für mehr Kontrast

DynaBlack ist Barcos neue Kontrastverstärkungsfunktion, die Frame by Frame arbeitet. Während eine dynamische Blende sich je nach Inhalten lediglich öffnet oder schließt, analysiert DynaBlack jedes Bild im laufenden Betrieb und unterscheidet hierbei dunkle von hellen Szenen. Der Vorteil gegenüber anderen dynamischen Lampen/LED/Laserlicht/Blenden-Regelungen ist, dass DynaBlack nicht lediglich die Gesamthelligkeit automatisch anpasst, sondern überdies gezielt in einzelne Bereiche der Inhalte eingreift, um den Kontrast im Bild zu steigern. Die Prozedere aus Verarbeitung und Laserpulsierung geschehen ultraschnell, um den gesamten Dynamikbereich eines Bildes zu erhöhen.
Basierend auf den bekannten Schwellenwerten jedes Frames, können Schwarz- und Weißwerte dynamisch angepasst werden.
So zeigt meine Analyse, dass teilweise nur dunkle Bereiche via Gammaanpassung abgedunkelt werden (siehe Foto). In anderen Fällen wird zwar die Lichtausbeute reduziert, um ein dunkleres Schwarz zu erhalten, aber helle Elemente gleichzeitig angehoben, so dass diese ihre ursprüngliche Leuchtkraft beibehalten.

Ohne DynaBlack liegt auf dem Bild von „West Side Story“ ein sichtbarer Grauschleier, wie ich ihn von vielen DLP-Projektoren kenne, aufgrund des technologisch bedingten geringen nativen Kontrastumfangs.

Mit DynaBlack ist der Grauschleier weg. Die Feuertreppe ist erheblich dunkler, während Marias weiße Kleidung und die farbig hinterleuchteten Fenster ihre Strahlkraft behalten.

Dynamisches Tone Mapping für HDR

Das brandneue dynamische Tone Mapping für HDR wird von Barco via Update kostenlos nachgereicht. Es liest die hinterlegten Metadaten aus und passt Farben, Helligkeit und Kontrast mittels hinterlegter PQ-Kurven bildgenau an. Sollten keine Metadaten im Quellmaterial vorhanden sein, was noch relativ oft vorkommt in HDR-Filmen, verwendet der Barco einen eigens hinterlegten Algorhythmus, um das projizierte Bild gefälliger erscheinen zu lassen. Das funktioniert in der Praxis hervorragend. Von 0,0 bis 10.000 Nits werden alle Signale dargestellt, die auf HDR-Filmen vorhanden sind.   

Das dynamische Tone Mapping des Barco Njord CS überzeugt vollumfänglich. Selbst in „Sully“ sind alle vorhandenen Inhalte auf den Displays abgebildet.

Ohne weitere Anpassungen stellt das dynamische Tone Mapping sogar eher dunkel gemasterte Filme wie „Blade Runner 2049“ überzeugend hell dar.

Bildqualität

Dank der 3-Chip-Technologie glänzt der Barco Njord CS mit der vollständigen Abwesenheit des Regenbogen-Effektes (RBE). Im Gegensatz zur 1-Chip-Technik werden die Farben nämlich nicht sequentiell, sondern gleichzeitig projiziert.

Spielfilme mit 24 Hz werden wie im Kino dreimal (72 Hz) auf der Leinwand abgebildet. Dadurch erscheinen sie überraschend ruhig, flimmerfrei und ruckeln deutlich weniger als bei den günstigen Kollegen. TV-Übertragungen mit 50 und 60 Hz gibt der Njord ebenfalls tadellos wieder. Eine Zwischenbildberechnung (FI) ist nicht vorhanden.

Bis in die Ecken ergibt sich ein gestochen scharfes Bild, das vollkommen frei von Farbsäumen und anderen Störungen ist. Ich entdecke Details in „Tenet“, die ich so noch nicht gesehen habe. Als der Protagonist mit seiner Begleitung am Strand entlang schlendert, ist der Schriftzug des Hotel Residence im Hintergrund klar und deutlich zu lesen. Auch Schattenbereiche im Wald sind hervorragend durchgezeichnet. Hier kommt der erstklassige ANSI-Kontrast voll zur Geltung. Überdies ist die Helligkeitsverteilung über das gesamte Bild fantastisch. Es werden nicht nur Personen im Hintergrund besser herausgeschält als von anderen Projektoren, es sind überdies feinste Spitzlichter auf dem Wasser sichtbar, die wir bislang noch nicht ausgemacht haben.

Bereits das knallrote Warner-Logo vor schwarzem Hintergrund begeistert ob der extrem hohen Lichtausbeute des Njord CS. Ein derart brillanter Rotfarbton, der gleichzeitig so hell und satt leuchtet, ist ein völlig neues Seherlebnis.
Darüber hinaus sorgt DynaBlack für ein extrem dunkles Schwarz, wie ich es bislang nur von den JVC-Projektoren her kenne, nicht aber von DLPs. Mit diesem Feature gelingt es Barco, die Lücke zu D-ILA zu schließen. Überdies ist die Regelung von DynaBlack mit meinen Testsequenzen nicht auszumachen. Es gibt schlicht und ergreifend kein Helligkeitspumpen, so dass ich empfehle, dieses Feature immer zu nutzen.

Die Explosion der Laderampe des Flugzeugs in „Tenet“ wird strahlendhell und überaus farbenprächtig reproduziert.

Diese Szene am Kai von „Tenet“ habe ich mit bislang noch keinem anderen Projektor so scharf und fein aufgelöst gesehen wie vom Barco Njord CS.

Automatische Umschaltung auf Cinemascope-Leinwänden

Beim Bragi Cinemascope habe ich noch die digitale Verkleinerung von 16:9-Inhalten kritisiert, weil diese mit leichten Auflösungsverlusten einhergehen. Das ist beim Barco Njord CS nicht der Fall. Aufgrund eines erheblich besseren Videoprozessings werden feinste Details auf der Leinwand abgebildet, die andere XPR-Shifter nicht zeigen. Allenfalls native 4K-Projektoren bieten in diesem einen Punkt ein noch etwas besseres Ergebnis.

Das Bildmenü von „Tenet“ liegt in 16:9 vor und wird auf der Cinemascope-Leinwand richtig skaliert und vollständig abgebildet.

Das 2,20:1-Bildformat in „Tenet“ wird richtig auf der Cinemascope-Leinwand abgebildet. Es dauert nur ein Augenzwinkern bis die Umschaltung erfolgt ist.

Foto: Michael B. Rehders – Meine Panoramaaufnahme von Hamburg projiziert der Barco Njord CS vollständig in 16:9 auf die Cinemascope-Leinwand. Schauen wir uns mal den Doppeldecker Bus genauer an.

Die Makroaufnahme beweist, dass fast alle Inhalte zu sehen sind. Lediglich native 4K-Projektoren bieten hier eine noch bessere Feinauflösung.

In „West Side Story“ kommt der erweiterte Farbraum in Zusammenspiel mit dem dynamischen Tone Mapping großartig zur Geltung. Sowohl die Luftaufnahme des Klosters mit seinen sattgrünen Bäumen, als auch die Neonbeleuchtungen in dem kleinen Shop, in dem Toni arbeitet, versprühen wahre HDR-Wow-Momente. Die hohe Lichtausbeute des Njord CS ist wie geschaffen für High Dynamic Range. Darüber hinaus sind zahlreiche Nachtaufnahmen derart herausragend durchgezeichnet, dass ich wiederholt neue Elemente entdecke, die andere Projektoren gnadenlos ins Schwarz zulaufen lassen und demzufolge dort nicht erkennbar sind.

Im kleinen Laden leuchten die Farben überaus brillant. Auf fünf Meter Bildbreite übertrifft der Barco Njord CS sogar den JVC DLA-NZ9 in fast allen Belangen, wenn dieser auf drei Meter Bildbreite projiziert.

Was für eine Durchzeichnung: Ganz rechts im Frankfurters sind alle Details zu sehen, die im Quellmaterial des Films „West Side Story“ auf der UHD Blu-ray vorhanden sind. Sogar die beleuchteten und nicht beleuchteten Fenster darüber und im Hintergrund werden vollständig reproduziert! Auf der Straße überstrahlt nichts ins Weiß, dank des sehr gut arbeitenden dynamischen Tone Mappings.

Fazit

Der Barco Njord CS ist nicht nur der teuerste Heimkino-Projektor, sondern auch der beste DLP-Projektor, den ich als Journalist bislang getestet habe. Zum ersten Mal habe ich 8.700 Lumen kalibriert auf einer fünf Meter breiten Cinemascope-Leinwand erleben können – und das mit einer DCI-P3-Farbraumabdeckung von 99 Prozent. Barcos neues dynamisches Tone Mapping leistet hervorragende Arbeit. Zusammen mit DynaBlack ergibt sich ein sensationelles HDR-Filmbild mit einem Kontrast von 29.500:1. Wer schlicht und ergreifend das beste Heimkinobild anstrebt, was Lichtausbeute, Schärfe, Farbdarstellung, Durchzeichnung und Bedienkomfort anbelangt, kommt am Barco Njord CS kaum vorbei. Ich habe zum ersten Mal 110.000 Euro gesehen, jeden einzelnen Cent davon.

Pro & Contra

+ optimiert für Cinemascope-Leinwände ab vier Meter
+ dynamisches Tone Mapping für HDR
+ Kontraststeigerung via DynaBlack
+ Farbdarstellung und Schärfe herausragend
+ Bestes Bild bis 110.000 Euro
+ 5K via XPR-Shift-Technologie
+ unbegrenzte Bildspeicher
+ 3D-Wiedergabe mit 144 Hz (Triple Flash)
+ leichte Bedienung
– hoher Stromverbrauch
– Betriebslautstärke


Technische Daten und Messungen

Modell: Barco Njord CS
Technik: Drei-Chip-DLP
Bildauflösung: 2.560 x 1.600 Pixel nativ / 5.120 x 2.160 Pixel via XPR-Shift sequenziell
Lichtquelle: Laser/Phosphor
Lebensdauer Lichtquelle: 50.000 Stunden
Leistungsaufnahme: 1.720 Watt
Betriebsgeräusch: 45 dB (hoher Lichtmodus)
Helligkeit: 9.000 Lumen (Maximal), 8.722 Lumen (kalibriert)
Kontrast On/Off: 2.320:1 (statisch), 29.500:1 (dynamisch)
Kontrast ANSI: 522:1
Kontrast Inbild: 1.621:1
Schwarzwert: 3,75 Lumen (statisch), 0,29 Lumen (dynamisch)
Lens-Shift: Ja (vertikal und horizontal)
3D-Wiedergabe: ja
3D-Transmitter: nein
3D-Brille: nein
Ausführungen: Schwarz
Abmessungen (BHT): 540 x 355 x 725 mm
Gewicht: 48,00 Kg (ohne Objektiv)
Garantie: 3 Jahre (bis 5 Jahre gegen Aufpreis)
Preis: 110.000 Euro

Test und Text: Michael B. Rehders
Fotos:
Barco (5), Michael B. Rehders (22)
Screenshots im Rahmen des Zitatrechts: Sully (Warner Bros.), West Side Story (Walt Disney), Tenet (Warner Bros.), Blade Runner 2049 (Warner Bros.), Hamburg Panorama (Michael B. Rehders)

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